Autor: Tim Seeley, Artwork: Stefano Caselli, Federica Manfredi, Farben: Sunder Raj, Davide Amici, Übersetzung: Frank Neubauer, Lettering: AMIGO Grafik
Erschienen bei: Cross Cult ISBN: 3936480621 Preis: 19,90 € Hack / Slash: Der erste Schnitt bei Amazon.de Der Slasher-Film ist heute typisches Kino-Fastfood. Er ist schnell produziert, er kostet nicht allzu viel, und dank Scream haftet ihm, egal wie dröge er geschrieben ist, immer noch eine gewisse Hipness an. Dank zahlreicher fummelfreudiger Teenager ist auch stets für ordentlich Publikum gesorgt. Müßig, da noch zu erwähnen, dass es heutzutage die Ausnahme ist, wenn sich ein Film ein paar Gedanken um Originalität oder besonderen erzählerischen Biss macht, wenn Schema F doch viel weniger Mühe macht. Und so schafft es alle paar Monate mal wieder ein messerschwingender Psychopath ohne großes Trara auf die große Leinwand, darf dort attraktive Jungschauspielerinnen in Unterwäsche durch die Pampas jagen, wird am Ende doch unschädlich gemacht und geht nicht ohne die mehr oder minder vage Andeutung eines Sequels in den Abspann über. Alle sind zufrieden – der Slasher hat geslasht, die Freundin hat gequiekt und spätestens nach der DVD-Auswertung haben auch die Studios ordentlich ihren Schnitt gemacht.
Der Erfolg des gemeinen Slashers wirkt sich nicht nur auf die Filmindustrie aus, auch die Comicwelt wurde schon das ein- oder andere Mal von den Kino-Schockern kreativ befruchtet. Im Idealfall kommt dann so etwas wie das kürzlich vorgestellte The Hills have Eyes – Der Anfang heraus – ein Comic, der Motive und Handlung des Film-Vorbilds aufgreift und etwas eigenes, intelligentes damit anstellt. Es kann aber auch einfach ordentliche Genre-Kost dabei herauskommen. Und genau das haben wir bei Hack/Slash vor uns: Sauber umgesetzte Teenie-Horror-Kost, versehen mit einem netten, kleinen Twist und grafisch sehr schön umgesetzt.  
Kino-Veteranen wissen: Am Ende jedes Tote-Teenager-Streifens bleibt ein Mädel übrig. Und so eins ist auch Cassie Hack. In ihrem Fall war der Slasher direkt ihre beleibte Mutter, die mit Freuden Cassies gehässige Mitschüler zu lecker Hackepeter verarbeitete und auch nach ihrem freiwilligen Ableben in einem großen Topf mit heißer Soße das Slashen nicht aufgeben wollte, bis Cassie ihr endgültig den Garaus machte. Die aparte Cassie hat nunmehr genug von der Slasherei. Zusammen mit dem etwas missgestalteten, aber eigentlich ziemlich netten Hünen Vlad (der eigentlich selbst ganz gut als Teenie-jagendes Monster durchgehen könnte) macht sie jetzt selbst Jagd auf maskierte, untote, mutierte und sonstige Mörder.
Und dazu bekommt sie jede Menge Gelegenheit. In einer ländlichen Tierklinik geht ein untoter Mörder um, ein Psychokiller metzelt sich durch den Spring Break in Florida, auf einer Comic-Convention fällt unter anderem Walking Dead-Autor Robert Kirkman einer besonders ekligen Mutation zum Opfer. Sogar eine kurze Weihnachtsgeschichte ist zum Abschluss noch mit von der Partie. Letzten Endes triumphieren natürlich immer Cassie und Vlad. Dabei darf sich Cassie noch ein paar Sorgen machen, ob sie nicht selbst irgendwann genauso wie ihre verhassten Slasher wird... Genau wie die Filmvorbilder ist Hack/Slash breit-spaßige Unterhaltung mit einer klassischen Mischung aus nackter Haut, brutaler Gewalt und einer Spur Gruselei.
 
Die Zeichnungen sind zweifelsohne das Highlight von Hack/Slash: Während in der ersten Story Zeichner Stefano Caselli und Colorist Sunder Raj auf einen erdigen Stil ohne Tuschearbeit setzen (ähnlich zum Beispiel den aktuellen Conan-Comics), wechseln Zeichner und Stil zu Beginn der Spring Break-Story. Federica Manfredi und Davide Amici arbeiten meist mit hellen, flächigen Farben – gut sieht freilich beides aus, düsterer sind aber die Caselli-Zeichnungen allemal. Manfredis Artwork dagegen erinnert teilweise etwas an Udons gelungene Street Fighter-Adaptionen. Eines kann allerdings natürlich kein Comic der Welt reproduzieren: den klassischen Schock-Effekt des Slashers – etwas springt ins Bild und der Ton wird gleichzeitig laut, die mit Abstand einfachste Art, ein bräsiges Publikum zusammenzucken zu lassen. Dem Comicleser bleiben diese unangenehmen Überraschungen erspart. Hack/Slash ist also keinesfalls ein Comic für den Leser, der die intellektuelle Herausforderung wünscht oder nach originellen Ideen lechzt – der ist nach wie vor bei Alan Moore und Grant Morrison am besten aufgehoben. Für optisch ansprechende Unterhaltung mit Blut und Busen ist Hack/Slash aber genau das richtige. Und wer bereits im Kino keinen der zahlreichen Popcorn-Streifen auslässt, der kommt um den fein aufgemachten, mit ordentlich Extra-Material versehenen Hardcover-Comic ohnehin nicht herum.
Text Copyright Thomas Nickel 2007 Bilder Copyright Crosscult |