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Gorilla des Monats

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Die Süddeutsche Zeitung Diskothek

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Autor: SZ-Redaktion
 
erschienen bei: Süddeutsche Zeitung
Preis: je 9,90 Euro  (Abo 7 Euro)

Nicht noch eine -thek!! Als Buchhändler schlage ich ja mittlerweile die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wieder irgendeine Zeitung ihre ultimative Buchreihe zum Sonderpreis rausbringt und dem regulären Buchhandel bei weiteren 50, 25, 30, oder was weiß ich wievielen Titeln die Preise kaputtmacht. Gelockt werden die potenziellen Käufer mit der Gratisdreingabe des jeweils ersten Bandes und Abonnements-Einsparungen von bis zu 3 Euro pro Band. 

Die Süddeutsche Zeitung scheint sich an diesen Sondereditionen mittlerweile regelrecht festgebissen zu haben und so gibt es inzwischen eine Krimibibliothek, eine für Literatur, eine Kinderbibliothek, natürlich auch eine WM-Bibliothek und inzwischen sogar eine Cinemathek (mit Filmen) und eine Diskothek (mit CDs).  Halt mal - CDs?

Tatsächlich ist die hier vorgestellte Edition mal was wirklich interessantes im Gegensatz zum millionsten Aufguss von "Der Name der Rose" oder Elke Heidenreichs Lieblingskonglomerat aus Füßehochleg-Literatur. Die SZ begann im Juni 2005, eine 50 Bände starke Geschichte der Popmusik zu veröffentlichen, für jedes Jahr ausgehend von 1955 einen. Und jedem dieser Bände ist eine CD beigefügt, die laut Titelbild die 20 Songs des Jahres enthalten soll. Grund genug für mich, mir das mal anzusehen.

Die einzelnen Bände haben einen Umfang von ungefähr 80 Seiten und sind immer gleich aufgeteilt: In ein "pophistorisches Essay", verfasst von Mitgliedern der SZ-Redaktion, einer Fotostrecke mit Bildern der Zeitgeschichte, um einen kleinen Eindruck von den Geschehnissen des Jahers zu erhalten, und schließlich dem sogenannten "Fundstück", meist ein Interview mit mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten der Musikszene. Den Anfang 1955 macht der Moderator, Musikwissenschaftler und Experte für Popmusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Götz Alsmann. Je nach Jahr folgen dann durchaus auch Gespräche mit Größen wie den Sex Pistols oder Franz Ferdinand.
Man merkt, wohin die Richtung geht: Die Diskothek ist durchaus kein plattes Popgeseier, sondern hält einen intellektuellen, aber gut lesbaren Standard, der die Reihe sehr lesenswert macht.

Das letzte Kapitel eines jeden Bandes widmet sich der beigefügten CD: Jeder Song wird einzeln mit einem mal mehr, mal weniger ausführlichen Text vorgestellt, so dass man viele interessante Background-Facts erfährt, oder einfach nur das Lied ein wenig Revue passieren lassen kann. Ganz großes Plus: Jeder Text endet mit einer CD-Empfehlung zum Weiterhören, wenn der Song gefällt.
Zur Songauswahl: Die CD enthält 20 Lieder aus diesem einen Jahr, sowohl aus Amerika als auch aus Europa, dabei aber hauptsächlich Deutschland und England.

Es ist klar, dass die SZ hier keine zum dritten Mal wiedergekäute Best of the best of the best - CD mit den Superhits der Zeit liefert. Dennoch erkennt man auf jeder Platte viele Songs wieder, es gibt phantastische B-Seiten, die schon längst in Vergessenheit geraten waren, Originale von -zig mal gecoverten Liedern - insgesamt also eine Sammlung von vielen kleinen Schätzen. Es ist wirklich schön, dass die SZ hier Innovation beweist und sich von den ganzen anderen Sonderausgaben abhebt. Hier wurde mit Liebe zum Detail gearbeitet, und man findet mit Sicherheit noch die eine oder andere Information in den Büchern. Abgesehen natürlich von der tollen Sammlung an Musik, die sie mitliefert. Und zu dem Preis von € 9,90 (im Abo € 7,-) pro Band kann man nun wirklich nicht nein sagen, oder??

Mehr Informationen dazu - natürlich - beim Buchhändler Ihres Vertrauens oder hier:http://sz-mediathek.sueddeutsche.de/mediathek/shop/suzai0001_home.jspUnd wer mir was zum Geburtstag schenken will: Ich glaube, ich möchte die Bände irgendwann mal alle haben.

 

Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander
Copyright Süddeutsche Zeitung

 
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