Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Games arrow Eternal Sonata
Eternal Sonata
Eternal SonataSystem: XBox 360

Japan (2007), Director, Scenario Creator: Hiroya Hatsushiba, Musik: Motoi Sakuraba, Frédéric Chopin, Sprecher: Johnny Yong Bosch, D.C. Douglas, Erin Fitzgerald, Patrick Seitz, Sam Regal, Mona Marshall
Originaltitel: Trusty Bell: Chopin no Yume

Entwickler: Tri-Crescendo
Erschienen bei: Atari
Preis: ca. 60 € Eternal Sonata bei Amazon.de

Wer hätte es gedacht, jetzt hat die Xbox 360 schon ihr drittes japanisches Rollenspiel klassischer Bauart: Nachdem die Vorgänger-Hardware noch komplett ohne das in bestimmten Kreisen so beliebte Genre auskommen musste freuen sich 360-Besitzer nach dem netten, aber etwas unscheinbaren Enchanted Arms und dem famosen Blue Dragon jetzt über Tri-Crescendos prachtvolles Eternal Sonata. Und das hat es auf jeden Fall in sich - Grafik, Musik und auch spielbarkeit sind auf höchstem Niveau und auch wenn sich Eternal Sonata ein paar kleinere Schnitzer leistet werden die von den positiven Seiten des musikalischen Abenteuers doch locker überschattet. 

In den frühen 90er Jahren waren Rollenspiele im Westen noch ein Ausnahme-Genre und die Fans stürzten sich auf jeden erscheinenden Titel wie die Geier, auch wenn der bei genauerer Betrachtung eigentlich garnicht mal so toll war. Mit der PSone änderte sich das freilich, mit Final Fantasy 7 kam die RPG-Schwemme und die brachte neben etlichen tollen Titeln auch eine Flutwelle von mäßig inspiriertem Mittelmaß mit sich. Generische Kampfsystem, generische Helden und Stories von der Stange wurden zeitweise fast schon zur Norm. Daher muss ein Rollenspiel heute schon etwas mehr bieten als ein abgedroschenes "Mädchen ohne Erinnerung fällt vom Himmel, optimistisch-motivierter Held kennt sie nicht, will ihr aber Helfen" bieten (ja, Wild Arms 5 - ich schaue hier in deine Richtung... aber dazu vielleicht später mal mehr). Und genau das tut Eternal Sonata. Wie klingt das?  Der berühmte Komponist Frédéric Chopin liegt in seiner Pariser Wohnung im Sterben, die Tuberculose war zu stark für ihn. In seinen letzten Stunden beginnt er von einer phantastischen Welt der Musik zu träumen in der Hügel aussehen wie Instrumente, Schwerter mit Saiten verziert sind und Menschen die von einer unheilbaren Krankheit befallen sind magische Kräfte entwickeln. Da soll nochmal einer behaupten, den japanischen RPG-Schreiberlingen gehen die Ideen aus.

Eternal Sonata

In dieser Welt trifft Chopin Polka. Die ist 14 jahre alt und weiß, dass sie bald sterben wird. Aber mit ihren magischen Kräften versucht Sie, ihren Mitmenschen zu helfen. Die reagieren allerdings nur mit Angst und Abscheu - was, wenn sie sich am Ende noch anstecken? Chopin und das kleine Mädchen werden schnell Freunde... mag das damit zusammen hängen, dass Chopins reale Schwester ebenfalls mit 14 Jahren starb..? Bereits nach kurzer Zeit treffen die beiden auf den gutherzigen, aber etwas hitzköpfigen Allegretto und seinen jungen Kumpel Beat. Gemeinsam machen Sie sich auf den Weg zum örtlichen Grafen: Der knechtet seine Untergebenen mit viel zu hohen Steuern und diversen anderen Bosheiten, alles riecht schwer nach einer baldigen Revolution. Und wie war das noch? Konnte Chopin selbst nach der Revolution in Polen damals sein Heimatland nie wieder betreten? Sie orientiert sich der Plot von Eternal Sonata stets lose am Leben des großen Komponisten und verarbeitet zahlreiche Motive auf diese Weise.

Aufdringlich wird das aber in den seltensten Fällen, Tri-Crescendo hat es verstanden, die einzelnen Elemente harmonisch miteinander zu verbinden. So erfährt der aufmerksame Spieler im Laufe des Abenteuers doch einiges über Chopin ohne sich dabei zu fühlen wie in einem interaktiven Telekolleg. Am deutlichsten werden die Parallelen zum realen Chopin, wenn das Spiel gelegentlich von Zwischensequenzen unterbrochen wird in denen Zusammenhänge zwischen der Handlung des Spiels und der Vita Chopins mit Fotos wichtiger Schauplätze von Chopins Leben gezeigt werden. Untermalt werden diese ruhigen, aber sehr hübschen Sequenzen von Kompositionen Chopins, interpretiert von dem russischen Pianisten Stanislav Bunin. Dem ungeduldigen Spieler der nur auf den nächsten Monsterkampf und die nächste Erfahrungspunkt-Spritze aus ist mögen diese Sequenzen etwas zu lang daherkommen, aber gerade sie sind es, die Eternal Sonata wohltuend von anderen JRPGs abheben.  

Eternal Sonata

Spielerisch ist Eternal Sonata da schon eine etwas klassischere Angelegenheit: Entwickler Tri-Crescendo, das ehemalige Sound-Team des RPG-Studios Tri-Ace (Valkyrie Profile, Radiata Stories, Star Ocean) hat sich bereits mit den beiden gelungenen Baten Kaitos-Spielen auf dem Gamecube einen Namen gemacht, mit Eternal Sonata orientiert man sich aber mehr an den bereits erwähnten Tri-Ace-Titeln. Am deutlichsten wird as im Kampfsystem: Das setzt sehr stark auf Action und Echtzeit-Aktionen, behält aber dennoch einige rundenbasierte Elemente bei. Zu Beginn jeder Runde beginnt ein Timer zu ticken: Jetzt hat die gerade aktive Figur ein paar Sekunden Zeit sich zu bewegen, anzugreifen, oder Spezialattacken einzusetzen. Ist das System anfangs noch sehr einfach und lässt den Timer beispielsweise nur ticken, wenn tatsächlich eine Aktion ausgelöst wird, so zieht das System mit fortlaufender Spieldauer an und erfordert vom Spieler mehr Taktik und schnelleres Handeln. In das Chaos von Spielen wie Star Ocean arten die Kämpfe aber nie aus, Eternal Sonata verschont euch mit einer fragwürdigen KI für Partymitglieder, ihr steuert die Helden allesamt selber und könnt daher eure Kampfstrategie sauber planen. 

Sehr interessant ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten: Helden und Monster besitzen je nachdem wo sie sich befinde völlig verschiedene Angriffsmanöver. So kann ein kleines Kullermonster im Schatten auf einmal zum bedrohlichen Riesengegner heranwachsen, in der eigenen Party kann Polka beispielsweise im Sonnenlicht mächtige Heilmagie einsetzen, steht sie im Schatten wird daraus auf einmal eine starke Attacke. So werden ein paar interessante Strategien möglich - warum sich nicht mal im Schatten eines dicken Bosses verstecken um ihm ein paar besonders kernige Angriffe zu verpassen? Auch das sammeln von Echos ist ein interessantes Element: Je mehr normale Attacken Allegretto, Beat und die anderen dem Getier verpassen, desto stärker werden auch die Spezialattacken. So ist es eine nützliche Taktik, mit einem schnellen, aber schwachen Angreifer ein dickes Monster mit zahlreichen Stakkatohaften Angriffen einzudecken damit  der nachfolgende Held mit ordentlich vielen Echos eine besonders starke Spezialattacke starten kann. Leider halten aber nach einiger Spielzeit so manche Standart-Monster schon ziemlich viele Attacken aus, das zieht manche Kämpfe doch etwas unangenehm in die Länge. Aber dafür wurden wir vor Zufallskämpfen verschont, alle Monster sind stets schon von weitem Sichtbar und können meist gut umgangen werden wenn einem der Sinn gerade nicht nach wilder Keilerei steht. 

Eternal Sonata

Grafisch ist Eternal Sonata ein Festmahl für die Augen. Auch wenn das Spiel mit seiner festen Kamera die Xbox360 nicht bis zum äußersten Ausreizt überzeugen die Szenarien alleine schon auf der künstlerischen Ebene absolut.  Die feste Kamera fängt die Umgebung immer aus den schönsten Blickwinkeln ein, die kräftigen, gut gewählten Farben und die zahlreichen Details der Umgebung laden nur so zum Betrachten ein. Auch de Figuren sehen toll aus: Sehr aufwändiges Cell-Shading und schöne Schattenwürfe gefallen, die Designs warten mit zahlreichen liebevollen Elementen auf - seien das nun die Federn an Allegrettos Schulterschutz oder die Spitze an Polkas Kleid. Natürlich sollte der Spieler eine gewisse Affinität zu dem in Eternal Sonata verwendeten leicht kitschigen Anime-Stil mitbringen. Aber hey, Kitsch muss ja nicht immer etwas schlechtes sein! Zumal sich Eternal Sonata technisch keine Blößen gibt. Die Animationen sind flott, Ladezeiten meist nicht zu bemerken und die Menüs sind übersichtlich und praktikabel gehalten. So mögen wir das.

Entdeckungsfreudige Zeitgenossen werden sich aber wohl an der extremen linearität von Eternal Sonata stören: Seit Final Fantasy X wurden wir wohl nicht mehr durch ein so vorherbestimmtes Abenteuer geschickt. Das ist nicht wirklich schlimm, beim ersten Spielen will man ohnehin erst einmal wissen, wie die Handlung weitergeht und welche grafischen Spielereien den Spieler noch erwarten, aber gerade wenn sich das Spiel jenseits der 20 Stunden-Grenze langsam dem Ende zuneigt, dann würde man sich wohl doch über ein paar mehr Subquests freuen - wer bei seinen RPGs eisern eine Spielzeit von mindestens 40 Stunden fordert (was wir im übrigen nicht tun), der wird wohl schneller den Abspann sehen, als ihm lieb ist... Aber dafür vergehen die 20+ Stunden von Eternal Sonata auch wie im Flug. Wir hatten auf jeden Fall großen Spaß in Chopins faszinierender Traumwelt. 

 
Verwandte Artikel:

Interview mit Hiroya Hatsushiba und Hideo Baba  

Text Copyright 2007 Thomas Nickel
Screenshots Copyright Tri-Crescendo
 

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.