|
Das Interview fand im Rahmen einer Pressekonferenz zum Europa-Start von Metal Gear Solid II: Sons of Liberty in Hamburg statt an der ich zusammen mit dem guten Marco Konar (www.darksol.de) teilnahm. Einige der Fragen stammen dementsprechend nicht von uns, sondern von anderen versammelten Mitgliedern der Presse. Unsere Fragen erkennt ihr daran, dass mein Name oder Marcos Name davor steht, die Fragen der Werbegeschenke abgreifenden Journaille daran, dass sie doof sind ("kommtmeddelgierzweiauchaufiksbox?") und wir sie teilweise rausgeschnitten haben.
Presse-Heini: Metal Gear Solid ist bereits jetzt oft in Szene gesetzt wie ein Kinofilm. Gibt es irgendwelche Pläne, die Reihe tatsächlich als Realfilm in die Kinos zu bringen? Hideo Kojima: In Interviews werde ich das praktisch immer gefragt. Für mich ist MGS ein Spiel, und wenn ich wieder an einem Metal Gear-Projekt arbeiten werde, wird das mit Sicherheit wieder ein Videospiel sein. Ich würde den Film nicht selbst machen, obwohl ich wirklich gerne einen sehen würde. Ich würde gerne so weit wie möglich daran mitarbeiten.
Thomas Nickel: Gab es irgendwelche Ideen, die sie gerne im Spiel noch untergebracht hätten?
Hideo Kojima: Wenn ein Gegner betäubt oder getötet wird, verschwindet der Körper nach einer Weile. Zuerst sollte er aber liegen bleiben; aus technischen und auch moralischen Gründen entschlossen wir uns aber dagegen. Außerdem wollte ich den Geruchssinn in die Spielewelt einführen: Wenn Snake in irgendetwas übelriechendes tritt, würden ihn die Wachen schon aus der Ferne riechen können. Die Idee wurde nicht umgesetzt, weil sich Geruch visuell nur sehr schwer vermitteln lässt.
Thomas Nickel: Welche Spiele mögen Sie persönlich?
Hideo Kojima: Ein Spiel, das mich wirklich aufmerksam gemacht hat war Smash Brothers Melée von Nintendo, das ich mit meinem Sohn spiele. Er kann das allerdings wesentlich besser als ich. Ich mag auch Grand Theft Auto III, das ich in der US-Version gespielt habe, weil es noch keine japanische Fassung gab. Es mag nicht mein Traumspiel sein, aber auf gewisse Weise erfüllt es die Träume vieler Entwickler und Spieler weil man in der Spielewelt von GTA III alles tun kann: Autos klauen, Banken ausrauben, überall hinfahren. Jedes Mal wenn man ein Spiel macht stellt man ein kompliziertes Regelwerk auf; GTA III hat praktisch keine Regeln. Wenn ich mein Team bitten würde, ein solches Spiel zu machen, hätten sie wahrscheinlich erhebliche Schwierigkeiten damit oder könnten es vielleicht überhaupt nicht. Ein solches Spiel zu machen ist sehr kompliziert. Und ein Problem mit derartig weitreichender Freiheit ist, dass man üble Dinge tun kann, wie eben in GTA III. Deswegen habe ich moralischer Ebene Probleme mit dem Spiel. Marco Konar: Der erste MG-Teil war deutlich von Hollywood-Filmen beeinflusst, mit kleineren asiatischen Elementen. Im zweiten Teil scheint das Verhältnis beinahe umgekehrt. Hideo Kojima: Sie haben diesen Eindruck vielleicht, weil ich bei der Gestaltung des zweiten Teils bewusst eine völlig andere Story schaffen wollte. Mir fiel ein Konzept ein, mit dem ich die Geschichte des ersten Teils praktisch zerstörte. Das kann natürlich nur derjenige machen, der auch den ersten Teil geschrieben hat. Auch wenn Metal Gear Solid 2 heute schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat ist es nach wie vor ein großartiges Stück Software. Presse-Heini: Haben Sie bei der Arbeit an MGS2 bereits über ein Sequel nachgedacht, vielleicht schon mit der Story Vorbereitungen getroffen? Hideo Kojima: Wenn ich an einem Spiel arbeite, versuche ich immer, mich nur auf diese eine Aufgabe zu konzentrieren. Ich denke bewusst nicht an die Zukunft, an eine mögliche Fortsetzung. Ich weiß nicht genau, in welcher Form es weitergehen wird. Im Falle von MGS ist es so, dass ein sehr großes Team daran gearbeitet hat, und dass es weitergehen wird. Aber selbst wenn ich an MGS weiterarbeiten werde, werde ich nicht jedes Jahr einen neuen Teil machen, wie bei den Harry Potter-Filmen. Thomas Nickel: Was sind Ihre Zukunftspläne? Werden Sie weiter an MG arbeiten, oder vielleicht die Policenauts/SNATCHER-Serie wiederbeleben? Hideo Kojima: Vielleicht werde ich beim nächsten Metal Gear das Projekt leiten, vielleicht auch nicht. Im Moment sind etliche Projekte in der Vorbereitungsphase. Ich habe noch nicht festgelegt, wie weit ich mit den einzelnen Projekten zu tun haben werde: Ich kann nicht bei jedem den Designer, Produzenten, Autoren und Projektleiter geben. Viele Spieldesigner sind nach ihren ersten Erfolgen einfach nur Produzenten geworden. Das möchte ich nicht; ich will immer auf mindestens ein Spiel möglichst viel Einfluss haben. Thomas Nickel: Wir sprachen vorhin über Traumspiele. Wie würde Ihr persönliches ideales Spiel aussehen? Hideo Kojima: Das weiß ich selbst nicht so genau. Ich versuche es immer noch selbst herauszufinden. Aber ich glaube, Metal Gear Solid 1 und 2 waren zwei erhebliche Schritte in die richtige Richtung. Thomas Nickel: Dann bedanke ich mich herzlich für das Interview. Text Copyright 2004 Thomas Nickel, Marco Konar Spiel & Screenshots Copyright Konami |