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British Sea Power - kaum zu glauben eigentlich, dass diese Band in Deutschland noch immer nicht wirklich bekannt ist. Von Sunday Times als beste britische Band überhaupt bezeichnet, von Größen wie David Bowie und Lou Reed unterstützt, füllte die Band um die beiden Geschwister Yan (angezogen wie ein working class man vor hundert Jahren) und Hamilton (gejagt wirkend mit absurd geblümter Bluse) Wilkinson im Februar 2008 tatsächlich nicht einmal das kleine Berliner Lido. Doch diejenigen, die kamen, bildeten wohl die bunteste Mischung, die der Club je gesehen hat: Mitgereiste britische Fans tranken Bier und wünschen sich (vergeblich) Songs, deutsche Fans, die mitreisten, verglichen die Playlist mit der vom Vortag, Jugendliche im Erstes-Konzert-Alter hüpften völlig außer sich im Vordergrund, im Halbschatten versteckten sich nicht einer, sondern gleich fünf Rock-Opas, alle jenseits der 60, aber einer sogar mit einem Bandshirt aus der ersten Edition. Dahinter dann das typische berliner Indie-Publikum mit ihren Bionaden und skeptischen Blicken. Dass eine einzige britische Band, die gerade ihr drittes Album bewirbt, allen von ihnen etwas bieten könnte schien schier unglaublich. Als die ersten drei Reihen schließlich anfingen, mitzusingen und zu klatschen, tauchte ein wahrhaft erstauntes Lächeln auf Yans Gesicht auf. Dabei sollte er doch längst daran gewöhnt sein.
Denn British Sea Power haben es wirklich, dieses gewisse Etwas, das nötig ist, um so viele verschiedene Menschen glücklich zu machen. Dazu brauchen sie auch nicht den Live Band of the Year-Titel, der ihnen in der Heimat bereits 2004 verliehen wurde, als sie ihre Bühne noch mit selbstgeschnittenen Zweigen dekorierten und Drummer Wood (an jenem Abend sehr im Kontrast zum Rest der Band optisch ein absoluter Britpop-Darling) mit Trommel um den Bauch durchs Publikum spazierte. Auch die opulente Bühnendekoration von damals brauchen sie nicht mehr - es reicht völlig, wenn die vier Jungs, bei diesem Konzert begleitet von zwei Freunden mit Violine und Horn, auf die Bühne treten und ihre wunderbare Musik spielen.
Es war ein wilder Mix aus allen drei bisher veröffentlichten Alben, mit dem stimmungsvollen Post-Punk von "Remember Me" und "Carrion", dem straight-forward-gerockten "Atom" und wunderschön verloren wirkenden Balladen wie "Larsen B", war wirklich alles dabei. Dazu natürlich die für British Sea Power typischen eingespielten Geräusche, die von verzerrter Orgelmusik bis Vogelstimmen alles sein können und dürfen. Eines der Highlights des Konzert bildete das instrumentale "The Great Skua", in dem der Gesang durch projizierte Bilder von (wahrscheinlich britischem) Küstenleben ersetzt wurde. Ein anderes war die einzige Ansage seitens der Band. "Rauchen macht die Fingers gelb," erklärte Gitarrist Noble (in einem Outfit, das stark an die italienischen Carabinieri erinnerte) aus nicht erkannten Gründen.
Etwas gestört wurde das Ganze durch den unglaublich dichten Nebel, den die Lido-Techniker aufgefahren haben und der wohl den neuerdings verbotenen Zigarettenrauch ersetzten sollte. Auch hatten BSP am Anfang massive Soundschwierigkeiten, es dauerte fast bis zur Zugabe, also knapp neunzig Minuten, bis die Instrumente ihren vollen Klang entfalten konnten. Dann gab es aber die endgültige Dröhnung. Das Publikum wurde langsam aber sicher ekstatisch, die Band auch. Noble zerstörte Teile des Bühnenaufbaus durch herumwirbeln eines Fans und ritt dann auf den Schultern eines anderen durch die ersten Reihen, während Phil Sumner, der unter anderem die Elektronik gemacht hatte, nun mit seiner Trompete auf eine der tragenden Scheinwerfer-Säulen kletterte und es einige Augenblicke ernsthaft aussah, als würde er da gleich runterfallen. Dazu ohne Unterbrechung die phantastische Musik. Das hätte sich alles locker auch in einem Stadion ereignen können - und wird es sicherlich auch, denn wenn eine Band zur Zeit das Potential hat, demnchst den Hyde Park oder die Wuhlheide zu füllen, dann handelt es sich mit Sicherheit um British Sea Power. Nicht unerwähnt bleiben sollte ein junger Mann, der sich als ein Repräsentant der Band Sir Simon Battle als Vorgruppe durchschlug. Die Band habe man so schnell nicht zusammentrommeln knnen, nur stand er also allein auf der Bühne mit Akkustikgitarre und einem Ipod, aus dem wundersamerweise Drums und andere Geräusche kamen und ließ sich nicht von der Tatsache entmutigen, dass noch nicht wirklich Publikum da war. Mit der Band klinge die Musik ja auch viel lauter, entschuldigte er sich. Braucht sie aber gar nicht - was der junge Mann mit sorgfltig überkmmten Geheimratsecken da von sich gab, geht locker als gut gemachte Singer/Songwriter-Musik, die sich vor keinem ihrer namhaften Vertreter zu verstecken braucht. Wenn er dann demnächst mit dem vollen Ensemble live unterwegs ist, lohnt es sich durchaus, der Band eine Chance zu geben. Text copyright Darina Goldin Bilder copright Nico Curian Playlist:
- Lights Out For Darker Skies
- Atom
- St Louis
- Childhood Memories
- Down on the Ground
- Leaving Here
- Canvey Island
- Larsen B
- Fod
- Land Beyond
- Waving Flags
- The Great Skua
- A Trip Out
- Carrion
- No Lucifer
- Truw Adventures
- Remember Me
- Scottish Wildlife
- A Rock
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