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Die Otto Show Deutschland (1973 - 1983) Umfang: (7 + 2 Folgen), mit: Otto Waalkes Preis: ca. 40 € Die Otto-Show bei Amazon.de Otto Waalkes ist ein Thema für sich. Während Deutschland unaufhörlich dank Mario Barth und Konsorten den Bodensatz der Comedy durchstoßen hat und inzwischen sogar noch weit darunter nach abgedroschenen "Mann-Frau-Unterschied"-Kalauern fischen, für die sich sogar Fips Assmussen, der angebliche Erfinder des Witz es schämen würde, macht Otto Waalkes scheinbar seit mehr als 30 Jahren das gleiche – aber irgendwie doch nicht: Wer das große Pech hatte, in den letzten Jahren einen der beiden "Sieben Zwerge" Filme zu sehen, der kam nicht umhin festzustellen, dass Otto eine Art Rückentwicklung in die Kleinkindphase mitgemacht hat: Ob es sich dabei um eine besondere Abart der Midlife-Crisis handelt, oder eine andere degenerative Erkrankung wissen wir nicht, sicher ist aber: Ottos heutiges Herumgeblödel ist nicht wirklich witzig und hat teilweise gar einen enormen Fremdschämfaktor. Wir hören die Dialoge bereits: "Duhu, Papi!" – "Jaaaaaa, mein Kind?" – "Warum ist dieser Otto eigentlich so bekannt?" Kamen ältere Semester an diesem Punkt meist in ziemliche Erklärungsnot, wenn sie nicht panisch versuchten, den antiken Plattenspieler in Gang zu setzen um eine abgenudelte Klassiker-Platte Marke Otto Versaut Hamburg zum laufen zu bewegen. Das ist jetzt vorbei: In einer hübsch aufgemachten Box sind unlängst Ottos Fernsehauftritte der Jahre 1973 bis 1983 erschienen – die perfekte Methode, der zunehmenden Platidüdisierung deutscher Comedy einen hageren, langhaarigen Ostfriesen der ohne Rücksicht auf Verluste dem deutschen Humor seinen Stempel aufdrückte entgegenzusetzen.
Was Otto da in den 70er Jahren bot spottete eigentlich jeder Beschreibung – in völlig konfunse Lied-Ankündigungen (zu Liedern, die er in den meisten Fällen ohnehin nicht spielte) verpackt malträtierte Otto sein Publikum mit Kalauern, schwangt dabei permanent zwischen übermäßiger Bescheidenheit (gerade in den frühen Programmen hat er sich regelmäßig selbst gerne in die Pfanne) und gnadenloser Selbstüberschätzung ("Danke für den Applaus, er ist gerechtfertigt...") und hat dabei sein Publikum doch perfekt im Griff. Und wenn wir den leicht nervösen, unfassbar dürren Burschen mit den langen Haaren und dem Mut zur Hässlichkeit da auf der Bühne sehen wie er zum ersten Mal längst zum Klassiker gewordene Nummern wie "Milz an Großhirn, Milz an Großhirn" oder "Susi Sorglos" auf die Menschheit loslässt, dann fragen wir uns doch, warum Otto heute meist nur noch eine schwache, kastrierte und kindgerechte Kopie seines früheren anarchischen selbst ist. Natürlich sollte keiner von dem über 30 Jahre alten TV-Material auf der DVD Wunder an Klarheit und Farbbrillianz erwarten, trotzdem wurde das Bild durchaus ansprechend aufgehübscht und sieht allemal besser aus als die Aufzeichnungen, die man an manchem späten Abend auf einem der dritten Programme erwischt. Klar, nicht jeder Gag ist ein Zünder, und gerade die Gastauftritte im allerersten Otto-Programm von '73 können eine gewisse peinliche Note nicht von sich weisen, trotzdem wirkt der junge Otto in all seiner Überdrehtheit mit seinen Wortspielen, Kalauern und Musikeinlagen dramatisch witziger und vor allem frischer, als wenn ein Ingo Appelt zum 300. Mal "Ficken" sagt oder Mario Barth seine frisch ausgegrabenen "Meene Freundin..."-Gemeinplätze vom Stapel lässt. Text Copyright Thomas Nickel 2007 Bilder Copyright |