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Gorilla des Monats

bernie 
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Hard Boiled
hardAutor: Frank Miller, Zeichner: Geof Darrow

Erschienen bei: Crosscult
ISBN: 1878574582
Preis: 24 € Hard Boiled bei Amazon.de
 
Frisch in Deutschland erschienen und definitiv eine Empfehlung wert ist dieses 1990-93 erschienenes Werk von Frank Miller und Geof Darrow. Abseits von brütenden Batmans und anderen menschlichen Superhelden wenden die beiden sich in den letzten großen Cyberpunk-Jahren dem Innenleben des Killerroboters Nixon zu.

Wer die Arbeiten von Geof Darrow kennt, weiß, was ihn erwartet. Riesige, von Details überlaufene Panels, die auch mal eine Doppelseite einnehmen können, zeigen Nixons Welt bis in in die hinterste Ecke. Frauen mit Kettensägen zerschneiden inmitten einer Orgie Selbstmordkandidaten, die Cornflakes-Packung verrät eine Anleitung zum Drogenspritzen und gleich auf der ersten Seite versteckt ein Fußgänger im Hintergrund Alkohol in seinem Afro - ganz abgesehen von Batman-Graffiti, Grabmahlen in Bugs Bunny-Form und ähnlichen Spielereien. Natürlich dürfen auch riesige Roboterarme mit Spritzen, Überwachungsmonitoren und allem drum und dran - spätestens seit Matrix weltweit bekannt - nicht fehlen. Wofür ein Neal Stephenson mehrere Dutzend Seiten Beschreibung benötigt, fasst Darrow in einer Momentaufnahme zusammen.

Diese detailverliebten Zeichnungen (Darrow brauchte sage und schreibe drei Jahre, um den knapp 130-seitigen Comic zu vollenden) sind gleichzeitig die größte Stärke und Schwäche des Comics. Schwäche deshalb, weil die eigentliche Handlung, hauptsächlich ein großes Durcheinander aus sinnloser Gewalt, völlig in der Detailfülle untergeht. Anstatt sich auf die Action zu konzentrieren, verliert das Auge sich in zahllosen Kleinigkeiten, das Erzähltempo wird künstlich gebremst, das vordergründige Geschehen ist kaum verfolgbar. Somit ist Hard Boiled zwar eine Geschichte über einen Roboter, der schnellstmöglich alles, was ihm im Weg steht, vernichten will, fühlt sich aber nie wie ein Actioncomic an, weil zum Beispiel plötzlich der Schokoriegel "Buttfinger" durchs Bild fliegt.
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Wen es nun aber nach einer tiefsinnigen Storyline verlangt, ist gänzlich auf seine Fantasie angewiesen. Anders als in seinen großen Werken verzichtet Frank Miller fast völlig auf Charakterentwicklung oder Beschreibungen und konzentriert sich allein auf die Action. Der Roboter Nixon, vage angelehnt an Garson Poole aus Philipp K. Dicks Kurzgeschichte The Electric Ant, muss sich der Erkenntis stellen, dass er kein Mensch ist und alle seine Erinnerungen eine programmierte Lüge darstellen. Auch damals war es keine sehr neuartige Handlung, die wenig Überraschungen bietet. Dafür ist in den gerade mal drei Einzelheften inmitten von Darrows zeichnerischen Wahnsinn auch schlicht und ergreifend kein Platz frei.

Alles in allem ist Hard Boiled, der seinen Machern den Eisner Award für "Best Team" eingebracht hat, ein kompakter Paperback, der schnell durchgelesen ist und auf dessen Seiten man noch Wochenlang nach Details suchen kann. Das Gegenteil eines typischen Manga also. Und das, obwohl einer der Roboter wie die Schwester von Astro Boy aussieht. Und Hiro Protagonist irgendwo im Hintergrund eine Pizza ausfährt.

P. S. Wer noch mehr Details will, schaut sich nach Big Damn Hard Boiled um - einer Ausgabe mit größeren Seiten und ganz ohne Story... ääh, ich meine natürlich Sprechblasen.
 
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Text Copyright Darina Goldin 2007
Bilder Copyright Crosscult
 
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