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Yasunori Mitsuda - Chrono Trigger

mitsudaYasunori Mitsuda ist ein echter Spiele-Aufwerter. Selbst ein mittelmäßiges Rollenspiel von der Stange wird - mit seinen Kompositionen versüßt - für die weltweite JRPG-Gemeinde gleich dramatisch interessanter. Deswegen haben wir den sympathischen Komponisten, der bei seiner Arbeit gerne auch mal ans eigene gesundheitliche Limit stößt, kontaktiert und direkt ein Interview mit ihm bekommen. Lest hier, was der Komponist von Chrono Trigger, Xenogears, Shadow Hearts und vielen anderen Kult-Rollenspielen zu erzählen hat.

Michael Ecke: Welche Beziehung haben Sie für gewöhnlich mit Ihren Auftraggebern? Wie verändert sich ihre Beziehung zu einem Auftraggeber mit dem sie eigentlich befreundet sind, sobald Sie eine Arbeit annehmen?

Yasunori Mitsuda: Ich erhalte von vielen verschiedenen Leuten Aufträge. Da gibt es zum Beispiel die Leute, die Fans von mir sind und mich deshalb beschäftigen wollen; manche Auftraggeber verstehen wiederum gar nichts von Musik und bitten meine Firma (Procyon Studio) darum, von der Musik über Soundeffekte, Sprachausgabe bis zum Sound Programming alles für sie zu erledigen. Dann sind da noch befreundete Musiker ... eine bunte Mischung.

Michael Ecke: Was sind Ihre Ansprüche an ein Projekt? Wann haben Sie beispielsweise ein Projekt abgelehnt?

Yasunori Mitsuda: Grundsätzlich nehme ich nur Aufträge an, die ich selbst für interessant halte. Abgelehnt habe ich unter anderem, wenn ich mir nicht vorstellen konnte, innerhalb der angesetzten Produktionszeit auch etwas gutes abliefern zu können, oder wenn ich mich einfach nicht für den Titel begeistern konnte.

Michael Ecke: Wenn Sie einen Auftrag annehmen, was ist für Sie wichtiger? Dass sie das Projekt an sich für reizvoll befinden, oder dass Sie dem Auftraggeber vertrauen?

Yasunori Mitsuda: Das Vertrauen entsteht aus der Zusammenarbeit, daher ist für mich der Inhalt des Werks am wichtigsten, denke ich.

Michael Ecke: Videospiele haben sich von simplen, ikonischen Designs schnell zu realistischen Multimediaprojekten gewandelt. Mit der Entwicklung zu filmischen Präsentationsweisen haben sich auch die Ansprüche an den Komponisten geändert. Was sind Ihre Gedanken zu dieser Entwicklung? Sind Ihnen aus dieser Tatsache jemals Probleme mit Ihrer Vision der Arbeit und der Vorstellung des Auftraggebers erwachsen?

Yasunori Mitsuda: Wenn der Realismusgehalt von Videospielen steigt, muss natürlich auch die Musik daran angepasste Ausdrucksformen suchen. Mit der Entwicklung von Pixelgrafiken zu CG, Polygonen und 3D entsteht gleichzeitig ein enormer Bedarf an Zeit und Geld. Was die Zeitplanung und das Budget angeht hat sich aber im Bereich der Musik nichts geändert oder verbessert - obwohl sich der Arbeitsaufwand was die akkustische Untermalung betrifft, ganz genau so wie im Bereich der Grafik zweifelsohne um ein Vielfaches erhöht hat. Es wäre schön, wenn die Hersteller das ein wenig mehr verinnerlichen könnten... (lacht).

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Eins ist Kult, eins fast vergessen: Während Chrono Trigger bis heute als eines der besten RPGs aller Zeiten gilt, ist die erste Shadow Hearts-Episode so gut wie nicht mehr aufzutreiben.

Michael Ecke: Selbst innerhalb des großen Spektrums von kreativen Tätigkeiten verlangt einem die Arbeit als Videospielekomponist eine enorm große Kreativität ab. Dennoch gibt es in der Arbeit eines Videospielemusikers sicherlich auch Limitationen. Haben Sie sich durch Ihr Metier als Videospielmusiker jemals eingeschränkt gefühlt? An welchen Stellen war das?

Yasunori Mitsuda: Es gibt so viele verschiedene Ansätze zum Musik machen, und ich habe noch jede Menge Ideen in petto – beengt oder limitiert habe ich mich aus diesem Grund noch nicht sehr oft gefühlt. Aber die Producer und Leiter von Videospieleprojekten in Japan sind nicht immer alle selbst auch einmal Game Designer gewesen und verstehen mitunter einfach nichts von der Arbeit. Dann gibt es massenweise Probleme. In diesem Kontext wird es schwer, ein bestimmtes Mittelmaß an Qualität zu übertreffen, da könnte man durchaus von Begrenzungen sprechen.

Michael Ecke: Welche Person in der Videospielebranche verehren Sie besonders? Inwiefern wurden Sie von ihr beeinflusst?

Yasunori Mitsuda: Eine bestimmte Person gibt es da für mich nicht wirklich, aber die Videospielindustrie an sich ist eine Ansammlung von extrem fordernden Berufen. Deswegen habe ich sehr großen Respekt vor allen Leuten, die in dieser Industrie arbeiten.

Michael Ecke: Als Sie an Chrono Trigger gearbeitet haben, sollen Sie sich Gerüchten zufolge bis an die Grenzen Ihrer Kräfte überarbeitet haben, bis Sie schließlich sogar ins Krankenhaus mussten. Ist das eine wahre Geschichte?

Yasunori Mitsuda: Bei Chrono Trigger war es ein Magengeschwür, bei Xenogears Erschöpfung, bei Gun Hazard hatte ich blutigen Stuhlgang – deswegen war ich häufig im Krankenhaus.
Ich bin körperlich eigentlich recht robust, aber ich bin von dem Schlag, dass wenn ich erst einmal etwas angefangen habe, ich immer meine gesamten Kraftvorräte aufbrauche. Wenn ein Spiel einmal fertig ist, kommt es deswegen des öfteren mal vor, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. (lacht)

Michael Ecke: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Nobuo Uematsu? Betrachten Sie ihn als eine Art Lehrer? Haben Sie etwas von ihm lernen können?

Yasunori Mitsuda: Wie schon gesagt arbeitete ich an Chrono Trigger während ich mit einem Magengeschwür im Krankenhaus lag, weshalb mir Herr Uematsu zur Unterstützung etwas unter die Arme gegriffen hat. Bei Gun Hazard durften wir zusammen die Musik komponieren, und das Resultat war wie ich finde überaus interessant. Von Herrn Uematsu konnte ich sehr vieles lernen.

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Michael Ecke: Gibt es Ihrer Meinung nach Unterschied im westlichen und im japanischen Ansatz, Musik für ein Videospiel zu machen? Könnten Sie sich vorstellen, mit einem westlichen Musiker an einem Projekt zusammenzuarbeiten?

Yasunori Mitsuda: Gute Frage! Grundsätzlich ist es ja wichtig, dass man Musik schreibt, die einem im Ohr bleibt, und ich denke, dass mir die Unterscheidung Osten / Westen gar nicht so bewusst ist. Das liegt auch daran, dass ich selbst die westliche Kultur sehr mag.

Michael Ecke: Welche Software benutzen Sie für Ihre Arbeit?

Yasunori Mitsuda: Als Sequencer benutze ich DigitalPerformer 4.5 (Version 5 hat jede Menge Bugs, deswegen versuche ich es zu vermeiden, die zu benutzen). Zum Mischen benutze ich ProTools 7.3, für die Wave-Bearbeitung SoundForge 8 oder Peak und so weiter.

Michael Ecke: Was für Tricks gibt es, um mit Ihnen gut Freund zu werden?

Yasunori Mitsuda: Tricks...? (lacht) Mit mir kann jeder gut auskommen! (lacht) Vielleicht...
Im Grunde mag ich Leute, die sich in etwas festbeißen, und ihre Kräfte einzig und allein darein investiert haben. Wenn man mit solchen Leuten redet, bringt das einen weiter und ist außerdem unterhaltsam!

Michael Ecke: Vielen Dank für das Gespräch.

Text Copyright Michael Ecke 2007
Bilder Copyright Procyon Studio, Nautilus, Square Enix 

 
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