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Deutschland, 2008 Umfang: ein paar Folgen, hoffentlich wirds bald abgesetzt, Buch: dreist geklaut, Regie: schämt sich, mit: Britta Horn, Sebastian Münster, Stefan Puntigam, Sky Dumont
Das deutsche Fernsehen hat aufgegeben. Nicht erst seit gestern. Nicht erst seit vorgestern. Und auch nicht erst seit wenigen Jahren. Trotzdem wird inzwischen eine Wahrheit klarer und klarer: Über Kreativität und neue Ideen wird im teutonischen TV voller Abscheu die Nase gerümpft. Und warum auch nicht? Wer braucht schon ein originelles Programm, wenn man das Publikum nach Jahrzehnten banaler Familienunterhaltung, seichter Seifenopern und zynischer Reality-Shows endlich erfolgreich gebrochen hat? Nun, wir Deutschen offensichtlich nicht, denn anders ist es nicht zu erklären, dass die Fernsehsender seit ewigen Zeiten von einer kreativen Dürre zur nächsten taumeln. Und dabei verfährt man am liebsten nach der Maxime: "Was im Ausland funktioniert hat, kann auch in Deutschland Geld machen". Schön und gut. Für Gameshows, Reality-Formate und ähnliche Fließbandware ergibt diese Logik sogar einen nachvollziehbaren Sinn. Im Bereich der Fiktion hingegen hat jenes Denken ein mittlerweile mehr als bizarres Eigenleben angenommen. Wo es einst reichte, erfolgreiche ausländische Serien zu synchronisieren um sie der heimischen Öffentlichkeit näherzubringen, muss inzwischen alles eingedeutscht werden. Ohne kölsche Lebensweiten, beliebig austauschbare Fußballreferenzen und eine obligatorische Rolle für den allgegenwärtigen Christoph Maria Herbst wird eine Sendung schließlich unmöglich den hohen deutschen TV-Maßstäben gerecht. Aber Moment? Von welchen Maßstäben reden wir hier eigentlich. Der von den deutschen Medien für seine Originalität so oft zelebrierte Stromberg ist nicht mehr, als ein humoristisch fragwürdiges Pseudo-Remake der britischen Comedy-Revolution "The Office", Bastian Pastewkas postmoderne Selbstabrechnung "Pastewka" ist ein zahnloser Vetter der bissigen Comedy-Serie "Curb Your Enthusiasm" von Seinfeld-Schöpfer Larry David und selbst die Siebziger-Jahre-Kultserie "Ein Herz und eine Seele" war lediglich die deutsche Variante der beliebten UK-Sitcom "Til death do us part". Um so bitterer, wenn man bedenkt, dass es sich bei diesen Sendungen um die besseren Beispiele ihrer Zunft handelt, haben sie doch zumindest alle versucht ihren eigenen Weg zu gehen und das Original lediglich als Vorlage zu verwenden. Sie haben es versucht. Wie erfolgreich sie dabei waren, ist eine andere Frage ... Trotzdem schein inzwischen selbst dieses Modell dem deutschen Fernsehen zu kompliziert geworden zu sein. Warum auch eine eigene Version erschaffen, wenn man stattdessen die Drehbücher des Originals einfach neu verfilmen kann? Warum sollte man die Tradition, die Anfang der Neunziger mit dem Eins-zu-Eins-Remake der US-Sitcom "Eine Schrecklich nette Familie" eingeläutet wurde, sterben lassen? Okay, damals hat das Publikum den billigen Trick sofort durchschaut, aber schließlich kannten sie auch die Vorlage ...   So oder ähnlich muss ein Produzent der Trash-Hochburg Sat 1 gedacht haben, als er die Produktion von "Das Iteam - die Jungs an der Maus" veranlasste. Was im britischen Fernsehen unter dem Titel "The IT Crowd" über den Bildschirm flimmerte sollte einfach, schnell und dreckig auf deutsche Standards übertragen, bzw. runtergeschraubt werden. Aber während traditionelle Publikumssitcoms in Großbritannien eine jahrzehntelange Tradition haben, konnte das Genre hierzulande nie Fuß fassen. Wo die Briten auf dutzende Klassiker, von Fawlty Towers, über Only Fools and Horses, Whatever Happened to the Likely Lads, Red Dwarf, Porridge, Rising Damp, Father Ted Black Books und viele, viele andere zurückblicken können, haben wir Deutschen abgesehen von Ekel Alfreds alljährlichem Sylvesterpunsch keinerlei Sitcom-Tradition. Und trotzdem ist das "Iteam" eine Peinlichkeit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Wo im britischen Original Satire-Altmeister Chris Morris einen manischen Boss am Rande des Wahnsinns spielt, begrüßt uns in der deutschen Fassung ein lethargischer Sky DuMont und setzt, mit großzügiger Hilfe des Regisseurs gleich den ersten Gag komplett in den Sand. Wo im Original die Kamera von einem Portrait des Firmenchefs wegzoomt, um den Leiter des Unternehmens kurz danach in der selben Pose wie auf dem Portrait zu enthüllen, gleitet im Remake die Kamera an einem planlosen Sky Dumont vorbei, ohne die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Abbild zu erfassen. Und so geht es auch weiter. Die Dialoge sind tempolos, die Pointen werden am laufenden Band vergeigt und das gesamte Ensemble fühlt sich sichtlich unwohl in Rollen, die sichtlich anderen Darstellern auf den Leib geschneidert wurden. Teufel auch, ein Großteil der Gags von "The IT Crowd" entstand durch Improvisationen zwischen Chris O' Dowd, Richard Ayaode, Katherine Parkison und Chris Morris. Aber da dem deutschen Ensemble dieser Spielraum nicht gewährt wird, kommt natürlich auch ein Resultat raus, das an Leblosigkeit kaum zu überbieten ist. Und letzten Endes wird so eine überdurschnittliche Sitcom zur flauen Massenware recyclet. Was im Ausland funktioniert, kann auch bei uns funktionieren, aber ohne Kreativität und Eigeninitiative lässt sich eben selbst das beste Konzept nicht einfach so in eine andere Kultur übertragen. Und aus genau diesem Grund verleihen wir dem Iteam unser neues, schon jetzt heiß begehrtes Prädikat für seelenlose TV-Remakes ohne Existenzberechtigung. "Der goldene Jupp Strunk", benannt nach dem berüchtigten deutschen Al-Bundy-Pendant, ist eine Auszeichnung, die sich Sky Dumont und seine halbgaren ITler mit Fug und Recht verdient haben!
Text Copyright Peter Clausen 2008 Bilder Copyright Sat 1, RTL |