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Gorilla des Monats

bernie 
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Devil May Cry 4
DMC4System: PS3, Xbox360
Japan
(2008), Producer:  Hiroyuki Kobayashi , Director: Hideaki Itsuno, Character Design: Tatsuya Yoshikawa, Stimmen: Johnny Yong Bosch, Reuben Langdon, Laura Napoli, Daniel Southworth, TJ Storm, Kari Wahlgren

Entwickler: Capcom
Erschienen bei: Capcom
Preis: ca. 60 € Devil May Cry 4 (PS3) bei Amazon.de
                           Devil May Cr
y 4 (Xbox360) bei Amazon.de

Bin ich schizophren? Ich bin eigentlich ein großer Freund sämtlicher Actionspiele aus dem Hause Capcom. Ich hab die Onimushas verschlungen, hatte mit den letzten Resident Evil-Spielen jede Menge Spaß und mochte auch Spiele wie das enorm steile Dino Crisis 2 auf der PSone oder Titel wie Shadow of Rome und Chaos Legion - irgendwas haben die Capcom-Titel, das genau meinen Nerv trifft. Aber aus irgendeinem Grund konnte ich mich nie mit der Devil May Cry-Serie anfreunden. Hier wars zu prollig, da war der Schwierigkeitsgrad einfach zu nervig, dort wirkte die Missionsstruktur zu aufgesetzt... Bisher hat es jedes Devil May Cry-Spiel geschafft, mir nach kurzer Zeit auf die Nerven zu gehen. Und jetzt kommt der vierte Teil und alles soll auf einmal besser sein? Oh ja!

Aber woran liegt es? Auf den ersten Blick hat sich doch gar nichts geändert. Man metzelt sich mit Dante durch eine ordentliche Anzahl an Szenarien, verkloppt mit Schwert, Pistole und Dämonenkräften Hundertschaften ekliger Biester, plättet überdimensionale Bosse und löst Rätsel, die schon ein Vorschulkind unterfordern. Aber halt... Der Held ist ja gar nicht Dante, er sieht ihm nur verteufelt ähnlich. Tatsächlich heißt der Bursche Nero, hat offenbar den gleichen Kostümberater wie Dante und ein paar Eigenschaften, die ihn vom bisherigen Serienhelden unterscheiden. Zum einen ist er weniger der Sprüche-klopfende Haudrauf als der energische, mürrische Einzelgänger (die Fangirls in der ersten Reihe dürfen jetzt seufzen), zum anderen hat er die prolligste Schwert-Variation, die man bisher in einem Videospiel bewundern durfte: Neros Argumentiereisen verfügt tatsächlich über einen Motorrad-Gasdrehgriff, den man per Schultertaste betätigt, um ordentlich Motorenbrüllen erklingen zu lassen und damit besonders viel Schaden anzurichten. Da werden selbst Final Fantasy-Helden mit ihren ausgefallenen Klingen neidisch. Neros wichtigste Waffe ist aber seine rechte Hand -die hat irgendetwas Dämonisches an sich und kann verwendet werden, um weit entfernte Punkte zu greifen und Nero dorthin zu ziehen, aber auch um Gegner ranzuholen oder krachende Nahkampfmanöver durchzuführen.

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Für spielerische Abwechslung ist also gesorgt, und Altfans dürfen aufatmen - in einem unheimlich kreativen Storytwist tritt Dante zunächst als Widersacher auf, später relativiert sich natürlich alles und ihr dürft den rot bemantelten Dämonenjäger selbst spielen. Wahrlich, bei diesem narrativen Kniff hat sich so mancher Storyschreiber im Hause Capcom selbst mal verstohlen auf die Schulter geklopft. Aber lassen wir die Häme mal beiseite, der Plot um Dante, Nero und einen seltsamen religiösen Orden ist durchaus ordentlich und bietet genug Raum für die ein oder andere nette Zwischensequenz. Und davon mal ganz abgesehen... hat sich bei Devil May Cry tatsächlich jemals jemand großartig um die Handlung geschehrt? In erster Linie geht es hier doch nach wie vor um Action, fiese Monster und tolle Grafik.

Und all das bietet Devil May Cry 4 in Hülle und Fülle - Nero beherrscht krachende Kampfaktionen und teilt mit Schwert, Wumme und Dämonenfaust ordentlich aus. Schon nach kurzer Zeit haben auch Neulinge das Kombo-System durchschaut und metzeln sich fröhlich ihrem ersten S-Ranking für besonders elegante Kampf-Aktionen entgegen. Die Monster leisten im Gegensatz zum direkten Vorgänger keine allzu verbissene Gegenwehr. Habt ihr den Dreh bei einem Standard-Feind raus, wird er euch nur noch selten gefährlich, und wenn, dann nur in größeren Ansammlungen. Bei den Bossen sieht das schon anders aus - Capcom hat ein paar äußerst eindrucksvolle Monster aus dem Hut gezaubert, die auf teilweise angenehm kreative Art und Weise bekämpft werden. Ihne die richtige Taktik, das nötige Fingerspitzengefühl und oft auch eine Prise Geduld werden euch eure Gegner schnell das Fell über die Ohren ziehen.

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Dass Devil May Cry 4 gut aussieht, zeigen schon unsere Screenshots. Trotzdem müssen wir es nochmal ansprechen - was Capcom hier auf den Bildschirm zaubert, ist ein wahres Grafik-Fest. Tearing, der Grafikfehler du jour für erfahrene Erbsenzähler, tritt nur in ganz wenigen Fällen ein, die Texturen sorgen immer wieder für Erstaunen und eine vergleichbare Monumentalarchitektur durften wir das letzte Mal bei God of War 2 bestaunen - damals freilich noch mit PS2-Texturen und in PS2-Auflösung. Besitzer einer zölligen HD-Kiste sollten Devil May Cry 4 alleine schon wegen des enormen Schauwerts anschaffen, und Actionfans finden momentan kaum Besseres. Nicht nur die Hintergründe passen, auch Spielfiguren und Monster sind hervorragend modelliert und animiert - so stellen wir uns das auf der aktuellen Hardware-Generation vor.

Etwas weniger zeitgemäß ist dagegen das Spielprinzip selbst. Denn seien wir ehrlich - unter der famosen optischen Verpackung verbirgt sich im Grunde ein Spiel von 2001. Viel Ballern und Kloppen, ein wenig Hüpfen, ein klein wenig Rätseln, ordentlich Zeug Sammeln und davon neue Fähigkeiten und Items kaufen? Das ist ja schön und gut, fühlt sich manchmal aber doch etwas zu altbacken an. Zudem kommt die immer etwas zu umständliche Menüführung, der Verzicht auf Speichermöglichkeiten innerhalb eines Levels und die etwas unglückliche Tatsache, dass ihr, wenn euch ein Boss erledigt hat und ihr dabei all eure Heilmittel verbraucht habt, den Level von vorne spielen müsst - ihr könnt zwar kurz vor dem Bosskampf wieder einsteigen, die verbrauchten Items bleiben aber weg. Somit ist diese Option mehr oder weniger unbrauchbar. Außerdem ist für unseren Geschmack eine Spur zuviel Zuschauen angesagt - viele der Sequenzen sehen richtig gut aus und sind herrlich übertrieben choreographiert. Aber mal ehrlich... Viele der Sequenzen hätte man auch interaktiv gestalten können. Und wenn wir dann zuschauen dürfen, wie Nero in einem Echtzeitvideo einen Trupp Monster vermöbelt, würden wir uns doch wünschen, einfach selbst ranzudürfen - dann werden die exotischeren Manöver eben über Quicktime-Events ausgelöst - klappt doch auch, und man hat das Gefühl, etwas getan zu haben. Aber zumindest darf man alle Zwischensequenzen, besonders die kurzen Kamerafahrten, die zum 80. Mal zeigen, dass eine Barriere das Fortkommen verhindert, bis alle Monster erledigt sind per Start-Taste überspringen.

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Das sind nun valide Kritikpunkte, allzu schwerwiegend sind sie aber nicht - nerviger wären da beispielsweise der meist eine Spur zu generische Soundtrack und die Tatsache, dass man einen Großteil des Spiels inklusive diverser Bosse zweimal absolvieren darf - erst mit Nero, dann mit Dante - hat man da bei Capcom etwa kalte Füße in Sachen Spielzeit gekriegt? Wir sind jedenfalls keine Freunde derartiger Streckmaßnahmen, vertreten wir doch nach wie vor die Ansicht "Lieber kurz und spaßig als lang und weilig". Aber so schlimm ist es nicht, immerhin spielt sich Dante sehr flott und macht so auch die zweite Tour durch die Levels zu einem Vergnügen. Und auch wenn ein paar Spiel-Elemente sich mittlerweile schon etwas strapaziert anfühlen, so ist Devil May Cry 4 doch der Prototyp eines schick präsentierten, enorm steilen Actionreißers made in Japan. Die Story ist verquast, die Sprecher teilweise ordentlich trashig und die Action gnadenlos übertrieben - und gerade deswegen kommen all die Elemente so gut zusammen.

Die müßige Frage, ob ihr jetzt lieber die PS3- oder die Xbox360-Version erwerben sollt, ist übrigens schnell geklärt - es ist im Grunde egal, die Versionen sind nahezu identisch. Kauft für das System, das ihr unter dem Fernseher stehen habt, besitzt ihr beide, entscheidet einfach nach Pad-Präferenz. Die ohnehin schon angenehm kurzen Ladezeiten sind auf PS3 dank (langwieriger) Installation vielleicht einen Hauch kürzer, entscheidend ist das aber nicht. Devil May Cry 4 ist also laut, dröhnend, immer noch einen Hauch zu prollig, aber hey - es sieht auch großartig aus, spielt sich herrlich flüssig und dynamisch und bietet Eskapismus-Action vom Feinsten. Hier schlägt man noch gerne zu. Und wer weiß, vielleicht gebe ich den drei Vorgängern doch nochmal eine Chance. 

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Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright Capcom

 
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