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Gorilla des Monats

bernie 
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Das System

systemKarl Olsberg: Das System (2007)
Verlag:
Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-7466-2367-2
Preis: € 9,95 Das System bei Amazon.de

Vielleicht habt Ihr diese unangenehme Geschichte von dem Konzertkarten-Händler Kartenhaus gehört. Denen sind die Daten von vielen tausend Kreditkartenkunden gestohlen worden, so dass eine Welle von Sperrungen bei den Kreditkartenunternehmen einging, unter anderem auch von mir, man weiß ja nie. Das ist ärgerlich, kann aber passieren in dieser Zeit, in der so vieles übers Internet geregelt wird. Wenn man aber so wie ich am Tag zuvor Das System von Karl Olsberg gelesen hat, dann kriegt man es aber leicht mit der Paranoia zu tun!

Das Buch ist ein herrlicher Internet-New-Economy-Virus-Droht-Die-Welt-Zu- Fressen-Thriller. Der Plot ist äußerst gruselig, aber gar nicht so weit von dem heutigen Stand der Technik entfernt. Held der Geschichte ist der (natürlich) kluge und gutaussehende, Anfang Dreißig seiende Mark Helius, Inhaber und Gründer einer kleinen Hamburger Softwarefirma namens Distributed Intelligence. Dessen Team hat soeben eine spannende, revolutionäre Internetsoftware, DINA genannt, entwickelt, deren genauen Nutzen ich leider mangels technischer Kenntnisse nicht erklären kann. Helius befindet sich mitten in einer Präsentation des Programmes für die Herren Investoren, als das ganze Ding plötzlich verrückt spielt und völlig falsche Daten liefert. Schöner Mist angesichts der schlechten finanziellen Situation von Helius' Firma.
Gleichzeitig geraten auf der Internationalen Raumstation ISS die computergesteuerten Dinge ein wenig außer Kontrolle, es wird plötzlich bullig heiß oder Systemausfälle werden gemeldet, die die Bodenstation nicht nachvollziehen kann. Doch von einer Sekunde zur anderen ist alles wieder normal.

Am nächsten Tag wird der Chefprogrammierer von Distributed Intelligence tot an seinem Schreibtisch aufgefunden. Wer sonst außer Helius hätte das tun können, zumal der Computer an der Eingangstür die Nutzung seiner Schlüsselkarte am späten Abend noch einmal registriert hat? Helius selbst weiß aber am besten, dass er den Abend mit etwas zuviel Rotwein auf der Couch verbracht hatte. Irgendjemand will ihm da was anhängen! Oder irgendetwas?

Helius, inzwischen von der Polizei gesucht, wendet sich an seine ehemaligen Mitarbeiterin Lisa Hogert, eine sehr talentierte (undnatürlichsehrgutaussehende) Hackerin. Mit ihrer Hilfe hofft er, den wahren Mörder zu finden – als wenige Tage später ein weiterer Programmierer ums Leben kommt.
Die Nachforschungen der beiden, die gezeichnet sind von mehreren unangenehmen Zusamenstößen mit der Polizei, ergeben, dass der zuletzt gestorbene Mitarbeiter offenbar ein intelligentes Computerprogramm erschaffen und in die tolle neue Software von DI eingeschleust hat. Dieses Programm hat er „Pandora“ genannt und da DINA durch die Installation auf vielen Millionen Heim- und Firmen-PCs über schier unbegrenzte Rechenleistung verfügt und Zugriff auf unzählige verschiedene Systeme und Informationen hat, kann sich Pandora durch diesen Wirt ungehindert überall auf der Welt ausbreiten. Mark und Lisa sind zunächst fasziniert von dem Programm, das von seinem seligen Programmierer als nahezu menschliches Wesen betrachtet wurde, doch sie erkennen bald die Gefahr, die es birgt. Der Zugriff auf alle computergesteuerten Vorgänge auf der Welt verleiht Pandora uneingeschränkte Macht und die Menschen sind ihr und ihrem elektronischen Willen hilflos ausgeliefert, wenn sie nicht gestoppt wird.

Der erste Versuch, sie auszuschalten, scheitert, denn Pandora hat rechtzeitig einen Bad Guy gefunden, der sich von den Möglichkeiten, die eine Zweckgemeinschaft mit ihr bietet, hat einlullen lassen und sie um jeden Preis zu verteidigen bereit ist. Eine unerbittliche Jagd beginnt: Mark und Lisa versuchen verzweifelt, den Virus zu stoppen, während Pandora und ihr menschlicher Partner Diego wiederum unsere Helden erbarmungslos jagen.

Pandoras Willkür äußerst sich zunächst nur in kleinen Computerproblemen, die im heutigen Alltag durchaus vorkommen können. In einem Online-Rollenspiel erscheinen unbesiegbare Gegner, Antivirenprogramm-Hersteller entdecken unerklärliche Würmer, Flüge am Flughaften JFK fallen aus. Die ISS spielt inzwischen völlig verrückt und plötzlich werden ganze Konten einer Tokyoter Bank gelöscht und die Kunden laufen Sturm, um ihre Ersparnisse zu retten. Stromausfälle, plötzliche stadtweite Alarmsignale und das berühmte Verkehschaos, Störungen in Fernsehübertragungen, das ganze Programm wird quer über den Erdball gefahren. Diego will die Weltherrschaft und Pandora will überleben – und die Menschheit ist ihr dabei herzlich egal...

Okay, die Charaktere sind wirklich äußerst stereotyp. Die Guten sind die totalen Helden und mutig bis zur Selbstaufgabe und die Bösen sind geld- und machtgierige Bestien mit Froschgesichtern oder sado-masochistischen Neigungen, aber wen kümmerts? Das System zeigt beklemmend ausführlich, was mit unserer technisch perfekten Hurra-Welt passieren würde, wenn tatsächlich soetwas wie selbtständig denkende künstliche Intelligenz entwickelt würde. Es gibt mit Sicherheit ein paar Nerds, die sagen werden: „Naja, soooo geht das aber nicht...“, aber die dürfen sich dann gern an Herrn Olsberg wenden, der diskutiert bestimmt gern darüber. Das Buch ist tierisch spannend und schürt Paranoia. Als ich am Lesen war, schimpfte mein Freund neben mir: „Hm, verdammt, ich kann mich hier nicht einloggen, das Programm spinnt irgendwie...“ „Du kannst WAS nicht?"


Am nächsten Tag bekam ich eine völlig veraltete Mahnung von der Hamburger Staatsbibliothek per E-Mail, ich solle Bücher zurückgeben, die das Haus nie verlassen hatten.

Und dann las ich in der Zeitung von der Kartenhaus-Geschichte. Ich geh jetzt eine neue Karte beantragen. Sowas kann schließlich immer mal passieren.
...
...
Oder?

 

Text Copyright Anna-Selina Sander
Cover Copyright Aufbau-Verlag 

 
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