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Es gibt Bands und es gibt Livebands. Livebands, das sind die, die auf der Bühne richtig aufgehen und erst dann voll zur Geltung kommen. Die die Zeit da draußen genießen. Man denke da an - na wen wohl - Die Ärzte, es gab eine Zeit, da war man enttäuscht, wenn das Konzert inklusive drei Sets von Zugaben nach unter drei Stunden beendet war. Oder an die völlig bizarren, nicht enden wollenden Tanzeinlagen von Flea, als die Chili Peppers noch in Überschaubar großen Hallen spielten. Das waren Bands und Zeiten, damals, als wir alle noch jung waren. Und dann spielten letztens die Babyshambles in Berlin: Man erzählte sich flüsternd, sie hätten tatsächlich eine ganze Stunde auf der Bühne gestanden, ohne alles um sich herum zu zerstören. Meisterleistung, hieß es. Das scheint die neue Mode geworden zu sein, dass es sich für eine Band, die sich einen Namen gemacht hat, nicht mehr schickt, über eine Stunde zu spiele - inklusive Zugaben. Jimmy Eat World, vergangene Woche im Berliner mittelgroßen Club Huxley's, waren da leider keine Ausnahme. Zugegeben, man wird nicht jünger, dafür aber durch das viele Touren kaputter und irgendwann ist es einfach vorbei. Aber von einer self-made Alternative-Band, wie es im Buche steht, erwartet man eigentlich mehr Begeisterung von ihren Job. Es gab Zeiten, da haben Jimmy Eat World auf eigene Kosten CDs nach Europa geschickt, damit ihre Musik auch hierzulande bekannt werden konnte. Nun ist sie da, die zweite große Tour auf dem alten Kontinent, doch Freude darüber ist den vier Jungs nicht anzusehen. Im Gegenteil, eher routiniert als begeistert spielten sie sich durch das Programm, das hauptsächlich aus den Songs der neuen Platte Chase This Light enthielt. Hier könnte auch der Haken sein, denn das neue Album von Jimmy Eat world ist ruhiger geworden, die Band ist ruhiger geworden, Songs wie Bleed American oder Sweetness blieben die Ausnahme. Dass trotzdem alle komplett nassgeschwitzt waren, lag eher an der stehenden Luft in der Halle, als an der Musik, denn zu der war es kaum noch drin, dazu an die körperlichen Grenzen zu gehen - sei's im Publikum oder auf der Bühne. Alles blieb sehr statisch, ein Fotographengraben trennte Band und Fans, auf Ansagen und Ansprachen verzichtete man fast vollständig, am Schluss flogen Plektren in die Menge.
 Und das wäre auch alles nicht so schlimm, sondern sogar okay und ganz ordentlich gespielt gewesen, hätte man sie nicht 2005 am selben Ort aber mit deutlich mehr Motivation erlebt. Die Musik war zwar auch da nicht wirklich dafür geeignet, zu pogen, aber das hat die Leute nicht gestört - und Jimmy Eat World, tja, die haben damals noch gerockt. Das scheint sich gewandelt zu haben - aber vielleicht ist es auch nur die Autorin, die mit falschen Erwartungen rangegangen war. Denn ein Großteil des Publikums schien zusammen mit der Band älter und gesetzter geworden zu sein. Die diesjährigen Konzertbesucher waren im Schnitt um die 25 Jahre alt, optisch kein Bisschen auffällig. Sie waren nicht unbedingt bereit, eine Stunde durchzutanzen. Und so hatten sie sich vielleicht gesucht und gefunden, die üden Jimmy Eat World bei der Arbeit und ihre Fans, die am nächsten Morgen ebenfalls wieder zur Arbeit mussten. Und das ist vielleicht gut so. Und um abschließend wieder auf das lyrische Ich der Autorin zu kommen, sie ist vielleicht auch zu alt dafür geworden, nach Marathon-Konzerten vor Erschöpfung ohnmächtig zu werden. Das war bei den Ärzten. 1998. Seitdem hat sich eben einiges verändert. Text copyright Darina Goldin Bilder copyright Nico Curian |