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Gorilla des Monats

bernie 
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The Immortal Iron Fist

Iron Fist Cover LargeAutoren: Ed Brubaker, Matt Fraction, Zeichnungen: David Aja, Russ Heath, John Severin, Sal Buscema u.a., Farben: Matt Hollingsworth, Laura Martin

Erschienen bei: Marvel
 
Preis: 14,99 US$ The Immortal Iron Fist bei Amazon.de

Der Marvel-Held Iron Fist ist ein hoffnungsloses Fossil, ein Fundstück aus den weit entfernten siebziger Jahren, als Bruce Lee und Blaxploitation noch keinen ironischen Nostalgiewert hatten, sondern tatsächlich subversiv tätig wurden. Als Superheldencomics noch ganz und gar naiv jede Popkultur-Strömung aufnehmen konnten und ein Kung Fu-Held in Disco-Klamotten zwar auch schon ganz schön campy war - aber man konnte ihn trotzdem noch ein bisschen ernst nehmen. Seitdem ist Iron Fist ohne größeres Aufhebens im Pop-Archiv eingemottet worden: als possierliche Randnotiz, die sich bisher noch jedem augenzwinkernden, aber mittlerweile auch schon wieder irgendwie muffigen postmodernen Zugriff entzog. Seit einem guten Jahr allerdings schlägt sich der Kick-Punch-Disco-Held in einer neuen Serie der Autoren Ed Brubaker und Matt Fraction zur Überraschung aller mehr als wacker – die Verkaufszahlen sind ordentlich, die Kritiken wohlmeinend. Wie konnte das passieren? Vielleicht kam der Erfolg ja, weil Zeichner David Aja den aufgestellten Disco-Kragen des Spandex-Kostüms wegrationalisiert hatte.

Vielleicht liegt es aber auch an den beiden Autoren. Während Ed Brubaker, für gewöhnlich Autor schnörkelloser Noir-Krimis, in der kurzlebigen Comic-Industrie beinahe schon als Veteran durchgeht (seine ersten Arbeiten erschienen Mitte der neunziger Jahre), fasst Matt Fraction erst seit gut anderthalb Jahren im amerikanischen Mainstream wirklich Fuß. Nach einer Reihe legendärer Indie-Projekte (darunter Rex Mantooth, eines der besten Comics über Kung Fu-Gorillas aller Zeiten) schreibt er mittlerweile für Marvel das bisher eher orientierungslose Punisher War Journal und diverse andere, aus den derzeit unangenehm virulenten Mega-Crossovers hervorgegangene Serien. Fraction ist ein irrer Eklektiker aus dem Kreis um den britischen Internet-Jesus Warren Ellis, ein manischer Popkultur-Sampler, der – im positiven Sinne – zu keinem originellen Gedanken fähig ist. Das gilt auch für den neuen Immortal Iron Fist. Was Brubaker und Fraction hier zusammen mit dem Zeichner David Aja und diversen Gastarbeitern produzieren, ist schon auf den ersten Blick ein wild fabulierendes, formal brillantes Best of des Comic-Mainstreams der letzten zehn Jahre.

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Dieser lüstern schnaufende Frankenstein von einem Superheldencomic funktioniert also ungefähr so: In einer Haupthandlung, die wohl auf Brubakers Mist gewachsen ist, schlägt sich Iron Fist mit einer fiesen asiatischen Organisation herum, welche die Mega-Corporation übernehmen will, deren Besitzer Iron Fist in seiner bürgerlichen Identität ist. Selbstverständlich sind die grausen Chinesen eigentlich eine Terroristentruppe (was man nicht als Rassismus brandmarken sollte, denn dafür ist die Figur Iron Fist selbst zu sehr einer kruden Popart-Version von chinesischer Mythologie verhaftet). Diesen primären Handlungsstrang kleidet David Aja in ein graphisches Gewand, das sowohl den Pathos als auch den demonstrativen Noir-Faktor von Brian Michael Bendis’ und mittlerweile Brubakers Daredevil-Interpretation punktgenau imitiert. Auch thematisch sind die Ähnlichkeiten kaum von der Hand zu weisen.

Aber bevor man überhaupt bemerkt, dass einem hier eigentlich kalter Kaffee serviert wird, werfen uns Brubaker und Fraction schon in andere Superhelden-Diskurse. In delirierenden Flashbacks präsentieren sie uns die Iron Fists vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte. Auch diese Rückblenden, in ständig wechselnden graphischen Stilen gehalten, sind ein Sammelsurium an Zitaten. Am deutlichsten bedient man sich bei Alan Moores Tom Strong, dessen origin story sich hier beinahe eins zu eins reproduziert wiederfindet. Bei Warren Ellis’ Planetary wird ähnlich ausgiebig Kredit aufgenommen. Tatsächlich häuft sich bis zum letzten Kapitel dieses ersten Sammelbandes eine derartige Menge an „historischen“ eisernen Fäusten an, dass man sich zu Recht fragt, was uns die Autoren denn nun mit diesen Hamsterkäufen in der Popgeschichte sagen wollen - vor allem, weil sich all die Flashbacks nur bedingt thematisch oder inhaltlich mit der Handlung in der Gegenwart verknüpfen wollen. Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist ganz simpel. Es geht gar nicht mal so sehr darum, dass die einzelnen Erzählebenen sich so intensiv wie bei den genannten Vorbildern bespiegeln und einander kommentieren. Sie existieren hauptsächlich deswegen, weil sie als Zitatgewitter einen Heidenspaß machen. Das tun sie tatsächlich ganz vorzüglich, überaus rasant, von Aja fantastisch gezeichnet. Dass man eigentlich mit ziemlich unsinnigen Fragmenten bombardiert wird, merkt man dabei während der Lektüre gar nicht. Die Simulation von Kohärenz funktioniert deshalb absolut perfekt, weil Brubaker und Fraction ihre Handlungsebenen virtuos ineinander übergehen lassen (und dabei auch formal schamlos die Werkzeugkiste ihrer britischen Idole plündern).

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Wenn man dann in seiner Interpretation noch ein bisschen über den thrill hinausgehen will, den Brubaker und Fraction fraglos liefern, dann findet sich gerade im wirren Pop-Eklektizismus der Schlüssel dazu, warum man den neuen Immortal Iron Fist eigentlich nur ein wirklich gelungenes Remake nennen kann, das tatsächlich ein kleines, aber essentielles Stückchen Einsicht in die Figur liefert. Was war der Mann mit der eisernen Faust denn jemals anderes als ein Zeitgeist-Derivat, eine merkwürdig identitätslose Gestalt, die schamlose Kopie anderer Fiktionen mit herzlich wenig Anspruch auf Originalität? Mehr noch als andere Figuren zeigt uns Iron Fist, dass industriell produzierte Superhelden eigentlich gar keine Charaktere sind, sondern wabernde, instabile Texte ohne festen, greifbaren Kern.

Ihnen missfällt diese Inkarnation von Iron Fist? scheinen Brubaker und Fraction zu fragen. Oder langweilt er Sie gerade ein bisschen? Wir hätten da noch einen anderen im Angebot. Der hier ist ein bisschen wie Daredevil. Und noch einen. Der trägt ein Kostüm wie Doc Savage. Vielleicht würde Ihnen aber auch diese Variante zusagen – falls Sie ein Freund pseudo-historischer asiatischer Martial Arts-Filme sind...?

Artikel copyright 2007 Jochen Ecke
The Immortal Iron Fist, cover artwork, excerpts copyright 2007 Marvel Characters

 
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