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Final Fantasy Tactics: The War of the Lions
fftSystem: PSP

Japan (2007), Executive Producer: Akitoshi Kawazu, Writer, Director: Yasumi Matsuno, Game Design: Hiroshi Ito, Art Direction: Hiroshi Minagawa, Character Illustration: Akihiko Yoshida, Musik: Hitoshi Sakimoto, Masaharu Iwata
Originaltitel: Final Fantasy Tactics: Shishi Sensou

Entwickler: Square Enix
Erschienen bei: Koch Media
Preis: ca. 35 € Final Fantasy Tactics - The War of the Lions bei Amazon.de

Kleine Geschichtsstunde: 1995 bringt der kleine Spiele-Entwickler Quest das Iso-Strategiespiel Tactics Ogre - Yasumi Matsuno, Hiroshi Minagawa, Akihiko Yoshida und die beiden Komponisten Hitoshi Sakimoto und Masaharu Iwata liefern mit dem 24Mbit-Modul die Blaupause für zahlreiche künftige Strategiespiele von Vandal Hearts über Suikoden Tactics, Onimusha Tactics, La Pucelle Tactics... eine ganze Menge Taktik auf jeden Fall. Die japanischen Spieler liebten das knackschwere und äußerst komplexe Monster-Modul, eine West-Fassung gab´s natürlich nicht - erst ein paar Jahre später brachte Atlus die PSone-Konvertierung zumindest nach Amerika. Und offenbar war auch Branchengigant Square (damals noch ohne -Enix) ziemlich angetan vom Werk von Matsuno und Konsorten - schnell waren erst die kreativen Köpfe von Quest abgeworben, etwas war auch der Rest von Quest gekauft. Und was machten Matsuno, Minagawa und der Rest der Ogre-Crew? Die schufen mit Final Fantasy Tactics den spirituellen Nachfolger von Tactics Ogre.

Denn wer das SNES-Spiel kennt, der wird bei Final Fantasy Tactics etliche Déjà Vu-Erlebnisse haben - Grafikstil, Menüführung, Plotstruktur und Komplexität wurden klar Tactics Ogre Nachempfunden. Angereichert wurde das ganze aber mit klassischen Final Fantasy-Klassen - plötzlich tummelten sich Schwarze Magier, Dragoons, Summoner, Chocobos und zahlreiche andere klassische Final Fantasy-Gestalten auf den isometrischen, mittlerweile dank PSone-Power auf voll polygonalen Schlachtfeldern. Und damit nicht genug, auch das aus Final Fantasy III und Final Fantasy V bekannte Job-System wurde implementiert. Und das erwies sich als Geniestreich, ergänzten sich die faszinierenden Möglichkeiten des Job-Systems doch perfekt mit der Komplexität von Tactics Ogre. Nehmen wir noch einen extrem verschachtelten Plot und einen fulminanten Sakimoto-Iwata-Soundtrack dazu und wir haben alles, was man zum zünftigen zukunftssicheren Kultspiel braucht, nichtmal die oft reichlich lieblos geratene englische Übersetzung konnte daran etwas ändern. Und wie es damals so Brauch war erschien Final Fantasy Tactics natürlich nicht in Europa, erst das hier vorliegende PSP-Remake schaffte es auf einen offiziellen Release.

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Und damit können jetzt auch deutsche Spieler erstmals ohne Mod-Chips und Import-Aufwand die Geschichte um Ramza Beoulve und Delita Hyral, den Kampf um Ivalice, das Schicksal von Prinzessin Ovelia nachspielen.Und das auch noch in erweiterter und verbesserter Form. Denn The War of the Lions ist kein simples Remake, Square-Enix hat das Spiel an ein paar Ecken und Kanten verbessert und erweitert. Das damals schon recht uninspirierte Renderintro wurde gegen großartige neue Sequenzen die den Zeichenstil von Charakter-Designer Akihiko Yoshida hervorragend einfangen ausgetauscht und auch im weiteren Spielverlauf werden wichtige Ereignisse in animierten Sequenzen erzählt. Auch die Übersetzung wurde komplett überarbeitet: Dialoge werden jetzt in pseudo-Shakespeare-Englisch geführt, in Sachen Atmosphäre und auch Verständlichkeit ein gewaltiger Fortschritt zum oft ärmlichen Gestammel des 32-Bit-Originals. Auch am Spiel selbst wurde etwas gefeilt: Ein weiterer Gastauftritt aus einem modernen Final Fantasy ist mit von der Partie, auch zwei neue Charakterklassen warten darauf, ausprobiert zu werden.

Das liest sich jetzt nach dem perfekten Remake - ist es aber leider nicht. Denn bei einem entscheidenden Punkt wurde empfindlich geschlampt: Anstatt das Bild sauber an das 16:9-Format der PSP anzupassen wurde die Grafik einfach billig in die Breite gezogen.  Und das geht mal eigentlich garnicht - das Spiel wirkt unschärfer als die PSone-Fassung, die Figuren wirken allesamt etwas übergewichtig und eine Option, das Spiel doch zumindest mit schwarzen Balken links und rechts im 4:3-Originalformat zu spielen fehlt auch. Und da können wir wirklich nur mit dem Kopf schütteln... da gibt man sich Mühe mit Texte und Sequenzen und fängt dann bei einem so essenziellen Element an zu schlampen... weniger geschlampt, als einfach nur gespart wurde dann bei der Lokalisation, deutsche Texte sind nämlich Fehlanzeige, das Spiel ist auch in der offiziellen Version komplett englisch. Und nicht nur in englisch, sondern im bereits erwähnten Pseudo-Shakespeare-Englisch. Und für das richtige Verständnis der Handlung sind dann doch etwas bessere Englisch-Kenntnisse angeraten.

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Von diesen Neuerungen Konvertierungs-Kritikpunkten abgesehen entspricht Final Fantasy Tactics auf der PSP spielerisch dem PSone-Original: Knackig-schwere rundenbasierte Iso-Strategie mit einer relativ kleinen Truppe (5 Mann dürfen maximal in den Kampf ziehen) auf einem ebenfalls recht überschaubaren Kampfgebiet. Tactics Ogre hatte in dieser Hinsicht mit größeren Truppen und vor allem weitaus größeren Schlachtfelder mehr zu bieten. Dafür punktet Final Fantasy Tactics mit dem bereits erwähnten Job-System. Gerade für ein Strategiespiel ist die unglaubliche Flexibilität des Systems eine perfekte Ergänzung und hält die Motivation auch langfristig auf einem enorm hohen Level.

Leider schießen sich die Entwickler teilweise aber selbst etwas ins Knie: Im späteren Spielverlauf schließen sich ein paar extrem überpowerte Charaktere Ramzas Truppe an die einen Kampf fast schon im Alleingang für sich entscheiden könnten. Überhaupt hat das Spiel ein paar ziemliche Probleme in Sachen Spielbalance, der Schwierigkeitsgrad schwankt teilweise wild: So mancher Kampf in der Mitte des Spiels hat durchaus das Potenzial, manche Spieler endgültig zu vergrätzen, hat man an dieser Stelle nicht ein paar der entscheidenden Fähigkeiten in petto ist Frust im großen Stil angesagt. Was diese Fähigkeiten sind muss der Spieler natürlich selbst herausfinden, das Spiel lässt euch durchaus ohne mit der virtuellen Wimper zu zucken direkt ins Messer laufen. In der zweiten Spielhälfte sinkt der Schwierigkeitsgrad dagegen ordentlich ab... auch hier wäre ein wenig Feintuning beim Remake durchaus willkommen gewesen.

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Trotzdem hat Final Fantasy Tactics seinen famosen Ruf auch heute noch voll verdient. Natürlich hat das Spiel seine Fehler - sowohl in Sachen Präsentation, als auch bei der Balance, das motivierende Jobsystem, der komplexe Plot, der absolut grandiose Soundtrack und der hohe taktische Anspruch wissen trotzdem auf Wochen an die PSP zu fesseln. Auch wenn ihr Final Fantasy Tactics damals bereits auf der PSone gespielt habt solltet ihr The War of the Lions ganz oben auf eure PSP-Einkaufsliste setzen - auch Unterwegs funktionieren die knackigen Schlachten ganz hervorragend, die neue Übersetzung wirkt tatsächlich Wunder und macht das Spiel auch für alte Hasen noch einmal interessant. Trotz all der bemängelten Punkte fährt sich Final Fantasy Tactics einen Platz ganz oben im portablen Spielspaß-Olymp ein. Auf keinen Fall verpassen!

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Text Copyright 2007 Thomas Nickel
Screenshots Copyright Square Enix

 
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