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Elric - Die Erschaffung eines Hexers

Es ist schon wieder de ElrichElric - Die Erschaffung eines Hexers

Autor: Michael Moorcock, Zeichnungen: Walter Simonson, Farben: Steve Oliff, Übersetzung: Claudia Kern
Erschienen bei: Panini
Preis:  19,95 € Elric - Die Erschaffung eines Hexers bei Amazon.de

In der Einbildungskraft des britischen Fantasy-Altmeisters Michael Moorcock dauern manche Träume Jahre, und sie sind ebenso echt und wahrhaftig und grausam-schön wie die Realität, wenn nicht sogar ein bisschen mehr. Sie sind auch genauso gefährlich, angefüllt mit Tod und Intrigen, die dem Helden Elric drohen. Nur durch seine Träume, im Delirium seiner Imagination, die immer wieder neue Geschichten für den Helden erfindet, kann Moorcocks Albinoprinz lernen, mit der Realität umzugehen, sie zu meistern – gerade indem er sie als Erzählung begreift. Die Regeln der (Lehr-)Geschichten sind dabei die gnadenlosen, irrationalen Gesetze der ursprünglichen Volksmärchen.

Genau von diesen faszinierenden, verstörenden Traumreisen des ewigen Moorcock-Helden Elric handelt dieser Comic-Band, den Moorcock mit dem Zeichnerveteran Walter Simonson bereits vor einigen Jahren bei DC Comics veröffentlichte und dessen sich jetzt Panini in Deutschland angenommen hat. Der umfangreiche Wälzer bildet eine Art Prequel zu Moorcocks langlebiger Fantasy-Romanreihe um den Albinoprinzen Elric. Der Königssohn ist hier noch ein schwächlicher, aber dafür umso arroganterer Höfling, der sich der Intrigen um ihn herum kaum bewusst ist. In immer neuen, drogeninduzierten Traumreisen soll er auf sein Königsamt vorbereitet werden. Nach und nach nehmen seine Heldenfahrten ins kollektive Unbewusste aber auf diffuse Weise die Formen der Realität an, insbesondere, als ihm sein Nebenbuhler in die Träume folgt, um Elric dort zu töten. Der Prinz soll aus seinen Träumen nicht mehr erwachen.

De Elrich hat en SchädelMan prügelt sich

Und was für Träume das sind, die Moorcock und Simonson hier gestalten: da verschlingt ein gigantischer Dämon alle Weltmeere des Planeten; tausend Jahre vergehen wie ein einziger Wimpernschlag; und immer wieder ist der einzige Ausweg für Elric eine grausame, gewissenlose Tat, von der Art, wie ein Tyrann sie beständig braucht, um seine Gewaltherrschaft aufrecht zu erhalten. Moralische Urteile fällt Moorcock dabei nie über seinen Helden. Man fühlt sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen von dieser skrupellosen Gestalt, die Andere achtlos zu einem gewaltsamen Tod verurteilt, solange es der eigenen Sache dient.

So geht von diesen vielen ineinander verschachtelten Heldenreisen Elrics eine wirklich archaische Faszination aus, die Moorcock und Simonson noch nach Kräften verstärken. Immer wieder verweisen die Panelfolgen Simonsons auf eine merkwürdige Zeitlosigkeit, eine stillstehende Ur-Zeit, in der Kalender oder tickende Zeitmesser noch keine Rolle spielten. Zum Beispiel dann, wenn eine Krähe auf der Schulter des Bösewichts landet, in einer Folge vieler kleiner Panels, die aber nie einen filmischen Effekt imitieren, sondern immer auch darauf hinweisen, dass das vorhergehende Panel immer noch da ist. Die Krähe ist gleichzeitig im Flug und schon gelandet. Gegen Ende des Bandes treiben Moorcock und Simonson diese Effekte bis zum überdeutlichen Exzess, wenn in manchen Panels die Figur Elrics vier, fünf, sechsmal vorkommt. Traumzeit ist gar keine Zeit.

Elrich schon wiederKontaktlinsen (Spezialeffekte)

Dieser Irrsinn von Babuschka-artig ineinander verschachtelten Geschichten ist von Simonson graphisch wunderbar gestaltet. Seine Fantasy-Welten sind von einer solchen Fremdartigkeit, dass man auch als Leser der Romane eingestehen muss: auf diesen Wahnsinn wären die eigenen Denkknochen nie gekommen. Leichte Lektüre vor dem Zubettgehen ist das allerdings nicht – jedes Panel fordert unsere ungeteilte Aufmerksamkeit ein, was relativ zügig zu Ermüdungserscheinungen führen kann. Ein Kapitel Elric pro Tag erscheint wie eine vernünftige Dosis, vor allem, weil Moorcock in solch ein Kapitel mehr Mehrwert stopft als mancher schwachbrüstige Comic-Autor in eine ganze Miniserie. Lobend erwähnen sollte man auch Claudia Kerns stimmige deutsche Übersetzung, die Moorcocks sprachliche Rhythmen meistens präzise einfängt. Ganz bestimmt kein Wegwerf-Comic ist dieser Band also. Eine gewisse Toleranz für das Fremde, für moderaten Surrealismus und dezent postmodernen Schichtkuchen sollte man mitbringen. Aber dann ist Die Erschaffung eines Hexers auch das, was man sich von einer solchen Geschichte erwartet: a ripping good yarn, mit dem man immer wieder auf aufregende Weise fremdelt, obwohl man alle seine Elemente doch schon mal irgendwo gesehen hat.

 

Text Copyright 2007 Jochen Ecke
Elric, excerpts Copyright Michael Moorcock/DC Comics/Panini

 
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