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System: PS3, XBox 360 USA (2007) Entwickler: Nihilistic Erschienen bei: THQ Preis: ca. 60 € Conan (PS3) bei Amazon.de Conan (XBox360) bei Amazon.de Wenn man so drüber nachdenkt, ist Conan der Barbar doch der perfekte Held für ein Videospiel. Er ist als Dieb, Kletterer, Krieger und Abenteuer unheimlich flexibel einsetzbar, seine Welt Hyboria ist gewaltig groß und bietet jede Menge Abwechslung und Hintergründe für verwegene Abenteuer und die meisten seiner Geschichten aus der Feder des Texaners Robert E. Howard lassen sich hervorragend als Grundlage für eine Konsolenumsetzung des Barbaren nutzen. Also, liebe Entwickler da draußen, woran liegt es dann, dass es bisher keiner von euch Pfeifen geschafft hat, dem Barbaren ein tatsächlich brauchbares Spiel, das ihm auch gerecht wird, auf den Leib zu schneidern? Wo ist euer Problem? Sehen wir uns einfach nur mal die jüngste, bislang sicherlich ehrgeizigste Umsetzung des großartigen Fantasy-Stoffs an: Einfach nur Conan betitelt und exklusiv für die aktuellen, hochgezüchteten Systeme PS3 und XBox 360 entwickelt, sollte man doch meinen, da kann nicht so viel schief gehen. Aber wie man sich so irren kann... Das einzige, was Nihilistic zum Thema Conan offenbar einfiel war Hacken, Hauen und Prügeln. Der Barbar metzelt sich so in einer ziemlich abgedroschenen God of War-Kopie durch erschreckend austauschbare Fantasy-Szenarien, verprügelt jede Menge eineiige Zwillinge und meist eher konfus ausgefallene Zwischensequenzen versuchen zu erklären, was jetzt gerade passiert. Wären da nicht ein paar wenige, recht beeindruckend ausgefallene Endgegnerkämpfe, man würde sich ernsthaft fragen, warum man dafür jetzt unbedingt eine der teuren neuen Konsolen braucht...
Im Laufe des Spiels lernt Conan nicht nur jede Menge verschiedener Angriffskombos, er findet auch ettliche Waffen, die er besiegten Gegner abnehmen kann - hat er von seinem eigenen Breitschwert genug, tritt er mit Stangenwaffen, Doppelklinge oder Zweihandschwert an. Aber warum all diese Feinheiten? Pro Level trifft Conan immer wieder dieselben Gegnertypen - Fallobst, Fallobst, das versucht, sich zu wehren, Fallobst mit Pfeil und Bogen und ein paar wenige Typen, die eure Manöver sogar blocken können. Diese vier Gegnerarten trifft Conan Level für Level. Klar, sie sehen je nach Umgebung unterschiedlich aus, Kämpfen haben sie aber wohl alle im gleichen Trötenverein gelernt. Außerdem haben offenbar alle Schurken eines Levels den gleichen Ausstatter - im schlimmsten Fall kommt es vor, dass Conan gegen sechs oder sieben völlig gleich aussehende Gegner kämpft. Was in Streets of Rage auf dem Mega Drive damals kein Problem war, ist in einem 60 Euro teuren Spiel aus dem Jahre 2007 deswegen noch lange nicht erlaubt! Grafisch sieht das Spiel in HD durchaus hübsch aus - Vision ist aber absolute Mangelware: In Sachen Levelaufbau und Protz-Faktor läuft Kriegsgott Kratos in den beiden God of War-Episoden dem Kult-Barbaren trotz limitierter PS2-Hardware gnadenlos davon: Während Kratos von Wow-Moment zu Wow-Moment hetzt, prügelt sich Conan zunehmend demotiviert durch langweilige Kavernen und öffnet Türen mit immer wieder gleichen Quicktime Events. Letztere kommen natürlich auch bei so manchem Kampf gegen große Gegner zum Einsatz: Klar, bei Kratos hat's ja auch funktioniert. Im Gegensatz zur eigentlich sonst ganz ordentlichen Steuerung, ist das Timing hier aber etwas zu knackig ausgefallen - oft genug verpasst ihr bei den ersten paar Versuchen einfach die richtigen Kommandos und dürft dann den entsprechenden Gegner erstmal wieder für ein paar Runden beharken, bis ihr erneut 'ran dürft.
Gut - Conan kann spielerisch nicht punkten, grafisch kann er nicht wirklich überzeugen und auch mit interessanten Ideen hapert's. Was ist zu tun? Klar! Nackte Frauen und Gewalt müssen her! So findet Conan über die Levels verteilt immer wieder angekettete, barbusige Damen, die sich für ihre Rettung mit schmachtigen Sätzen wie "Ersticke mich mit deiner Liebe!" oder einem leicht verschämten "Wo sind denn meine Kleider?" bedanken und danach einfach dumm in der Gegend herumstehen. Nicht sehr interessant... Kratos durfte in seinen beiden Abenteuern wenigstens gelegentlich mal ordentlich Krawemsern, Conan ist dieses Glück offenbar nicht vergönnt. Dafür hackt er aber fröhlich Gliedmaßen ab, köpft, spießt oder schlitzt Bäuche auf - polygonales Gedärm inklusive. Das Blut spritzt nur so und wenigstens in dieser Hinsicht macht das Spiel keine halben Sachen. Zumindest in der internationalen, hierzulande aber mittlerweile indizierten Version - die offizielle deutsche Version wurde dagegen komplett zensiert - hier findet sich kaum noch ein Tropfen Blut, die Gewalt-Animationen wurden allesamt entfernt und selbst bei Szenen, in denen offensichtlich etwas passieren müsste - beispielsweise wenn Conan den Kopf des ersten Bosses mit ordentlich Schmackes auf dessen Stachelhammer haut oder wenn er die Zunge des Sanddrachen eines späteren Levels mit dem Schwert aufspießt fließt kein Tropfen Blut - gut, dass da endlich, endlich mal einer an die armen Kinder gedacht hat. Wo kämen wir denn da hin, wenn sie so etwas sehen würden. Ach nee, tun sie ja garnicht - Conan ist ja ab 16 Jahren freigegeben. Klar, wir sind die letzten, die geifernd nach Blut und Gedärm in unseren Spielen schreien, aber die Zensur in Conan spottet dann doch jeder Beschreibung.
Und wo kämen wir hin, wenn wir nicht die verkorkste deutsche Synchro erwähnen würden: Wo im englischen Original Ron "Hellboy" Perlman dem Barbaren sein mächtiges Organ leiht, wetzt in der deutschen Fassung ein austauschbarer Standardsprecher die Zunge und spricht schnell ein paar kernige Sätze ins Mikro, die im Spiel dann ad nauseam wiederholt werden - schaltet die Konsole schnell auf englisch! Okay, das liest sich jetzt alles ziemlich katastrophal, so schlimm ist es aber doch nicht. Conan ist ein generisches, ziemlich einfallsloses Hack&Slay, das sich allerdings doch ganz ordentlich spielt und mit dem man durchaus mal einen grauen Sonntag-Nachmittag im Herbst rumbringen kann - es ist nur eben sehr traurig, dass den in Interviews noch so ehrgeizig wirkenden Entwicklern zum Thema Conan wieder einmal nicht mehr eingefallen ist als ein austauschbares Dauergemetzel. In den Originalgeschichten und den Comics macht Conan einfach weitaus mehr, als Bösewichter im Dutzend niederzumähen... warum nicht auch einmal in einer Videospielumsetzung? Daher raten wir dazu, das Geld lieber in ein paar Robert E. Howard-Sammelbände oder ein paar der exzellenten Conan-Comics zu investieren - dort lernt ihr auch die anderen Seiten des mächtigen Barbaren kennen. Text Copyright 2007 Thomas Nickel Screenshots Copyright THQ |