Stephenie Meyer: Bis(s) zum Abendrot (Eclipse) Verlag: Carlsen ISBN: 978-3-551-58166-2 Preis: € 22,90 Bis(s) zum Abendrot bei Amazon.de Eine kleine Anmerkung: Es besteht eine ernstzunehmende Spoilergefahr in diesem Artikel. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt. Nun ist also endlich auch bei dieser Reihe der dritte Band erschienen, und ihm wurde der deutsche Titel „Bis(s) zum Abendrot“ verpasst. Dass aus dem Abendrot nicht nur in Buchhändlerkreisen schnell mal ein Abendbrot wird, war dem Verlag anscheinend weniger bewusst... allerdings entbehrt dieser Kalauer auch nicht einer gewissen Witzigkeit angesichts des Themas. Schließlich hat Edward Bella immernoch nicht gebissen, sein Abendbrot steht also noch aus. Aber wird es diesmal endlich dazu kommen?
Zunächst mal ist die Situation alles andere als entspannt in Forks. Edward ist zwar mit seiner Sippschaft wieder im Cullen Manor eingezogen, aber da Bella sowohl mit ihm zusammensein, als auch ihre Freundschaft mit dem Werwolf Jacob nicht aufgeben möchte, herrscht so eine Art Kalter Krieg zwischen den Fronten. Linien werden gezogen, die die eine oder andere Rasse nicht überschreiten darf und Bella wird erneut wie ein rohes Ei behandelt. Da mehren sich Gerüchte über einen wahnsinnigen Serienkiller, der seine hingemetzelten Opfer blutleer zurücklässt – der Fall ist klar: Victoria, die ja noch ungestraft durch die Weltgeschichte flitzt, ist zurück und will sich an Edward rächen. Wir erinnern uns: Um Bella im ersten Band zu retten, tötete er Victorias Gefährten James. Und wie sieht nun die perfekte Rache an Edward aus? Die besteht natürlich in dem Tod SEINER Gefährtin. Also muss Bella mal wieder vor der Übermacht der Blutsauger geschützt und gerettet werden, aber das lässt natürlich Jacob nicht so einfach über seinen Kopf hinweg entscheiden. Es kommt gezwungenermaßen zu einem einmaligen Bündnis zwischen Vampiren und Werwölfen. Ein Bündnis, das auf tönernen Füßen steht, da Edward und Jacob im Laufe des Buches zu erbitterten Rivalen werden und beginnen, mit harten Bandagen um Bella zu kämpfen, die sich ihrer Gefühle immer unsicherer wird. Der wunderbare kalthäutige Edward mit den Bronzehaaren und den Goldaugen? Oder lieber den heißblütigen schwarzhaarigen Jacob, der so schön viel Schatten spendet? Will sie überhaupt noch eine Untote werden?
Ein Krieg wird kommen und die denkende Menschheit überrollen. Frauen werden sich auf offener Straße bis an die Zähne bewaffnet gegenübertreten und nicht aufhören, für ihren Favoriten zu kämpfen, bis der vierte Band „Breaking Dawn“ im Sommer die Entscheidung bringt. Auf Carlsens sehr liebevoll gestalteter Bella-und-Edward-Seite gibt es bereits ein hochfrequentiertes Biss-O-Meter, das derzeit allerdings Edward als uneingeschränkten Sieger impliziert.
Nun ja, zurück zum Buch. Auch wenn mich jetzt die unkritischen Hardcore-Fans vermutlich auffressen werden (Abendbrot? Höhöhö...) - soooo dolle ist Band drei nicht mehr. Der erste Teil war noch richtig yippie-aye-yay, ich bin dahingeschmolzen wie Butter in der Sonne. Der zweite, nun ja, war auch noch echt nett zu lesen. Aber nachdem die Story in Band drei wieder das gleiche Strickmuster hat wie die ersten Teile und Bella wieder diese blöde Opferrolle hat, wird’s inzwischen einfach absehbar. Es passieren natürlich immer wieder ein paar Dinge, die das ganze dann etwas mit Spannung würzen, zum Beispiel dieses heikle Bündnis mit den Fellknäulen aus dem Reservat, das die Cullens unbedingt vor der Volturi-Gestapo geheimhalten müssen. Aber da wäre zum Beispiel wieder viel mehr Potenzial für ein nervenzerfetzendes Ende gewesen... ich hoffe, dass es mit denen im letzten Teil nochmal einen richtig zünftigen Showdown geben wird. Auch diese Dreiecksgeschichte mit Jacob beginnt allmählich zu nerven und sich viel zu lange hinzuziehen. Abgesehen davon, dass Bella natürlich immernoch nicht gebissen wird. Ist auch kein Wunder, wenn das Finale Furioso naht.
Warum lohnt es sich trotzdem, Bis(s) zum Abendrot zu lesen? Rechts und links von der Dreiecksgeschichte finden eine Menge feiner Dinge statt. Die Mitglieder des Cullen-Clans kriegen zum Beispiel endlich die verdienten Seiten, um ihre Geschichten zu erzählen und werden so von notwendigen Statisten langsam zu ernstzunehmenden Charakteren. Und nicht nur auf Vampirseite gibt es Hintergrundinfos, auch die Historie der Werwölfe ist ein intensiver Subplot, der sich wirklich zu lesen lohnt.
Nun hoffen wir alle auf ein grandioses Ende, denn das ist, wie ich anerkennen muss, noch nicht wirklich abzusehen. Das einzige, was mir wirklich Schauer des Grauens über den Rücken jagt, ist, dass das Wort „Hochzeit“ gegen Ende der Geschichte bedrohlich oft in den Mund genommen wird. Hoffen wir, dass es bei einer Drohung bleibt... aber ich befürchte das Gegenteil. Text Copyright Anna-Selina Sander 2008 Cover Copyright Carlsen |