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System: Sony PSP Japan (2008)
Entwickler: Sony Erschienen bei: Sony Preis: ca. 38 € Patapon bei Amazon.de Sind wir mal ehrlich... von Strategiespielen haben wir ein furchtbar festgefahrenes Bild im Kopf - 90% aller Konsolen-Taktierereien laufen nach dem gleichen Schema ab - ein Trupp wuseliger Sprites mit großen Köpfen steht auf einer (meist, aber nicht immer) isometrischen Karte, zieht rundenbasiert und felderweise umher und versemmelt ähnlich gnubbelige Gegner. Dabei gilt es oft eine ganze Menge Regeln zu beachten - Sonderfelder, Element-Affinitäten, Waffen-Eigenschaften... sagen wir es direkt heraus - fast jedes Konsolen-Taktikspiel hat sich ausführlich bei Final Fantasy Tactics und seinem Vorfahr Tactics Ogre bedient. Natürlich gibt es dann und wann mal einen kleinen Echtzeit -Rausreißer, aber im Grunde ist es doch lange, lange her, dass das Genre mal neue Impulse bekommen hat. Und genau aus diesem Grund ist Patapon hier so wunderbar willkommen. Es kommt generell selten vor, dass man in der heutigen High-Tech-Konsolen-Welt ein neues Spielgefühl geboten kriegt - und wenn das dann auch noch im festgefahrenen Strategie-Sektor auf der PSP, der Port- und Resteverwertungs-Konsole Nummer 1 stattfindet, dann mag man es tatsächlich zunächst kaum glauben. Was macht Patapon also anders als die zahlreichen ich-auch-Spiele? Ganz einfach, es bietet die so ziemlich seltsamste Genre-Mischung die man sich vorstellen kann - Sonys mutige Entwickler mischen bei Patapon todesmutig Echtzeit-Strategie mit Rhythmus-Elementen. Ja, das klingt seltsam. Aber genau deswegen ist Patapon so gut. Am besten ich fange ganz vorne an, das Spielprinzip zu erklären. Am besten, ihr versteht die PSP als Trommel, jeder der vier Knöpfe hat einen bestimmten Sound - beispielsweise eben "Pata" und "Pon". Mit diesen gilt es nun im Takt zu trommeln - verschiedene Kombinationen werden von euren kleinen Patapons als Befehle vertanden. Die Kombination "Pata - Pata - Pata - Pon" heißt beispielsweise "Vorrücken, Leute!!". Trommelt ihr dagegen "Pon - Pon - Pata - Pon", dann bedeutet das "Angriff!". Dabei gilt es immer im Rhythmus zu bleiben - musikalische Zeitgenossen haben damit kein Problem, allen anderen sei empfohlen, am besten mit dem Fuß mitzuwippen. Denn der richtige Rhythmus gibt euch nicht nur die volle Kontrolle, er macht eure Patapons auch stärker - zehn korrekt getimte Befehle, und die Patapons gehen in den Fever-Modus und greifen stärker an. Mit der Zeit werden die Befehle mehr und mehr, das Spiel gibt euch aber jede Menge Zeit, die einzelnen Kombinationen zu lernen.
Trotzdem fühlt ihr euch Anfangs überfordert - auf den Rhythmus achten, gleichzeit nach Gegnern ausschau halten und dann noch die richtige Kombination für die richtige Aktion finden? Aber keine Angst, die Lernkurve ist hervorragend ausbalanciert und schnell lernt ihr, worauf es bei den Patapon wirklich ankommt. Nicht zuletzt dank der wunderbar reduzierten 2D-Grafik plagen euch nie Verständnisprobleme - die kleinen Figuren erinnern an Scherenschnitte und sind stets problemlos auseinander zu halten, nach kurzer Zeit erkennt ihr auch die Feinheiten - sobald die einäugigen Patapons einen entschlossenen Blick aufsetzen ist der Gegner in Reichweite und kann attackiert werden, große Bosse kündigen ihre Attacken dem erfahrenen Spieler durch bestimmte Verhaltensmuster an, der kann nun die Gelegenheit nutzen, um in Deckung zu gehen. Schon nach wenigen Runden entwickelt ihr ein Verständnis für die völlig neue Dynamik von Patapon. Und bis sich die ersten Sucht-Anzeichen einstellen hält euch die Präsentation bei der Stange. Die Patapon singen jeden eurer Befehle nach, so ergibt sich schnell ein Dialog mit den witzigen, und doch irgendwie energischen Burschen. Der Grafikstil ist perfekt auf die PSP zugeschnitten, nur wenige Spiele wirken Sonys Handheld so auf den Leib geschrieben wie Patapon - spontan fallen uns da nur noch das grafisch ähnliche Loco Roco und Tetsuya Mizuguchis Knobel-Klassiker Lumines ein. Und in eben diesen Qualitätssphären bewegt sich auch Patapon. Allerdings ist Patapon auf langfristigen Spielspaß angelegt, ihr werdet gute 15 Stunden beschäftigt sein, bis auch die letzte Mission der mutigen Patapon gemeistert ist, komplexe Levels, der Verzicht auf eine Pause-Funktion und die absolute Notwendigkeit der Musik schränken die Mobilität von Patapon etwas ein. Dafür geizt Patapon aber auch nicht mit Anspruch - was in den ersten Levels noch relativ simpel wird gewinnt stark an Komplexität, wenn erst einmal verschiedene Patapon-Einheiten geschaffen werden können, wenn ihr beginnt für eine Mission die optimale Aufstellung auszuknobeln und wenn ihr erkennt, dass ihr jeden eurer Patapon individuell ausrüsten könnt, zum Glück greift euch das Spiel dort mit einer Optimier-Funktion unter die Arme. 
Und allen Anspruch, Genremix und Innovation mal beiseite, Patapon fasziniert auch durch seine Welt. Die zweidimensionalen Schattenfiguren, die archaisch wirkenden, ironisch verzerrten Schlachtgesänge der einäugigen Gnome, die Tänze der Patapon ums heimische Feuer und das große Ziel ES zu finden... Patapon gibt sich gleichermaßen albern und kryptisch und weiß gerade deswegen so zu faszinieren. Wir können euch Patapon garnicht genug ans Herz legen - selten hat sich ein Spiel so frisch und originell und gleichzeitig so überzeugend und stilsicher angefühlt. Glaubt ihr, ihr habt spieletechnisch bereits alles gesehen und könnt durch nichts mehr überrascht werden, dann lasst euch von den Patapon eines besseren belehren. Seid aber gewarnt - nach ein paar Runden werdet ihr selbst im Schlaf nicht mehr aufhören können permanent "Pata-Pata-Pata-Pon" vor euch hin zu murmeln. Text Copyright Thomas Nickel 2008 Bilder Copyright Sony |