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Gorilla des Monats

bernie 
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30 Days of Night

30 Days of Night USA / NZL (2007), Regie: David Slade, Drehbuch: Steve Niles, Stuart Beattie und Brian Nelson, Kamera: Jo Willems, Musik: Brian Reitzell, mit: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster, Mark Boone, Jr., Mark Rendall

Erschienen bei: Concorde
Preis: ca 22 € 30 Days of Night (2 DVDs im Digi-Pak) bei Amazon.de

Da denkt man sich nichts Böses beim Vorschlag eines Freundes, sich doch einen neuen Vampirfilm namens 30 Days of Night anzuschauen und dann das: Seit langem habe ich keinen dermaßen spannenden Horrorfilm mehr gesehen.

Basierend auf einem Comic von Steve Niles (Autor) und Ben Templesmith (Zeichner), ist die Geschichte wie so oft schnell erzählt: In einem im nordwestlichsten Alaska gelegenen kleinen Städtchen namens Barrow werden die Tage jeden Winter einmal zu einer 30 Tage dauernden Nacht. Der Großteil der Bewohner pflegt in dieser Zeit das Weite zu suchen. Im Umkreis von 80 Meilen nur von Schnee und Eis umgeben, bereiten sich die übrigen Bürger auf das Dunkle vor. Blöd nur, dass sich in diesem Jahr eine Gruppe hungriger Vampire die komplett von der Außenwelt abgeschnittene Gemeinde als Spielplatz ausgesucht hat. Es ist ja auch verdammt praktisch, wenn man auch als Sonnenlichtallergiker einmal so richtig lange aufbleiben kann. Bald schon sind die meisten der überraschten Menschen aus dem Weg geräumt. So können sich die Vampire nun auf das hartnäckige Grüppchen Überlebender konzentrieren, welches dem typischen Horrorfilmklischee entsprechend zum Ärger der Blutsauger immer noch umhergeistert und Widerstand leistet.

Die zugegeben wenig einfallsreiche Story ist in diesem Film jedoch nicht das entscheidende Element. 30 Days of Night unterscheidet sich von älteren Genrekollegen wie so viele Filme neuerer Generation (z.B. das Dawn of the Dead Remake) in erster Linie durch ein Mehr an visuellen und filmtechnischen und -dramaturgischen Tricks. Mehr Blut, mehr Brutalität, eine leichte comicartige Stilisierung, schnellere Monster und Schnitte – diese Zutaten würden aber allein nicht ausreichen. Das Design hilft hier, Spannung aufzubauen, die ansonsten aber auch von den üblichen dämlichen Überlebenden und knappen Hetzjagden mitgetragen wird.

30 Days of Night30 Days of Night

Da sind vor allem die Vampire, die selten schrecklicher aussahen. Deformierte Gesichter mit stets blutverschmiertem Kinn, ultraschnelle Bewegungen und meterhohe Sprünge, ruckartige Mimik und Gestik, rasiermesserscharfe Fingernägel sowie tierähnliche Schreie und ihre eigene dämonisch anmutende Sprache, mit denen sich die Untoten untereinander verständigen, lassen eine völlig neue Spezies entstehen. Diese Menschenfresser sind keine alten Männer in schweren Brokatbademänteln oder gar Gentlemen im Smoking, sondern wahre Bestien. Sie wirken stets so, als könnten sie soeben der Erde entstiegen sein und tun sich hier an menschlichen Schafen in unbarmherzigen Hetzjagden gütlich.

Die menschlichen Charaktere sind solide geschrieben, bieten aber keine großen Überraschungen. Der junge Sheriff, der mit seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau zusammentrifft, der alte Haudegen, der mutige Teenager und ein Vater-Sohn-Paar ergeben eine hundertfach gesehene Konstellation Gejagter. Sowieso verblassen alle Charaktere neben dem Obervampir Marlow, gespielt von Danny Huston, der einen selbst vom Bildschirm aus noch einschüchtern kann – ein grandioser Bösewicht.

Der Gewaltfaktor ist sehr hoch, jedoch selten Splatter-lustig. Natürlich kann auch ein Schneebagger zum Zerstückeln lebloser Körper eingesetzt werden. Wenn man dann dank der Vorstellung desselben in den ersten Minuten des Films auch in seliger Vorfreude auf den Einsatz des Geräts wartet, ist das auch einmal für einen Lacher gut. Doch die meisten Splatterszenen sind im Kontext überhaupt nicht witzig, sondern richtig fies. Menschen und Vampire werden enthauptet und zerrissen, Tiere und Kinder getötet, Köpfe zertreten. Doch fügen sich diese brutalen Szenen fast fortwährend in den Gesamtkontext ein, ohne übertrieben zu wirken.

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Auch der aurale Genuss ist erfrischend passend gemacht. Das Sounddesign der Vampire betont sehr angenehm ihre tierische, äonenalte Herkunft. Auch muss besonders Brian Reitzell, der Komponist des Soundtracks, einmal gelobt werden. Als jemand, der selber seit Jahren dem Metal frönt, war ich sehr dankbar einmal KEINEN schlecht gespielten, einfallslosen New-Metal-Track irgendeiner Eintagsfliegenband hören zu müssen. Nein, Brian Reitzell, der bisher bereits für Songzusammenstellungen für so gelungene Filme wie Broken Flowers verantwortlich zeichnete, legt hier mit seinem ersten komplett selbst komponierten Score ein kleines atmosphärisches Kleinod ab. Nie effektheischend, stets bedacht und dennoch an den nötigen Stellen subtil Dramatik aufbauend, ist dieser Soundtrack jedem Ambienthörer als dunkler Trip oder Rollenspielern als Spielsoundtrack ans Herz zu legen.

Produziert wurde der Film von Sam Raimi und Robert G. Tapert. Ersterer sollte dem geneigten Horrorfreak als der Regisseur der großartigen Evil Dead-Filme und, na ja, eben auch der Spider-Man-Filme bekannt sein. Letzterer ist ein alter Weggefährte Raimis, zusammen produzierten beide neben der Evil Dead-Reihe auch so banale wie erfolgreiche Serien wie Xena und Herkules. Der Regisseur David Slade machte bisher neben Musikvideos – unter anderem für Aphex Twin, Tori Amos, Muse und die Stone Temple Pilots – auch den Film Hard Candy, der sich auf kontroverse und spannende Art und Weise mit Kindesmissbrauch auseinandersetzt.

Noch Fragen? Wer nicht viel auf pseudointelligente Effekthascherei à la Saw und Konsorten gibt, sondern ehrlichen und atmosphärischen Horror der alten Schule mit richtig fiesen Monstern sehen will, bekommt genau das geboten. Mit Coppolas Dracula und Near Dark ist dieser Film auf Anhieb in meine persönliche Vampirfilm-Top-Three aufgerückt. Uneingeschränkt zu empfehlen!


Text Copyright Matin Wasiri 2008
Bilder Copyright Concorde

 
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