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Gorilla des Monats

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Sam & Max Season 2, Ep.1: Ice Station Santa

samSam Max Season 2, Episode 1: Ice Station Santa

System:
Windows PC
USA (2007), Produzent: Dan Connors, Konzept: Steve Purcell, Musik: Jared Emerson-Johnson, Designer: Dave Grossman, Brendan Q. Ferguson

Endlich sind unsere Straßen wieder sicher. Sam & Max sind aus der wohlverdienten Sommerpause zurückgekehrt um abermals die Welt vom Abschaum zu reinigen und gleich zum Auftakt der neuen Saison stellt sich den Jungs ein besonders mächtiger Gegner in den Weg. Anstatt nämlich, wie es sich gehört, rückgratlose Gören mit drittklassigem Spielzeug zu beschenken hat sich ein gewisser, pausbackiger Tattergreis vom Nordpol kürzlich entschlossen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Aber da hat er die Rechnung ohne einen uns bekannten Hund und seinen treuen Karnickelkollegen gemacht. Qualitativ minderwertiges Spielzeug anzufertigen ist schlimm genug, doch nachdem der alte Knacker Sam & Max einen Killerroboter mit einem bizarren Faible für Mainstream-Popsongs auf die Türschwelle stellt, hat er einen Fehler zu viel begangen. Und so macht sich das dynamische Duo auf den Weg ans Ende der Welt, um die Schreckensherrschaft des Weihnachtsmannes ein für allemal zu beenden.

Seit dem Finale der ersten Staffel hat sich am Arbeitsalltag von Sam und Max nicht viel verändert. Nach wie vor schlachten die Jungs mit staubtrockenen One-Linern, ironischen Anspielungen und einer Extraportion Sarkasmus eine heilige Kuh der amerikanischen Popkultur nach der anderen ab. Dabei hat sich in Sachen Humor eben so wenig geändert wie in Sachen Gameplay. Wer sich erfolgreich durch die Rätsel von Episode 2.1 manövrieren will, sollte jeglichen Bezug zur realen Welt vergessen und sich komplett der patentiert absurden Cartoon-Logik hingeben die Telltale Games im vergangenen Jahr in dieser Serie etabliert hat. Selbst Klassiker wie The Secret of Monkey Island hatten nie eine dermaßen konsequente, eigenständige Welt und damit einhergehende autonome Regeln wie Sam & Max sie in den letzten Monaten entwickelt haben. Aber dann wieder hatte bisher keine andere Adventure-Serie die Möglichkeit jeden Monat aus vorherigen Fehlern zu lernen und das Konzept Stück für Stück zu perfektionieren. Von Anfang an bestand das Hauptziel von Telltale darin, Spiele im Stil von Fernsehserien zu entwickeln, und ebenso wie es bei guten TV-Produktionen auch oft der Fall ist, kann man bei Sam & Max inzwischen in jeder neuen Episode sehen, wie die Entwickler lernen welche Elemente des Konzeptes funktionieren. Egal ob nun die Simpsons, Babylon 5 oder Buffy the Vampire Slayer - gute TV-Kost kommt oft erst im zweiten oder dritten Jahr richtig auf Touren und wenn man dem bisherigen Eindruck trauen kann, scheint es bei Sam & Max ganz ähnlich zu sein. Keine Frage, die erste Staffel von Telltales interaktiver Klamotte war über weite Strecken hinweg absolut grandios, aber hier und da gab es noch gewisse Kinderkrankheiten auszurotten. Die Nebencharaktere, so unterhaltsam sie auch waren, wurden zu oft für vorhersehbare Running Gags eingesetzt, der Schwierigkeitsgrad war anfangs für alte Hasen zu niedrig, später für Neueinsteiger zu hoch und gerade die frühen Episoden ließen in Sachen Umfang noch etwas zu wünschen übrig.

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Nachdem die Entwickler im Lauf der letzten Staffel jene Mankos von Folge zu Folge ein klein wenig besser ausbalanciert haben, stellt sich jetzt die Frage was sich im Verlauf des Sommers getan hat. Erfreulicherweise eine ganze Menge, denn in Sachen Feinschliff ist die neueste Eskapade unserer freischaffenden Gesetzeshüter ein absolutes Vorzeigeexemplar ihrer Gattung. Mit ca. 4-5 Stunden Spielzeit kann sich das Debüt der zweiten Saison problemlos mit dem Finale des vorherigen Produktionszyklus messen und auch in Sachen Rätselspaß geben sich Sam & Max keine Blöße. Tatsächlich müssen die Jungs diesmal sogar ein paar besonders markante Kopfnüsse knacken. Gut für Genreprofis, aber was ist mit Gelegenheitsspielern und Einsteigern, die doch eigentlich einen Großteil des Telltale-Publikums ausmachen? Ganz einfach, diese Zielgruppe greift, ebenso wie verzweifelte Spieletester denen die Deadline im Nacken sitzt (wir verzichten jetzt mal auf nähere Ausführungen) auf das eingebaute Hintsystem zurück. Je nach persönlicher Präferenz gibt der gute Max trantütigen Spielern gelegentlich mehr oder weniger hilfreiche Hinweise, um aktuelle Plotstopper zu überwinden. Während autonome Denker Max zum Schweigen verurteilen, wählen Normalspieler zwischen fünf Stufen auf denen sie die Plapperfrequenz ihres hilfreichen kleinen Kumpels dem eigenen Können anpassen dürfen. Selbst auf der höchsten Einstellung serviert einem das sadistische Karnickel die Tipps jedoch nie auf dem Silbertablett. Meistens sind die Hinweise direkt genug um den Spieler auf den richtigen Kurs zu lenken, aber ohne ein Mindestmaß an Denkarbeit bekommt trotzdem niemand den Abspann zu Gesicht.

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Aber was sind clevere Puzzles und ein perfekt optimierbarer Schwierigkeitsgrad ohne die passende Story? In einem Adventure nicht viel. Doch auch in Sachen Narrative geben sich Dave Grossman und sein Team keine Blöße. Neben der, gewohnt surrealen Handlung kann diesmal aber vor allem die Kontinuität beeindrucken. Inzwischen gibt es dermaßen viele Witze, Charaktereigenschaften und Plotentwicklungen die von Episode zu Episode weitergeführt werden, dass es nur eine Freude ist. Und so darf man erstaunt feststellen, dass viele Ereignisse der ersten Staffel, die man Anfangs für kurzlebige Gags gehalten hat, immer noch resonieren. Wer hätte zum Beispiel nach Max' Wahl zum Präsidenten in Episode 1.4 (die es inzwischen übrigens zum kostenlosen Download gibt) gedacht, dass die Präsidentschaft des sadistischen Häschens den Abspann der vierten Folge auch nur um eine Sekunde überdauern würde? Wohl niemand. Aber trotzdem ist der anarchistische Hase zu Beginn der zweiten Staffel immer noch in Amt und Würden. Und wie steht es mit Sybil und ihrer heißen Affäre mit dem verbitterten Kopf des steinernen Abe Lincoln, Boscos neuem Status als reichster Mann der Welt, oder einem gewissen Trickbetrüger den die Jungs seit Monaten in ihrem Wandschrank gefangen halten? Was weniger talentierte Entwickler einfach geflissentlich unter den Teppich kehren würden, entwickelt sich bei Sam & Max von Folge zu Folge weiter. Inzwischen hat die Serie ein eigenständiges, atmendes Universum aufgebaut, dass durch seine Mischung aus vertrauten Charakteren und überraschenden Entwicklungen zunehmend faszinierender wird.

Und damit hat die zweite Staffel einen gelungenen Einstand gefeiert. Man darf gespannt sein, wie sich die grandiose Eigendynamik des Sam & Max-Universums in den nächsten Monaten entwickelt. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

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Text Copyright Peter Clausen 2007
Bilder Copyright Telltale Games 

 
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