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Gorilla des Monats

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The Ricky Gervais Show

Ricky Gervais ShowThe Ricky Gervais Show

Umfang: 92 Episoden (Radio) + bisher 27 Episoden (Podcast), mit: Ricky Gervais, Stephen Merchant und Karl Pilkington
Erschienen bei: XFM (Radio), Audible (Podcast)
Preis: je ca. 2 Euro (Podcast ), kostenlos (Radio-Shows)

"You can only talk rubbish if you're aware of knowledge." (Karl Pilkington)

Ricky Gervais und Stephen Merchant kann man mit Fug und Recht als Comedy-Genies bezeichnen. Mit ihrer revolutionären Fernsehserie The Office (die in Deutschland unter dem Namen Stromberg die zweifehalfte Ehre eines ebenso inspirations- wie niveaulosen Remakes ergatterte) haben sie die Regeln der Fernsehcomedy neu definiert und einen vormals nie erreichten Level an Observation, Subtilität und Charakterentwicklung auf die Mattscheibe gebracht. Die nächste Produktion des kreativen Duos, Extras, konnte den Erfolg ihres Debüts allerdings nie ganz kopieren. Während das Büro ein universelles Setting darstellt, mit dem sich jeder Zuschauer bis zu einem gewissen Grad identifizieren kann, waren die Mediensatire und die zynische Darstellung der Filmschickeria als Themen nicht mainstreamtauglich genug, um dem immensen Erfolg der vorherigen Produktion gerecht zu werden. Trotzdem war auch Extras eine mehr als solide Serie, die bei Zuschauern und Kritikern gleichermaßen Anklang fand, und Gervais und Merchants Status als internationale TV-Giganten endgültig zementierte.

office

"We've invented most of the stuff that we need and now we're just messing about" (Karl Pilkington)

Aber wer glaubt, dass die größte komödiantische Leistung der Beiden nach wie vor im Tragikomischen des drögen Büroalltags liegt, kennt Karl Pilkington nicht. Moment mal. Karl Pilkington? Wer zum Teufel soll das sein? Karl Pilkington war über lange Jahre hinweg Tontechniker und Produzent beim Londoner Radiosender XFM. Dort verrichtete der rundgesichtige Brite jahrelang unbeachtet seine Arbeit, bis an einem schicksalhaften Tag zwei gewisse Fernsehpromis die Entscheidung fällten, in ihrer Freizeit eine Rundfunksendung zu moderieren. Obwohl Karl anfangs nur zum Knöpfedrücken ins Studio abgerufen wurde, entwickelte er sich innerhalb weniger Wochen zu einem essenziellen Bestandteil der Show. Seine bizarre Weltsicht, seine unkonventionellen karlGedankengänge und die surrealen Anekdoten aus dem Alltag des unvergleichlichen Pilkington hatten bei Merchant und vor allem Gervais genau den richtigen Nerv getroffen. Egal welche Frage sie Karl stellten, egal mit welchem Thema sie ihren Sidekick konfrontierten, jede Antwort, jeder Kommentar war reines komödiantisches Gold. Eine humoristische Absicht steckte jedoch von Seiten Pilkingtons nie dahinter. Ohne sich vom knochentrockenen Sarkasmus eines Stephen Merchant, oder von der schrillen Lache eines Ricky Gervais aus der Ruhe bringen zu lassen gab er ohne mit der Wimper zu zucken einen absurden Kommentar nach dem nächsten zum Besten. Warum sieht man beispielsweise nie alte Männer die Snickers-Riegel essen? Kontrollieren wir unser Gehirn, oder kontrolliert das Gehirn uns? War der Urknall wirklich so gewaltig, oder schien es nur so, weil keine anderen Geräusche da waren? Wird es jemals eine Wespe geben, die versucht, sich mit einer Spinne zu unterhalten?

"I could eat a knob at night."
(Karl Pilkington)

Fragen über Fragen, ohne die Chance einer vernünftigen Antwort. Aber Karl Pilkington sieht die Welt anders als der Rest der Menschheit. In Karl Pilkingtons Welt werden Delfine für den Notfall mit Maschinengewehren ausgerüstet, Kakerlaken spielen Pacman und Affen erfreuen sich der erstaunlichsten Talente. Schimpansen arbeiten als Chirurgen, haben animalische Affären mit der Frau ihres Zoowärters, bringen Bankräuber zur Strecke und leiten Fitnessclubs. Was immer Pilkington über ein bestimmtes Thema erfährt, wird fehlinterpretiert und zu einem bizarren mentalen Konstrukt ausgebaut, das jeder Beschreibung spottet. Und so unglaublich es auch oft wirkt, scheint er nach wie vor jedes einzelne Wort ernst zu meinen. Seit 2003 die erste Radioshow ausgestrahlt wurde, gab es immer wieder Kritiker die Karl Pilkington als fiktiven Charakter aus der Feder von Ricky Gervais und Stephen Merchant entlarven wollten, aber so sehr sie auch nach Hinweisen suchten, wurde doch keiner fündig.

"Neil Armstrong, that spaceman, he went to the moon but he ain't been back. It can't have been that good."
(Karl Pilkington)

Gruppe Real oder irreal? Kindliche Unschuld oder schelmisches Kalkül? Dummkopf oder verkanntes Genie? Diese Fragen sind letzten Endes irrelevant. Karl Pilkington ist ein einmaliger Querdenker, der nichts auf die Normen unserer Gesellschaft gibt. Seine Gedankengänge sind oft im gleichen Moment unglaublich simpel und beeindruckend komplex, und egal wie vertraut dem Zuhörer sein lethargischer Manchester-Akzent sein mag, kann er doch nie vorhersehen, in welche Richtung sich die Dialoge zwischen Karl und seinen beiden prominenten Kollegen entwickeln. Karl Pilkington ist eben ein Unikat.

Und gerade deswegen sind die Radioshows von XFM, ebenso wie die späteren Podcasts des Trios absolutes Pflichtprogramm für Freunde unkonventioneller Unterhaltung. Während es die alten Rundfunkproduktionen allerdings inzwischen zum kostenlosen und legalen Download direkt bei XFM gibt, muss man für die Podcasts, erhältlich bei Downloadportalen wie Itunes oder Audible, inzwischen gut 2 Euro pro Episode berappen. Ob Karls mentale Exzesse so viel Wert sind? Entscheidet selbst. Im Gorilla-Team sind zumindest schon mehrere Mitglieder der Pilkimania rettungslos zum Opfer gefallen.

Text Copyright Peter Clausen 2007

  

 
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