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Gorilla des Monats

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Shrek der Dritte
shrekUSA (2007)

Buch:  William Steig, Andrew Adamson etc., Regie: Chris Miller, Raman Hui, Musik: Harry Gregson-Williams,  Sprecher (USA): Mike Myers, Eddie Murphy, Cameron Diaz, Antonio Banderas, Julie Andrews, John Cleese, Rupert Everett, Eric Idle, Justin Timberlake
Originaltitel: Shrek the Third

Erschienen bei: Paramount
Preis: ca. 15 € Shrek der Dritte bei Amazon.de

Wenn man sich einen Shrek-Film ansieht ist dem Zuschauer meist ziemlich klar, was ihn da erwartet. Ein ausgefuchstes Drehbuch steht hier nicht zur Debatte, dafür gibt’s eine gute Ladung Gags die auch im schlimmsten Fall eine gute Spur bissiger und nicht ganz so dämlich daherkommen, wie in den allgemein gefürchteten Hollywood-Familienfilmen. Gute 90 Minuten spaßiger Eskapismus, das sind eigentlich recht gute Aussichten für die man auch gerne mal die extreme Zeitgeist-Affinität der Serie verzeiht die den Filmen eine wohl ziemlich kurze Halbwertzeit bescheren wird. Wir wären zumindest nicht überrascht, wenn ein guter Teil der Shrek-Gags in zehn Jahren einfach so am Publikum vorbeigehen werden. Aber Zeitgeist hin oder her, Shrek der Dritte tut sich bereits mit der simplen Unterhaltung schwer genug.

Irgendwie müssen die Filmemacher beim Griff ins Regal zur gut bewährten Shrek-Sequel-Backmischung ziemlich daneben gegriffen haben – herausgekommen ist ein Filmkuchen bei dem sich der Zuschauer durch Schicht um Schicht geschmacksneutralen Füller-Teig mampfen muss, um gelegentlich dochmal auf eine schmackhafte Gag-Rosine zu stoßen. (Anmerkung an mich selbst: Lieber keine Reviews vor dem Essen schreiben...). Der Hauptschuldige ist auch schnell ausgemacht: Die Charakterisierung der Figuren ging dieses mal größtenteils einfach daneben. Shrek suhlt sich abermals in seinem "ich bin doch nur ein großer Oger"-Komplex, auch wenn das seiner gesamten Umwelt mittlerweile eigentlich völlig egal ist. Fiona sitzt die meiste Zeit ziemlich nutzlos, dafür aber umso schwangerer in der Gegend herum, Esel und der gestiefelte Kater dürfen kurzfristig mal die Körper tauschen... aber selbst aus diesem Motiv holen die Scriptschreiber kaum mehr als das offensichtliche heraus.

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Auch die neuen Figuren sind nicht allzu spannend ausgefallen – der beste ist noch Merlin, der greise Hippie-Magier dem Altmeister Eric Idle seine markante Stimme leiht. Komplett enttäuschend dagegen Thronerbe Arthur: Der von Justin Timberlake gesprochene Teenager wird von seinen Mitschülern der Worcestershire High School nicht gepiesackt und gequält, weil er so ein Verlierer ist, sondern einfach nur, weil es halt im Drehbuch steht – die Figur ist einfach seicht und langweilig und damit recht symptomatisch für den ganzen Film. Witzige Figuren wie Esel, Pinocchio oder die drei Schweine, in den Vorgängern noch stets ein Garant für gute Gags werden hier fast schon verheizt – bei einer Länge von deutlich unter 90 Minuten hätte man den Nebenfiguren doch ein wenig mehr Screentime einräumen können.

Denn der wabert die meiste Zeit einfach so vor sich hin, große Momente, Actionszenen oder toll aufgebaute Gags wie in den Vorgängern lässt er fast völlig vermissen. Hier mal eine Parodie, da mal eine Slapstick-Einlage über die sich kaum jemand der älter ist als zehn Jahre amüsieren wird, dort dann noch ein paar Selbstzweifel von Shrek an seinen Vater-Fähigkeiten... so bleibt unterm Strich ein Film der es allen recht machen will, aber auf keiner Linie wirklich überzeugt – dem älteren Zuschauer, der sich vielleicht tatsächlich etwas mit Shreks Situation identifizieren kann, sind die Slapstick-Nummern zu generisch, Kinder können sich dagegen kaum mehr mit Shrek oder Fiona identifizieren. Scheint so, als wäre Shrek direkt in die grausige Hollywood-Familienfilm-Falle getappt...

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Nach dem Abspann von Shrek der Dritte kann sich der Zuschauer des Eindrucks nicht erwehren, die Technik wäre für das Dreamworks-Team auf dem Stand des zweiten Teils stehen geblieben. Hintergründe, Figuren, Animationen, sie alle wirken recht sauber und routiniert, aber im Vergleich mit Filmen wie Ratatouille (ein Vergleich der eigentlich fast schon unfair ist, gegen die Pixar-Werke sieht jeder Animationsfilm ziemlich alt aus) lässt schnell deutlich werden, wie stark sich die Technik mittlerweile weiterentwickelt hat. Wenig Lorbeeren verdient sich auch Shreks Soundkulisse: Der Score wurde wieder fast 1:1 von den Vorgängern übernommen, die lizensierten Musikstücke erreichen zu keiner Zeit das Niveau und die Wirkung, die sie in den Vorgängern noch hatten: Tolle Stücke wie Holding out for a Hero mit dem die gute Fee im zweiten Teil noch das Finale einläuteten werden hier schmerzlich vermisst.

Klar – ich würde lügen, würde ich hier schreiben ich hätte beim dritten Shrek nicht gelacht. Aber im Vergleich zu den beiden Vorgängern enttäuscht der Film dennoch ziemlich. Für mehr als einen seichten DVD-Abend mit Pizza und Kaltgetränk taugt der Film kaum, wenn der Abspann läuft ist beim Zuschauer kaum etwas hängen geblieben, zu simpel und seicht gibt sich der dritte und definitiv auch nicht letzte Shrek. Wer die Märchenfiguren seiner Jugend einmal in einem anderen Licht erleben will, der spart sich lieber den Gang in die Videothek und nimmt stattdessen Kurs auf den Comichändler seines Vertrauens, Bill Willinghams Fables zeigt eindrucksvoll, wie komplex und vielschichtig die alten Märchenhelden und Schurken sind und noch eindrucksvoller, wie wenig Shrek mit diesem Ausgangsmaterial anfängt.

Text Copyright Thomas Nickel 2007
Bilder Copyright Dreamworks

 
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