System: Nintendo DS Japan(2007), Direction, Scenario: Motomu Toriyama, Character Design: Ryuma Ito, Art Supervisor: Isamu Kamikokuryou, Art Director: Toshitaka Matsuda, Composer: Hitoshi Sakimoto, Kenichiro Fukui Entwickler: Square Enix Erschienen bei: Square Enix Preis: ca. 35€ Final Fantasy XII: Revenant Wings bei Amazon.de Wie viele Monate sind schon wieder ins Land gezogen, als wir gemeinsam mit Vaan, Penelo, Ashe, Basch, Balthier und Fran durch Ivalice gezogen sind und uns mit dem Imperium von Archadia angelegt haben? Und es war schon eine faszinierende Angelegenheit – die Grafik, das komplexe Spielsystem, der riesige Umfang... aber wie war das eigentlich mit Vaan und Penelo? Denkt man richtig darüber nach, war eigentlich keiner von beiden für die Handlung sonderlich wichtig! Und tatsächlich wurden die beiden jüngsten Protagonisten erst auf Drängen der Square Enix Chefetage in das Spiel-Skript geschrieben, bis zu diesem Zeitpunkt war Basch der eigentlich Held. Ob diese Änderung dem Spiel tatsächlich geschadet hat werden wir nie erfahren, da der ehemalige Director Yasumi Matsuno wohl im Gegensatz zu seinen Kollegen aus der Filmbranche nie die Gelegenheit eines Directors Cuts bekommen wird. Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass Vaan und Penelo von den Final Fantasy XII-Helden auch nach 60-80 Stunden Spielzeit noch die unbeschriebensten Blätter sind – gleichzeitig Helden, aber dennoch irgendwie nur Nebenfiguren. Das ist jetzt aber vorbei: Final Fantasy XII - Revenant Wings ist den beiden Waisen aus Rabanastre direkt auf den Leib geschrieben. War Final Fantasy XII noch vor allem die Geschichte von Basch und Ashe sind die Hauptfiguren des DS Spin-Offs eindeutig Vaan und Penelo. Wir erinnern uns: Nach dem Sieg über den Endgegner bietet für den Träumer Vaan und seine bodenständige vielleicht-, vielleicht-auch-nicht-Freundin Penelo tatsächlich als Luftpiraten durch ganz Ivalice zu reisen. Allerdings geht das nicht lange gut: Bereits nach dem Tutorial-Level geht das Luftschiff der beiden zu Bruch und sie sind wieder in Rabanastre gestrandet. Aber wie es das Schicksal so will taucht kurz später ein seltsames, eigentlich recht schrottreifes Luftschiff in Rabanastre auf – kurzerhand wird die Mühle gekapert und schnell entpuppt sie sich als weitaus leistungsfähiger, als das gammelige äußere vermuten ließ und bringt Vaan, Penelo und ein paar ihrer Freunde auf einen verborgenen fliegenden Kontinent auf dem jede Menge neue Abenteuer warten...  Motomu Toriyama scheint bei Square Enix der Mann für direkte Sequels zu sein, nahm er doch schon im unter Hardcore-Fans umstrittenen, zweifellos aber spaßigen und angenehm witzigen Final Fantasy X-2 im Regie-Stuhl platz. Und ähnlich wie Final Fantasy X-2 ist auch Revenant Wings eine angenehm fröhliche Angelegenheit. War Final Fantasy XII eine durch und durch ernste und dramatische Angelegenheit steht bei Revenant Wings eindeutig Spaß und Abenteuer im Vordergrund – und ganz nebenbei noch ein halber Genrewechsel! War Final Fantasy X-2 spielerisch trotz sehr großer Freiheit im Prinzip ein recht klassisches Final Fantasy hat Revenant Wings starke Echtzeit-Strategie-Einschläge. Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung, legen das Gambit-System des Originals und die Touchscreen-Steuerung des DS gerade dieses Genre ziemlich nahe. Und die Entwickler haben tatsächlich ihr Möglichstes getan, um auf dem DS ordentliche Kontrolle über die später mehr als 20 Figuren zu gewährleisten – jede beschworene (und damit auch entbehrliche) Einheit wird einem der Helden zugeordnet, mit wenigen Kommandos könnt ihr die ganze Truppe anwählen und in den Kampf schicken, natürlich könnt ihr auch individuelle Helden befehligen oder einen Rahmen um eine handvoll Figuren ziehen. Trotzdem kann man Revenant Wings weder mit hochgezüchteten PC-Titeln, noch mit dem PS2-Vorgänger vergleichen. Zwar gibt es zahlreiche klassische Elemente wie ein typisches Stein-Schere-Papier-Prinzip wie man es aus Echtzeit-Strategiespielen kennt und auch ein (allerdings sehr, sehr vereinfachtes) Gambit-System wie auf der PS2, die Entwickler haben das Spiel aber bewusst sehr einfach und zugänglich gehalten. Figuren können zwar individuell ausgerüstet werden, die Freiheit bei der Charakterentwicklung wurde allerdings gestrichen – Kämpfer sind Kämpfer, Heiler sind Heiler, hier passiert es nicht, dass ein Nahkämpfer schnell einmal die Heilmagie auspackt wenn’s eng wird. Auch das genretypische Ressourcen-Management wurde auf in Minimum reduziert. Profi-Spieler mokieren sich da natürlich teilweise zurecht über den meist sehr niedrigen Schwierigkeitsgrad, uns hat's dagegen nicht sonderlich gestört. Was das Spiel an Tiefe und Komplexität vermissen lässt macht es gut mit Charme, sympathischen Figuren und einer gelungenen Geschichte wieder wett. 
Grafisch und akustisch ist Revenant Wings auf höchstem Niveau: Die isometrischen Polygon-Szenarien fangen toll den Look des Originals ein und zeigen abermals, dass der DS durchaus zu grafisch ordentlichen Leistungen in der Lage ist, die Musik wurde fast komplett vom PS2-Vorbild übernommen und für den DS-Soundchip neu arrangiert. Das klingt natürlich nicht so üppig wie auf der großen DVD-Heimkonsole, die Kompositionen gehen aber nach wie vor prima ins Ohr und machen alten Final Fantasy XII-Hasen den Umstieg auf die neue Hardware und das neue Spielsystem angenehm leicht. Und natürlich dürfen Square Enix-typisch auch die protzigen Rendersequenzen nicht fehlen, hier geben sich die Video-Experten aus Japan natürlich keine Blößen und inszenieren auf dem DS tolle Intermezzi die zwar gelegentlich mal etwas pixelig, aber allemal beeindruckend ausfallen. Wir haben es schon geschrieben – Final Fantasy XII – Revenant Wings wird keine Preise für Komplexität und Tiefgang gewinnen, zu einfach sind die Kämpfe, zu simpel ist das Gambit-System. Wo ihr im PS2-Original noch komplexe Verhaltensmuster zusammenstellen konntet dürft ihr hier genau einen Befehl zu Magie-Einsatz oder Spezialattacke einprogrammieren, etwas mehr Micro-Management wäre gerade PS2-Veteranen sehr entgegen gekommen. Als leichtfüßiges Luftpiraten-Abenteuern mit bekannten Gesichtern funktioniert Revenant Wings dagegen toll. Wer sich 80 Stunden oder länger in Ivalice heimisch gefühlt hat und unbedingt wissen will, was Vaan, Penelo und all die andere Helden und Nebenfiguren des epischen PS2-Abenteuers treiben nachdem der Abspann dort gelaufen ist, der freut sich auf einen neuen Abenteuer-Urlaub bei dem dieses Mal eher Spaß als Drama im Vordergrund steht. Verwandte Artikel: Review: Final Fantasy Tactics - The War of the Lions Review: Final Fantasy Anniversary Edition Review: Final Fantasy II Anniversary Edition Review: Final Fantasy VI Advance Review: Final Fantasy XII Review: Final Fantasy III Review: Dirge of Cerberus: Final Fantasy VII Review: Final Fantasy V Advance Interview: Nobuo Uematsu Interview: Hiromichi Tanaka Interview: Hiroshi Minagawa Text Copyright Thomas Nickel 2007 Bilder Copyright Square Enix |