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Gorilla des Monats

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Super Mario Galaxy

MarioSystem: Wii

Japan (2007), Producer: Shigeru Miyamoto, Takashi Tezuka, Satoru Iwata, Director: Shigeru Miyamoto, Designer: Takao Shimizu, Yoshiaki Koizumi , Sound Director: Masafumi Kawamura

Entwickler: Nintendo EAD Tokyo
Erschienen bei: Nintendo
Preis: ca. 50€ Super Mario Galaxy bei Amazon.de

Alle paar Jahre ist es wieder soweit: Nintendo schockt die Konkurrenz und beglückt die Videospielerschaft mit einem neuen Mario-3D-Jump’n’Run. Aber was konnte man von Super Mario Galaxy für die Wii erwarten? Für die Konsole, die den ganzen Markt komplett umgekrempelt und Videospiele einer – sagen wir es mal böswillig – anspruchslosen Masse von Gelegenheitsdaddlern zugänglich gemacht hat? Eine Minispiel-Sammlung, in der Mario mit ein bisschen Wiimote-Gefuchtel Pilze mampft und Schildkröten plättet?

Klar, diesen Weg hätte Nintendo gehen können und damit wahrscheinlich sogar kommerziellen Erfolg gehabt. Für die Hardcore-Gamer, Nintendos alte und momentan vermeintlich bedeutungslose Zielgruppe, wäre das aber ein Tiefschlag gewesen. Nun ist Super Mario Galaxy fertig. Und liefert ein klares Statement ab: Nintendo hat die „echten“ Spieler nicht vergessen.

Super Mario Galaxy ist kein Produkt für die viel zitierten Casual Gamer. Schon bei den ersten Schritten auf den Galaxy-Planeten dürften Nintendogs-Mädels und Wii Sports-Omis gestresst bis verwirrt sein. Es gibt nämlich kein fest definiertes oben, unten, links und rechts. Die Welt von Super Mario Galaxy besteht aus Galaxien, also aus Ansammlungen mehrerer Planeten, auf deren Oberfläche sich Mario meist frei bewegen darf. Da steht er auch schon mal auf dem Kopf, wird nach einem Sprung durch die Gravitation wieder auf den Boden gesaugt oder düst via Sternenportal durch den Weltraum und landet auf einem Nachbarplaneten.

Mario

Sein Ziel ist dabei stets ein goldener Stern, von denen es im Spiel insgesamt – wie sollte es anders sein – 120 Exemplare gibt. In den meisten Galaxien sind mehrere der begehrten Schätze versteckt. Die Levels werden für die verschiedenen Sterne aber immer wieder umgebaut und spielen sich dann oftmals ganz anders als zuvor.

Mario benötigt die Sterne übrigens, um eine Sternwarte – die gleichzeitig als Hub-Level dient – mit Energie für einen Weltraumflug zu versorgen. Schließlich will Mario früher oder später Bowsers Behausung im Zentrum des Universums erreichen und die entführte Prinzession Peach retten… Ich weiß, was ihr jetzt denkt, aber Galaxy kann man nicht mal seine ach so altbekannte Story übel nehmen, denn sie ist bewusst eingesetztes Klischee.

Es wäre ein Verbrechen, an dieser Stelle im Detail zu verraten, welche Aufgaben Mario meistern muss, um an die Sterne zu gelangen, denn jede Mission ist ein Erlebnis für sich: Was hier schon in der ersten halben Stunde an genialen Momenten abgefeuert wird, ist eine Demütigung für 99% des Wettbewerbs, der sich oftmals mit dem Auftragen alter, bestenfalls optisch verschönerter Hüte begnügt.

Mario

Galaxy überrascht ständig mit frischen Ideen, das berüchtigte Schema F in Level- und Missionsdesign gibt es nicht. Abenteuerliche Hüpfereien, Wechsel zwischen 3D und 2D, amüsante Endgegnerkämpfe, neue Kostüme und sympathische Hommagen an alte Mario-Episoden sorgen für eine Wohlfühl-Stimmung, wie sie kein anderer Genrevertreter seit Mario 64 erzeugen konnte. Auch nicht Super Mario Sunshine, das oftmals harsch kritisierte, für sich selbst betrachtet aber ebenfalls ausgezeichnete GameCube-Mario. Allen, die dank Sunshine immer noch schlecht von blauen Münzen träumen, müssen wir aber sagen: Galaxy setzt spät im Spiel ebenfalls auf das Sammeln von Münzen. Klar abgegrenzte Suchbereiche und Tipps wie „An dieser Stelle solltest du 30 Münzen gefunden haben“ machen aus der befürchteten Tortur aber eine weitgehend entspannte und motivierende Angelegenheit.

Trotz aller innovativen Einfälle und ständigem Planeten-Hopping schafft Galaxy das Kunststück, den Spieler an eine unsichtbare Hand zu nehmen – jeder der 120 Sterne lässt sich finden, ohne dass man die Orientierung verliert, verschämt in eine Komplett-Lösung schauen muss oder an einer frustigen Stelle verzweifelt. Nicht falsch verstehen: Es gibt schwere Aufgaben. Spätestens nach etwa 100 erspielten Sternen kann man sich darauf einstellen, dass einem der Rest nicht geschenkt wird. Wenn man beim Herumtollen auf einem riesigen Pixel-Luigi in ein schwarzes Loch hüpft, auf einem Geisterschiff von einem Magikoopa verhext wird oder beim Erklimmen eines Blechroboters mit einem Kugel-Willy zusammenrasselt, weiß man aber: „Das war meine Schuld. Ich hätte es besser machen können.“ Das ist gutes Spieldesign.

Mario

Quasi nebenbei gelingt Galaxy ein weiteres Kunststück: Während die Grundaktionen Springen und Laufen über klassische Stick- und Button-Befehle funktionieren, werden auch die Eigenheiten der Wiimote souverän eingesetzt. Seinen Standard-Angriff – eine Wirbelattacke – führt Mario nach einem beherzten Schütteln des Controllers aus. Das ist nicht sonderlich aufregend, klappt aber ausgezeichnet. Durch simples „Überfahren“ mit einem stets eingeblendeten Pointer lassen sich darüber hinaus – gerne auch von einem menschlichen Mitspieler mit zweiter Wiimote – alle paar Meter Sternensplitter einsammeln, die man anschließend auf Gegner abfeuert.

Die stellaren Bröckchen lassen sich aber auch an hungrige Sternenkinder verfüttern, die Mario zum Dank Zugang zu geheimen Welten gewähren. So hat das Einsammeln der Splitter einen erfreulichen Zusatznutzen und lässt sich wunderbar leicht im Vorbeigehen erledigen, ohne vom eigentlichen Geschehen abzulenken.

Und damit nicht genug der Wiimote-Wonne: Immer wieder verblüffen Situationen, in denen der Controller spontan beispielsweise zur „Luftpumpe“ oder zum Kontrollhebel für von Super Monkey Ball inspirierter Rollerei wird. Der Wechsel zwischen traditioneller Steuerung und Wiimote-Einlagen erfolgt nahtlos und wirkt zu keinem Zeitpunkt erzwungen oder aufgesetzt – so und nicht anders müssen Wii-Spiele funktionieren.

Mario

Interessiert es bei all der spielerischen Brillanz noch, wie das Spiel aussieht? Eigentlich nicht. Aber Nintendo wollte auch hier keine Angriffsfläche bieten und hat das bisher schönste Wii-Spiel programmiert: Die nahezu perfekte automatische Kamera zeigt ungeheuer kreative Welten in satten Farben und mit einer erstaunlichen „Kann ich da mal abbeißen?“-Plastizität. Das Ganze kommt in 60 Bildern pro Sekunde und auf Wunsch in 480p und 16:9 daher. Nintendos Musikmenschen haben einen ebenso hervorragenden Job gemacht wie die Grafiker: Ein ganz feiner Orchester-Soundtrack erfreut die Öhrchen mit tollen neuen Themen und zahlreichen Neuinterpretationen zeitloser Mario-Hits.

Mario

Fall es immer noch nicht deutlich geworden ist: Super Mario Galaxy ist ein Muss. Sonst verpasst man eines der systemübergreifend besten Spiele der letzten Jahre. Beim Durchzocken sollte man sich aber Zeit lassen und genießen – schließlich dürfte es bis zum Nachfolger wieder einige lange Jahre dauern. 

Text Copyright Fabian Käufer 2007
Bilder Copyright Nintendo 

 
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