USA (1990) Autor: Howard Chaykin, Fritz Leiber, Artwork: Mike Mignola, Inker: A. Williamson, Farben: Sharelyn van Valkenburgh, Cover: Mike Mignola, Übersetzung: Matthias Wieland Originaltitel: Fafhrd and the Gray Mouser Erschienen bei: Cross Cult ISBN: 3936480613 Preis: 22 € Fafhrd und der Graue Mausling bei Amazon.de Als moderner, verwöhnter Comic-Leser ist man einiges gewohnt - großartiges Storytelling und tolle grafische Umsetzungen sind heute bei weitem keine Seltenheit mehr. So kommt es dann tatsächlich eher selten vor, dass man einen Comic aufschlägt und erstmal sprachlos ob der famosen Zeichnungen die Seiten anstiert. Aber genau so geht es wohl den meisten, die zum ersten Mal Fafhrd und der Graue Mausling aufschlagen - so gut die Vorlage von Fritz Leiber und die Umsetzung von Howard Chaykin ist, Mike Mignolas famoses Artwork stielt erst einmal sämtlichen anderen Aspekten die Show. Mignola hat Fafhrd drei Jahre vor seinem großen Durchbruch mit Hellboy gezeichnet und bereits hier erkennt man deutlich etliche Stilmittel, die später den Hellboy-Look so entscheidend prägten: Stilisierte Figuren und Gesichtszüge, viel Arbeit mit Schatten-Effekten und auch die beliebten "Schnitte" zu unbeteiligten, oft steinernen Beobachtern während Actionszenen oder Dialogen verwendet Mignola hier bereits. Aber halt, halt... wir wollen das Pferd hier jetzt mal nicht von Hinten aufzäumen... fangen wir doch lieber mal bei den beiden Namensgebenden Helden an. Fafhrd ist ein echter Hüne: Der rothaarige Nordmann lebt ebenso wie sein eher klein geratener, dunkelhaariger Kumpane Mausling in der Fantasy-Welt Newhon. Ausgedacht hat sich die beiden der 1992 verstorbene Autor Fritz Leiber. Eigentlich stehen Fafhrd und der Graue Mausling in der klassischen Tradition von Pulp-Helden wie Conan der Barbar der wenige Jahre vor Leibers Helden das Licht der Kurzgeschichten-Welt erblickte. Im Vergleich zu Conan sollten Fafhrd und der Graue Mausling aber menschlichere Helden sein, keine überlebensgroßen Helden wie Robert E. Howards Barbar. Auch ihre Welt ist weniger archaisch, erinnert Newhon doch eher an das europäische Mittelalter als an Conans Hyboria. Ansonsten hält sich Leiber aber an die klassischen Motive der Low-Fantasy - Helden die aus meist nicht allzu heldenhaften Motiven handeln, oft etwas fragwürdige Moral, außerdem verzichtet Leiber Genre-typisch auf Elben, Orks und anderes Tolkien-Gezücht. Dafür verpasst er seiner Welt, vor allem aber der Stadt Lankhmar die den Mittelpunkt der meisten Abenteuer der beiden Antihelden ist eine gehörige Dosis Noir! Die Diebesgilde, zahlreiche Femme Fatales, die lose Moral der Helden und nicht zuletzt der Stadt-Moloch Lankhmar selbstgeben den Geschichten und damit auch der Comic-Umsetzung hier die nötige Würze. Und auch ein moderner Autor wie Terry Pratchett hat sicherlich die ein- oder andere Inspiration für sein Scheibenwelt-Ankh-Morpork aus Leibers Werk gezogen.
Chaykins und Mignolas Comic-Adaption von Leibers Geschichten ist nicht der erste gezeichnete Auftritt von Fafhrd und dem Grauen Mausling, aber mit Sicherheit der Beste. Die vier bei Epic erschienenen Bände basieren recht exakt auf einigen von Leibers Originalgeschichten und kommen dabei angenehm abwechslungsreich daher: Hat die erste Geschichte beispielsweise mit die stärksten Noir-Anleihen überhaupt geht es bei einem späteren Handlungsstrang auf einmal weitaus gruseliger zu. Als einzigen Kritikpunkt könnte man wohl anbringen, dass ein Leser der die Figuren und insbesondere ihr Verhältnis zu Newhons unheimlichen Magiern kennt das ein- oder andere Detail wohl schneller und besser versteht als ein Neuling. Aber auch Leser ohne jegliche Vorkenntnisse brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass sie irgendetwas verpassen. Crosscult-typisch ist die Aufmachung von Fafhrd und der Graue Mausling ausgezeichnet, man möchte fast schon sagen perfekt. Ein toller Druck, eine gelungene Übersetzung und interessantes Extra-Material am Ende des Bandes sind ja schon seit längerem das Markenzeichen des kleinen, aber dafür umso feineren Verlags. Für 22 Euro bekommt der deutsche Leser das volle Programm in handlich-wertiger Verpackung. Nicht nur für Fantasy-Fans ein lohnender Kauf! Text Copyright Thomas Nickel 2007 Bilder Copyright Crosscult |