Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Musik und Hörspiele arrow Kreisky – Kreisky
Kreisky – Kreisky

Kreisky Kreisky: Kreisky (Deutschland, 2007)
Plattenfirma:
Wohnzimmer
Tracks: 12
Erscheinungsdatum:
11. Mai 2007
ASIN: B000QCUBFG
Preis: ca. 17 € Kreisky bei Amazon.de

Kennt ihr diese Momente, in denen ihr als ungläubiger Atheist manchmal doch kurz davor steht, an Schicksal und Vorherbestimmung zu glauben? Diese Momente, in denen sich Dinge so perfekt ineinander fügen, als würde jemand anders für euch die Fäden ziehen? Als wärt ihr der Hauptdarsteller in einer Truman Show? Und ihr seht euch immer wieder um, um nicht vielleicht doch eine kleine Kamera zu entdecken, an deren anderem Ende sich ein Vorabendpublikum köstlich über eure Unsicherheit amüsiert. So einen Moment hatte ich vor kurzem. Irgendwie fügten sich innerhalb weniger Tage viele kleine Begebenheiten zu einem großen, ganzen zusammen, ganz von alleine.
Auch wenn ich Gefahr laufe euch mit meiner Geschichte zu langweilen, so muss ich sie mir doch von der Seele schreiben. Wer keine Lust darauf hat, kann einfach weiter unten anfangen zu lesen.

Alles fing damit an, dass ich vor einiger Zeit zuhause auf HDTV umgerüstet habe, und somit auch einen neuen Satellitenreceiver brauchte, bei dessen Installation ich seit ewigen Zeiten einmal wieder einen Programmsuchlauf startete und mich durch die neuen, unbekannten Sender kämpfte. Dort entdeckte ich das letzte Kleinod des Musikfernsehens, ein Sender namens Go-TV. Dieser österreichische Musiksender war ein Hoffnungsschimmer am verlorengeglaubten Horizont der immer mehr von Klingeltonwerbung und Datingshows verfinstert wird. Während ich mich also nebenbei von meiner Neuentdeckung berieseln lasse, läuft ein Trailer zu einer Sendung namens „Hosted By“, bei der Künstler ihre Lieblingsvideos vorstellen. Und im Hintergrund zu diesem Trailer, lief ein Lied: "Vandalen". Ich war sofort begeistert, und schaute auf den Fernseher, konnte mir aber in der kürze der Zeit weder Bandnamen noch Songtitel merken, die nur kurz am unteren Bildschirmrand eingeblendet wurden. So kam es, dass ich völlig frustriert versuchte den, für Menschen die in der österreichischen Politgeschichte nicht bewandert sind, äußerst komplexen Bandnamen aus Bruchteilen meiner Erinnerung zu reanimieren während mir der Refrain immer wieder im Kopf herumspukte. Ohne Erfolg.

Ein paar Tage später erhielt ich ganz unabhängig davon ein lange vorbestelltes CD-DVD-Set der Surf-und-Beat-Band "Leopold Kraus Wellenkapelle" aus Freiburg. Auf der beigelegten DVD hatte der Gitarrist der Band ein Videotourtagebuch geführt und unter anderem auch einen Auftritt in Wien gefilmt. Dort wurde auch eine kurze Performance von „Austrofred“ gezeigt, eine Mischung aus Freddy Mercury und östereichischem Musikkabaret, mehr Hommage als Parodie, welcher mir als alter Queen-Fan natürlich sofort imponierte. Den Namen Austrofred konnte ich mir ausnahmsweise merken und ich machte mich sofort im Internet auf die Suche nach weiteren Informationen über diese großartige Ausnahmeerscheinung. Und dort stieß ich bei Wikipedia auf einen Eintrag, in welchem vermerkt ist, dass Austrofred alias Franz Adrian Wenzl gleichzeitig auch Sänger der Band Kreisky ist. Sofort kam mir der vergessen geglaubte Name in Erinnerung und ich orderte noch wenige Minuten später das Album. Nun läuft es schon seit einigen Wochen bei mir auf heavy rotation und ich werde einfach nicht müde.
Doch war das alles Zufall? Ich glaube nicht. und deshalb habe ich mir vorgenommen, Kreisky ein CD-Review und ein interview zu widmen.

Kreisky

Kreisky ist anders als die anderen Bands, die auch alle anders sind. Musikalisch irgendwo in einer Nische zwischen Indie, Noise und Post-Punk montieren die vier Wiener ihre Songs zusammen. Alleine schon die deutschsprachigen Texte lassen diese Band hervorstechen. Zugegeben keine leichte Kost. Die Musik mag auf manch einen am Anfang etwas sperrig wirken und oftmals setzt sich die hintergründige Intention der Texte erst nach mehrmaligem Hören im Kopf zusammen. Doch trotz aller Disharmonie setzen sich die Melodien im Gehörgang fest, Versatzstücke der Songtexte schreit man immer wieder unbemerkt in Gedanken vor sich her. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der Song „Wo Woman ist, da ist auch Cry“. Zu beginn eher poppig, mit einem Hauch von Punkrock, aber mit einem furios brüllenden Ende. Jedes Lied ein Unikat. Doch Kreisky können nicht nur laut und rau. „Nichtschwimmer“, „Autofahrten“ und „Halleluja“ sind langsame, ergreifende Songs die von unerwiderter Liebe und Selbstzweifel berichten.

Für Ersthörer empfehle ich den Track „Vandalen“, in meinen Augen das Meisterstück von Kreisky. Eingeleitet von einem grollenden Synthesizer, pumpenden Bass und Schlagzeug wird der Song von einem Gitarrenriff angetrieben bis Franz Adrian Wenzel mit „Das sind alles Kannibalen!“ zum Angriff bläst. Die Bridge wird wieder von einem extremen Synthie malträtiert und bis zum Zerreißen aufrecht gehalten. Ein großartiger Track – ein großartiges Album.
Vinylliebhabern sei gesagt, dass das Album im Frühling nochmals schwarz gepresst released wird. Wer bis dahin nicht mehr warten kann, macht aber mit der CD-Version mit Sicherheit auch keinen Fehler. Der Silberling ruht sicher in einem stylischen Digipak mit dem. Für den besonderen Aha-Effekt sorgt das Albumcover. Auf den ersten Blick ist daran nichts ungewöhnliches, die vier Gesichter der Bandmitglieder auf Kopf gedreht. Doch wer nun das Cover um 180° dreht wird überrascht sein…

Verwandte Artkel:

Interview mit Kreisky

Text Copyright Mischa Elbert 2008
Fotos Copyright by Ingo Pertramer & Kreisky
www.kreisky.net

 

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.