Georg M. Oswald: Vom Geist der Gesetze (2007)
Verlag: Rowohlt Verlag ISBN: 978-3-489-05037-5 Preis: € 19,90 Vom Geist der Gesetze bei Amazon.de Bücher für bestimmte Berufsgruppen sind Verkaufsgaranten, wenn man an einen Kunden oder Beschenkten gerät, der tatsächlich aus dieser Gruppe stammt. Man bedenke nur meine heiße Liebe zu Black Books, man erkennt sich darin wieder oder kann einfach viel besser über all die Insiderwitze lachen. Kunden sind völlig überwältigt vor Glück, wenn man auf die schüchterne Auskunft: „Also, ich suche was für einen Herren, der ist Anwalt/studiert Jura/liest John Grisham“ sofort sagen kann: „Da hab ich doch was für Sie!“
Für die hab ich da tatsächlich was, aber auch wirklich nur für die. Glaube ich zumindest. Das Leseexemplar aus dem Hause Rowohlt begleitete ein euphorisches Schreiben von Verlagsleiter Alexander Fest an die Buchhändlerschaft, das den Roman als „kriminologisches Schaustück, ein tolles Gesellschaftspanorama“ anpries und viel Vergnügen bei der Lektüre wünschte. Ich weiß nicht, was ich beim Lesen falsch gemacht habe, aber letzteres wollte sich irgendwie nicht einstellen. Auch kriminologisch gesehen ist da so mancher Whodunit-Roman unterhaltsamer.
Die Story ist die folgende: Zum einen gibt es die Geschichte des Drehbuchautoren Ladislav Richter (und der Name wird allen Ernstes nochmal im Laufe der Geschichte zu einem Wortwitz verwurstet – von einem Richter natürlich), der eines Tages von einem silbernen BMW-Schlachtschiff angefahren und verletzt wird. Halter des Autos ist der Generalsekretär der Regierungspartei Kurt Schellenbaum, der das Auto entgegen seiner sonstigen Gewohnheit heute selbst gefahren hat. Sein Fahrer Herr Raab, der den Job normalerweise innehat, wurde auf den Rücksitz verbannt.
Da Herr Schellenbaum nun aber ein Politiker ist und seine Weste bitte weiß bleiben soll, zwingt er Raab dazu, die Schuld an dem Unfall auf sich zu nehmen, dem Geschädigten 1500 Euro von Schellenbaums Konto abzuheben, sie Richter in die Hand zu drücken und sich per Unterschrift zusichern lassen, dass er keine weiteren Ansprüche an ihn erhebt.
Nun ist aber Richter nicht blöd, auch wenns manchmal wirklich so scheint, und schaltet einen versoffenen Anwalt namens Gärtner ein, der seine Arbeitszeit lieber in dem italienischen Weinlokal gegenüber verdaddelt. Das macht ihn in Ansätzen zu einer irgendwie witzigen und sympathischen Figur, aber mehr auch nicht. Vielleicht ist das auch nur so, weil er mich ein wenig an Bernard Black aus Black Books erinnert.
Jedenfalls wird Raab nun doch verklagt und erhält Hilfe von Schellenbaum, der den renommierten Staranwalt Ludwig Heckler engagiert, der ihn da raushauen soll. Im letzten Moment jedoch sagt Raab natürlich vor Gericht, dass er das Auto nicht gefahren hat, sondern Schellenbaum, und tritt damit eine juristische Lawine los. War ja klar.
Um diese krude Verwicklung, die Differenzen zwischen der sogenannten Unterschicht und den Oberen Zehntausend, der Frage, wer sich was erlauben darf und was jetzt eigentlich geglaubt wird, wenn wer welche Version des Unfalls erzählt, rankt sich noch die Geschichte des Anwaltspaares Ludwig und Philomena Heckler und des Junganwaltes Sebastian Spring. Da geht es dann um Betrügereien, gegenseitige Rache in Form von Anschwärzungen beim Staatsanwalt wegen Geldwäsche, das ganze Programm. Alles wird mal ein wenig angekratzt, und am Ende sitzen sie alle bei Kerner in der Talkshow (der hier Dämmrich heißt) und ziehen eine mordslangweilige Nummer ab. Und das wars dann, der Showdown des kriminologischen Schaustücks. Wahnsinn. Das Charaktermanagement ist auch ein wenig misslungen. Es werden Figuren eingeführt und dann ganz plötzlich wieder irgendwie in die Versenkung zurückgesteckt. Da ist Mark Gruber, der Drogenfreund von Ladislav Richter, der irgendwie immer nur mit dabeisitzt und verschwindet, wenns interessant wird. Oder Hecklers Sohn Sven, der mit seinem faulen Schlampenleben wenigstens ein Fünkchen Rock'n'Roll in die ganze Geschichte bringt, zumindest auf den zwei Seiten, auf denen er an dem Roman teilnimmt. Oder der Staatsanwalt Wolf, der aber nur für Philomenas Rache an Ludwig für den Seitensprung mit Sebastian Spring zusammenkonstruiert wurde. Und so geht das die ganze Zeit.
Die zwei Geschichten wechseln sich immer ab, werden aber nie richtig zusammengeführt, Wendungen im Plot kann man sich nicht wirklich erklären, die Charaktere glänzen mit Eindimensionalität – es sind dafür auch einfach viel zu viele für diese Geschichte - , und ständig unterhält man sich über irgendwelche Spezialitäten der Juristerei. Man hat als Nonjurist das Gefühl, außen vor zu stehen und durch sein Nichtwissen was zu verpassen, nicht zum wahren Kern der Geschichte, der vielleicht unglaublich unterhaltsam und tierisch komisch ist, vorstoßen zu können. Insofern bitte ich mal die Juristen unter unseren Lesern, das Buch durchzuarbeiten und mir dann zu sagen, ob es wirklich ein kriminologisches Schaustück und ein tolles Gesellschaftspanorama ist. Ich find das nämlich nicht wirklich. Text Copyright Anna-Selina Sander 2008 Cover Copyright Rowohlt Verlag |