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Koji Igarashi & Michiru Yamane - Castlevania

Igarashi & YamaneKoji "IGA" Igarashi, der Mann hinter den Castlevania-Spielen der letzten Jahre, ist groß, langhaarig und bärtig, eine gewisse Ähnlichkeit mit Castlevania-Obermotz Dracula ist nicht ganz weg zu diskutieren. Ganz anders Michiru Yamane – der zierlichen Frau mit dem unschuldigen Gesicht traut man die dramatischen Klänge die so manche Castlevania-Episode nicht nur begleiten, sondern die den anderen Aspekten der Spiele oft sogar die Schau stehlen kaum zu. Und doch wissen es Besucher des Eröffnungskonzerts der Games Convetion 2007 besser, nahm doch Frau Yamane selbst an der mächtigen Orgel des Gewandhauses in Leipzig platz. Am Morgen danach haben wir Koji Igarashi und Michiru Yamane gleich noch zum geselligen Plausch über Spielemusik und natürlich auch die Dracula X Chronicles für die PSP getroffen.

Bettina Herbig: Sie waren gestern Abend an der Orgel wirklich großartig. Was war das für ein Gefühl?

Michiru Yamane: Die Erfahrung war sehr, sehr aufregend. Ich werde dieses Erlebnis, so vom Klang der riesigen Pfeifen der Orgel umgeben zu sein niemals vergessen.

Thomas Nickel: Ist so ein Erlebnis nicht unglaublich inspirierend?

Michiru Yamane: Ja, diese Erfahrung wird mich ganz sicher in Zukunft beeinflussen. Ich würde bei zukünftigen Kompositionen gerne mehr mit der Kirchenorgel arbeiten.

Thomas Nickel: Ist das in Japan überhaupt möglich?

Michiru Yamane: In Japan gibt es soweit ich weiß leider keine Orgel von diesen Ausmaßen. Deswegen habe ich für heute auch auf einem relativ kleinen elektronischen Orgel geübt, vor allem die Fußarbeit war da wichtig. Als ich dann nach Leipzig kam hatte ich etwa eine Stunde Zeit, um mit der großen Orgel im Gewandhaus zu üben.

Thomas Nickel:
Sie können sich ja von Herrn Igarashi mal eine große Kirchenorgel kaufen lassen!

Michiru Yamane: Tja, Orgelmusik war in der Castlevania-Serie schon immer sehr beliebt. Ich war sehr überrascht, dass die Tasten einer echten so schwer zu drücken sind. Das ist so eine der Erfahrungen, die sich vielleicht auf zukünftige Soundtracks auswirken werden.

Thomas Nickel:
Dracula ist ja ein recht großer, starker Bursche, der packt das schon...

Michiru Yamane: (lacht) Ja, da ist was dran. Tja, schauen wir mal...

Thomas Nickel: Herr Igarashi, erzählen Sie mal, wie kam es zu der Entscheidung, ein Remake von Rondo of Blood zu machen?

Koji Igarashi:
Rondo of Blood ist ja die inhaltliche Grundlage von Symphony of the Night. Und bekanntlich ist Rondo of Blood ja nur in Japan erschienen. Daher wollte ich, dass auch die Spieler außerhalb Japans endlich einmal Rondo of Blood spielen können. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, dieses Spiel umzusetzen.

Thomas Nickel:
Frau Yamane, sie haben an den neuen Arrangements des Soundtracks gearbeitet?

Michiru Yamane: Für die neuen Arrangements des Rondo-Soundtracks habe ich einige junge, talentierte Komponisten beauftragt damit sie die bekannten Tracks bearbeiten. Ich denke, sie haben da sehr gute Arbeit geleistet. Ich selbst habe ein neues Schlusslied für Symphony of the Night geschrieben. Ich glaube, das ist mir auch recht gut geglückt.

Dracula X

Thomas Nickel: Wie war denn die Arbeit an dem Remake?

Koji Igarashi: Bei diesem Remake war es mir am wichtigsten zu lernen, wie man klassische 2D-Spielbarkeit mit moderner 3D-Grafik kombinieren kann. Und ich bin überzeugt, dass diese Erfahrung und die Engine, die wir speziell für dieses Spiel geschaffen haben auch bei zukünftigen Remakes zum Einsatz kommen könnte. Die Frage ist für mich natürlich, ob weitere Remakes wirklich notwendig sein werden, immerhin werden die ganzen alten Klassiker heute ja durch die Virtual Console, Xbox Live Arcade und das PlayStation Network wieder ans Tageslicht gebracht. Das ist erst einmal eine Entwicklung die ich genauer studieren möchte.

Bettina Herbig: Frau Yamane, hat sich für Sie die Bedeutung von Musik seit den 16-Bit-Zeiten geändert?

Michiru Yamane:
Vor allem die Hardware-Spezifikationen haben sich seit damals kolossal verändert. Daher können heute auch Leute ohne besondere Fähigkeiten und Erfahrung relativ einfach ordentliche Spielemusik schreiben. Im Prinzip halte ich das für eine gute Sache, aber ich glaube, dass trotz aller Technik das wichtigste immer noch ein tatsächliches Gespür für gute Kompositionen wichtig ist.

Ettina Herbig:
Was ist ihnen wichtiger? Dass die Musik das Geschehen auf dem Bildschirm untermalt, oder dass sie auch für sich alleine stehen kann?

Michiru Yamane: Spielemusik ist für mich in erster Linie dazu da, einem Spiel Stimmung und Atmosphäre zu verleihen. Insbesondere bei Rollenspielen soll sie den Spieler wirklich begleiten und in die richtige Stimmung versetzen, sich auch eingehend mit dem Spiel zu beschäftigen und wirklich darin zu versinken. Für ein Actionspiel muss die Musik dementsprechend natürlich auch entsprechend aufregend sein. Das ist zumindest für mich am wichtigsten. Das ist die Regel, nach der ich komponiere – ich will den Spieler durch das Spiel führen.

Igarashi & Yamane

Thomas Nickel: Gerade das deutsche Intro hat damals beim PC-Engine-Original hierzulande für viel Gesprächsstoff unter den Fans gesorgt...

Koji Igarashi: Die Aufnahmen für den gesprochenen Vorspann der PC-Engine-Version von Rondo of the Blood wurden damals in Japan angefertigt. Deswegen hat sich das für einen deutschen Zuhörer bestimmt ziemlich seltsam angehört.

Thomas Nickel:
Nein, das war tolles Deutsch – das hat alles gestimmt. Grammatik, Aussprache, Betonung...

Koji Igarashi: Oh, das wusste ich gar nicht! Aber wir haben auch den Plot hie und da etwas überarbeitet und daher auch den Erzähler neu in Deutsch aufgenommen. Daher glauben wir, dass das ganze jetzt noch weitaus besser als vorher klingt.
Ein weiterer Grund, warum ich den Erzähler neu aufgenommen habe ist, dass wir den Sprecher der alten Version einfach nicht mehr finden konnten. Sie sollten aber vor allem Symphony of the Night noch einmal spielen, auch da haben wir alle Stimmen neu aufgenommen.

Thomas Nickel:
Das ist gut, die alten englischen Stimmen waren nicht sonderlich gut, Maria hat sich angehört wie eine Kettenraucherin.

Koji Igarashi: Wir haben auch die Familiars der japanischen Version die in der West-Fassung gefehlt haben wieder eingesetzt. Und einer der neuen, eine Fee singt jetzt ein Lied wenn sie sich auf Alucards Schulter sitzt. Das haben wir auch neu aufgenommen.

Thomas Nickel: Wie stehen jetzt eigentlich die Karten für ein neues Castlevania mit 3D-Grafik und 2D-Spielbarkeit?

Koji Igarashi: Wenn es um ein neues PSP-Spiel geht, das kommt auf Markt an. Als wir mit der Entwicklung angefangen haben alle gesagt, Castlevania gehört auf die PSP, nicht auf den DS. Aber inzwischen läuft die PSP ja nicht so wirklich gut, der Markt schrumpft, die Preise sinken... das muss ich für die Planung am nächsten Projekt mit einbeziehen. Und dafür brauche ich noch etwas Zeit. Schreiben sie doch bitte ein paar nette Worte über das Spiel...

Dracula X

Thomas Nickel: Und wie sieht es generell in Sachen 2,5D-Spiele aus?

Koji Igarashi:
Nun, was wir mit diesem Spiel herausfinden wollen ist, ob 2D-Spiele heute noch angenommen werden. Von daher warten wir erst mal ab, wie dieses Remake sich so verkauft.

Thomas Nickel: Und wie soll es mit der Serie generell weiter gehen?

Koji Igarashi:
Natürlich ist der DS nach wie vor sehr wichtig für uns, es wird aber tatsächlich Zeit, auf den neuen Systemen aktiv zu werden. Momentan bin ich dabei, ein talentiertes Team zusammen zu stellen. Aber ich kann noch nicht konkret sagen, auf welchen Systemen wir tatsächlich arbeiten werden. Pläne bestehen aber auf jeden Fall.

Thomas Nickel:
Nachdem es letztes Jahr nicht geklappt hat, waren Sie dann dieses Jahr im Schloss Dracula?

Koji Igarashi:
Leider ist unser Zeitplan dieses Jahr sehr, sehr eng. Und nach unseren eher beängstigenden Erlebnissen in Rumänien im letzten Jahr haben wir beschlossen, dieses Jahr darauf zu verzichten. Aber hier in Deutschland gibt es ja auch etliche Schlösser. Morgen und übermorgen werden wir dann hier im Umkreis auf einige Schlüsser und Kirchen besichtigen.

Bettina Herbig:
Frau Yamane, kommen Sie nächstes Jahr wieder?

Michiru Yamane: Ich würde sehr gerne wieder kommen wenn ich es einrichten kann.

Bettina Herbig:
Und welches Instrument werden Sie dann spielen? Letztes Jahr war es das Cembalo, dieses Jahr die große Kirchenorgel...

Michiru Yamane: Oh, das weiß ich noch nicht. Wir werden sehen...

Thomas Nickel:
Dann bedanken wir uns für das Interview und wünschen Ihnen beiden noch viel Spaß in Deutschland!

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Review: Castlevania: The Dracula X Chronicles

Text Copyright Thomas Nickel, Bettina Herbig 2007/2008
Bilder Copyright Bettina Herbig / Konami 

 
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