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Ai Yazawa: Nana Japan (1234), Autorin & Zeichnerin: Ai Yazawa, aus dem Japanischen von: Christine Rödel, Redaktion: Marcel Le Comte
Erscheint bei: Egmont Manga & Anime ISBN: 3770461703 Preis: 5 € NANA 01 bei Amazon.de Alles beginnt mit zwei unabhängigen Lebensgeschichten. Nana Osaki und Nana Komatsu haben (abgesehen von ihrem Alter und Vornamen) absolut nichts miteinander zu tun und werden sich wahrscheinlich auch nie begegnen. Eigentlich waren beide als Eintagsfliegen gedacht. Niemand hätte geraten, dass Frauen auf der ganzen Welt bald ihre Geschichte verfolgen werden.
Nana Komatsu wechselt ihre Frisuren genauso oft wie ihre Männer. Eigentlich sucht sie nur nach der großen Liebe, aber ihre Vorstellungen davon sind so überzogen romantisch, dass sie aus jedem Mädchenmanga stammen könnten. Deshalb ist sie bisher nur von allen Seiten ausgenützt worden - aber das soll sich jetzt ändern. Mit der Unterstützung ihrer sarkastischen Freundin Junko muss Nana lernen, Männer nicht mehr als höhere Wesen zu betrachten und eine erwachsene Beziehung zu führen. Erstmal will sie versuchen, mit Junkos Kumpel Shoji einfach nur eine Freunschaft zu führen. Aber am Ende steht vielleicht doch die große Liebe?
Nana Osaki ist schon vor langer Zeit von der Highschool geflogen, weil man ihr Prostitution vorgeworfen hat. Seit ihre Großmutter gestorben ist, muss Nana auf ihren eigenen Beinen stehen. Sie finanziert sich durch Nebenjobs und wohnt seit über einem Jahr mit ihrem Freund Ren zusammen, dem Bassisten ihrer gemeinsamen Punkband Black Stones. Sie selbst ist Sängerin und eine lokale Berühmtheit, die Band ersetzt beiden ihre Familie. Doch dann bekommt Ren das Angebot, als Gitarrist bei Trapnest einzusteigen, einer anderen Band, die gerade in Tokyo durchstartet. Er nimmt es an und stellt Nana damit vor eine schwierige Entscheidung: Allein zurückzubleiben oder mitzukommen und für immer im Schatten ihres erfolgreichen Freundes zu stehen. 
Schön und gut, zwei abgeschlossene Kurzgeschichten über zwei Mädchen mit gleichem Namen, die auf verschiedene Weise zu einer ähnlichen Erkenntnis kommen und dadurch erwachsener werden. Die Darbietungsart ist nicht neu, die Handlung nicht sonderlich überraschend, und das soll der Beginn einer der erfolgreichsten Mädchenmanga-Serien sein, deren Bände in Japan die Verkaufscharts anführen und die bereits eine Anime-Serie und zwei Kinofilme nach sich gezogen haben? Solange dieser Gedanke euch durch den Kopf geht, könnt ihr handeln. Holt euch nicht den zweiten Band, lest nicht weiter, belasst es bei den beiden wehmütig-fröhlichen Erzählungen. Sonst ist es zu spät.
Denn für beide Nanas endet ihre Geschichte mit dem gleichen Ziel: Wenn die Zeit erstmal reif ist, werden sie nach Tokyo gehen. Rein zufällig laufen sich die beiden, inzwischen zwanzigjährig, über den Weg, und werden kurz darauf, für Japan ganz schön untypisch, Mitbewohnerinnen. Die Frauen sind so unterschiedlich, dass man sich fragen muss, ob sie es überhaupt miteinander aushalten werden. Aber im Grunde genommen haben sie beide einen guten Kern und können eine Menge voneinander lernen. Die wirkliche Geschichte von Nana kann beginnen.
Aber Protagonistinnen von Mädchenmangas sind normalerweise nicht zwanzig. Sie sind vierzehn, sechzehn, siebzehn vielleicht, tragen niedliche Schuluniformen, entwickeln Superkräfte oder landen in fremden Welten und verlieben sich dabei zum ersten Mal. Nana Osaki und Nana Komatsu (die von ihrer Mitbewohnerin ziemlich bald den Spitznamen Hachi bekommt und von nun an auch in diesem Artikel so genannt werden wird) haben da ganz andere Sorgen. Sie müssen sich in Tokyo durchkämpfen und mit Jobs genug Geld verdienen, um nicht zu verhungern. Nana befindet sich plötzlich in der gleichen Stadt wie ihr Ex-Freund Ren, während Hachi an der Beziehung mit Shoji gewaltig arbeiten muss. Und natürlich sind auch die Black Stones nicht vergessen, mit einem neuen Bassisten wollen sie in Tokyo den Durchbruch schaffen, und erfolgreicher als Trapnest werden.
Soweit, sogut. Noch immer haben wir uns nicht von der Handlung einer Telenovela entfernt. Werden wir auch nicht. Mit all den Schwangerschaften, Affären, Paparazzi, Geldproblemen und gebrochenen Herzen hat Nana nie einen tieferen Sinn als die Geschichte von zwei Mädchen und deren Entwicklung zu Frauen zu beschreiben. Natürlich werden immer wieder interessante Charaktere auftauchen und Spannungsbögen aufgebaut, aber im Endeffekt ist einer der erfolgreichsten Mangas der Gegenwart völlig belanglos. Auch der Zeichenstil von Ai Yazawa ist zwar optisch tadellos, aber nicht sonderlich aus der Masse der erscheinenden Manga hervorzuheben.
Warum also kommen die meisten Frauen um die zwanzig, die einmal in Nana reinlesen, nicht wieder davon los? Ganz einfach. Beide Protagonistinnen zusammen haben einen hundertprozentigen Wiedererkennungswert. Die selbstbewusste, unabhängige und rüpelhafte Nana, die niedliche, naive Hachi - die meisten von uns erkennen in beiden sich selbst, mit allen Vorzügen und Fehlern. So bewundert man die eine und belächelt die andere, mit dem Ergebnis, dass man sich irgendwann nicht mehr von ihnen trennen kann. Dann ist da natürlich noch die überaus schicke Geschichte um den Aufstieg einer Punkband, Ai Yazawas Liebe für modische Details und ihre teilweise ganz schön sarkastische Sichtweise der beiden Heldinnen - das Bouquet ist perfekt.
Die Handlung ist realistischer und seriöser, als man es normalerweise gewöhnt ist und zieht klar auf eine ältere Zielgruppe ab. Für all diejenigen, die mit Sailor Moon und Fushigi Yuugi aufgewachsen sind, ist Nana also der logische nächste Schritt, für die anderen eine geeignete Lektüre für zwischendurch. Und Männer, die bis hierher mitgekommen sind, müssen sich nun ein Weihnachtsgeschenk weniger ausdenken. Text Copyright Darina Goldin Bilder Copyright EMA |