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Batman (1989)
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I believe in Harvey Dent

  

BatmanUSA (1989)
Regie:
Tim Burton
, Drehbuch: Sam Hamm, Musik: Danny Elfman, mit: Michael Keaton, Jack Nicholson, Kim Basinger, Pat Hingle, Michael Gough

Erschienen bei: Warner Bros.
Preis: ca. 18 € Batman (Special Edition) bei Amazon.de

Seit Batman im Jahre 1939 zum ersten Mal in der Reihe Detective Comics in Amerika auftauchte, ist er aus der Comicwelt nicht mehr wegzudenken. 1940 bekam er bereits eine eigene Heftserie, die in den 1960er Jahren kurz schwächelte. Als Julius Schwartz 1964 mit einem Remake aufwartete, ging der Hype von vorne los und zog unter anderem die legendäre TV-Serie mit Adam West in der Hauptrolle, berühmt für ihre ausufernde Lautmalerei, nach sich. Ihr folgte wenig später auch ein Kinofilm, bis zum Jahr 1989 die einzige Leinwand-Adaption.

Regisseur Tim Burton, der Meister des Düsteren, Schrägen und Geheimnisvollen, nahm sich in jenem Jahr des Batman-Stoffes an und hatte nun die Aufgabe, eine Batman-Filmfigur zu schaffen, die wieder näher an den Ursprüngen liegt, die der Erfinder Bob Kane seinerzeit entworfen hatte. 1992 folgte bereits der Nachfolger Batmans Rückkehr (Batman Returns), gemeinsam mit der Zeichentrickserie Batman: The Animated Series, die übrigens bis heute nicht in einer deutschen DVD-Fassung vorliegt. Joel Schumacher setzte die Filmreihe 1995 mit Batman Forever und 1997 mit Batman & Robin fort. Danach wurde es (nach Batman & Robin durchaus zurecht) lange still um den Dunklen Ritter, bis schließlich 2005 Batman Begins von Christopher Nolan in die Kinos kam und Batman und seiner Stadt Gotham City das Gesicht des 21. Jahrhhunderts gab.

Wir warten nun gespannt auf das nächste Ziel: The Dark Knight, die Fortsetzung von Batman Begins, erscheint im Sommer 2008 und lässt bereits im Vorfelde große Erwartungen aufkommen. Sowohl durch den phänomenalen Vorgänger als auch gleichsam überschattet und mystifiziert durch den Tod des Joker-Darstellers Heath Ledger versprechen Fans sich ein Kinoerlebnis der Extraklasse. Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, gibt es fortan Reviews der letzten fünf Filme – und wir werden sehen, was wir Gorillas noch so alles aus der Bathöhle bzw. den Regalen kramen, um den düsteren Vigilanten aus Gotham zu würdigen.

Batman

Im ersten Film lässt schon die erste Kamerafahrt keinen Zweifel daran, womit wir es in Gotham City zu tun haben: Eine düstere, heruntergekommene Großstadt, in der sich Polizisten ihren Lebensunterhalt mit Korruption verdienen, in der mehr Scheinfirmen als Autos existieren und in der alle Hoffnung verloren scheint. Der Film beginnt mit einer kleinen Familie, Mutter, Vater, Sohn, die am späten Abend auf dem Weg nach Hause sind und in einer dunklen Gasse plötzlich hinterrücks angegriffen werden. Der Batman-Freund nickt wissend. Aber wir haben es hier nicht mit einem Rückblick auf das Schlüsselerlebnis in Bruce Waynes (Michael Keaton) Leben zu tun, das irgendwie immer am Anfang einer Batman-Geschichte steht. Vielmehr beobachtet der Held die Szene von oben, um rechtzeitig eingreifen zu können, den Schurken die Fresse zu polieren und ihnen gehörig Angst einzujagen.

Wenig später beginnen sich die Gerüchte um eine gigantische Fledermaus zu mehren, die den Weg der Verbrechensbekämpfung eingeschlagen hat. Bei der Presse ist man darüber noch geteilter Meinung, der Reporter Alexander Knox (Robert Wuhl) interessiert sich jedoch brennend für Batman und schließt sich mit der umwerfenden Fotoreporterin Vicki Vale (Kim Basinger) zusammen, um aus dem Thema eine ganz große Titelseitenstory zu machen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer versucht derweil der werdende Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (Billy Dee Williams) zu geben, indem er ankündigt, Nachforschungen bei Scheinfirmen anzustellen, hinter denen er kriminelle Machenschaften vermutet. Nun ist sowas in Gotham City eine Sisyphusarbeit, aber um das ganze zu verkürzen, gibt man ihm gleich einen dicken Fisch an die Angel: Carl Grissom (Jack Palance), der illegale Geschäfte mit der Chemiefabrik Axis Chemicals macht. Der korrupte Lieutenant Eckhardt (William Hootkins) versucht alles, um diese Nachforschungen zu verhindern und wird dabei gehörig von Jack Napier (Jack Nicholson) erpresst, der quasi Carl Grissoms rechte Hand ist. Natürlich hassen sich die Mitglieder der Chefetage bei Grissom auch gegenseitig wie die Pest, und so schickt Grissom Napier zu Axis Chemicals, um Akten und Beweisstücke zu klauen und zu vernichten, mit denen Dent sie drankriegen könnte. Kaum ist Napier aus dem Haus, ruft er bei Lt. Eckhardt an und gibt ihm einen Hinweis auf Napiers Nacht-und-Nebel-Aktion. Eckhardt wittert das Ende seines Daseins als Erpressungsopfer und nimmt den Hinweis dankbar an, um Napier umzulegen.

Batman

Man gewinnt in etwa ein Bild davon, was so in Gotham abgeht, oder? Doch das ist erst der Anfang.
Knox und Vale haben einen Plan. Sie wollen Commissioner James Gordon (Pat Hingle) befragen, der angeblich eine Akte über Batman führt, und schleichen sich auf dem Wohltätigkeitsball des Milliardärs Bruce Wayne ein. Dort machen sie zwar Bekanntschaft mit dem Hausherren, doch sowohl er als auch Gordon verschwinden urplötzlich von der Bildfläche – natürlich zu Axis Chemicals. Gordon kann Eckhardts Männer gerade noch davon abhalten, Kleinholz aus Napier zu machen, aber im folgenden Kampf stößt Batman diesen in einen Bottich voller ungesunder grün glänzender Chemikalien, die sein Gesicht und seine Haut vollends entstellen.

Die Welt glaubt ihn tot, doch Napier konnte sich aus dem Säurebad retten und wird von einem zwielichtigen Arzt in einem gruseligen, abgewanzten Krankenzimmer, das gut und gerne einem Silent Hill-Spiel entliehen sein könnte, wieder zusammengeflickt. Sein Mund ist nun zu einem grotesten Dauergrinsen entstellt und seine Haut hat sich weiß verfärbt – der Joker ist geboren. Die Szene wurde übrigens glorreich bei den Simpsons in der Folge Prinzessin Zahnstein parodiert.
Die erste Amtshandlung liegt nahe: Grissom hat ihn in den Mist reingeritten, also wird er mit Freuden kaltgemacht – und als nächstes ist die ganze Stadt dran. Er reißt die ganze Firma an sich, wer nicht spurt, folgt Grissom ins Jenseits.

Was nun folgt, ist ein abgefahrener Egotrip, der eigentlich nicht mehr erklärt werden kann. Joker will einfach nur zwei Dinge: Die Menschen sollen möglichst alle sterben, damit er seinen Spaß hat, und Rache an Batman, der ihn so zugerichtet hat. Er schießt sich auf großflächige Vernichtungsmethoden ein, giftige Chemikalien in Kosmetikartikeln, Giftgasanschläge bei einer Festparade (seine Opfer hat er zunächst mit einem kleinen Geldregen angelockt) und natürlich jede Art von Kanonen, denn dafür ist er ja bekannt.

Batman

Zwischen Vicki und Bruce entbrennt in kürzester Zeit die gegenseitige Zuneigung und nach jeder Menge gutem Zureden von Waynes Butler Alfred Pennyworth (Michael Gough) beschließt er, ihr seine geheime Identität zu enthüllen. Doch dazu kommt es nicht, und Vicki ist Bruces seltsames Benehmen weiterhin ein Rätsel. Stattdessen findet sie sein Kindheitstrauma heraus, und Bruce selbst erfährt sogar noch mehr: Nämlich, dass es niemand anders als Jack Napier war, der seine Eltern damals in der dunklen Gasse hinter dem Monarch Theatre erschossen hat. Batman ist also ein Produkt des Jokers und Joker das von Batman – das Grand Finale kann beginnen, und da Joker scharf auf Vicki ist, entführt er sie kurzerhand in die Gotham Cathedral, da die so einen schönen hohen Glockenturm hat.

Dass Napier der Mörder von Thomas und Martha Wayne ist... hm. Für meinen Geschmack ist das ein Quäntchen Zusammenhang zu viel. Für den Film und den Grund für die Feindschaft von Batman und Joker ist das durchaus plausibel, und es gibt ja auch kaum festgesetzte Personenverhältnisse. Insofern wäre das durchaus möglich, aber der einfache Straßenräuber hat sich als Täter mit der Zeit einfach etabliert. Zudem wäre Batmans Existenz nach einer Rache am Joker überflüssig, da die Ursache für seinen Kreuzzug gefunden und vernichtet wäre. Der unbekannte Straßenräuber war immer ein Synonym für das Übel und das Verbrechen in Gotham, dass es nun so ein präsentes Gesicht bekommt, wäre für den Fortbestand der Figur Batman schwierig. Aber das kann man den Drehbuchautoren nachsehen.

Tim Burton hat dem Batman-Universum in diesem Film unverkennbar seinen Stempel aufgedrückt, und er passt wie die Faust aufs Auge. Seine Gigantomanie bei den Kulissen, die meilenweit mit ihren düsteren Fronten in den Nachthimmel wachsen, die ständige Dunkelheit, die höchstens mal zu diesigem Tageslicht wird und die ganzen schaurig-schrägen Details wie Jokers riesige giftgasgefüllte Ballons oder das bereits erwähnte Krankenzimmer lassen die Hoffnungslosigkeit und die fehlende Lebensfreude aus jeder Mauerritze dieser Stadt sprechen. In diese Tristesse platzt Jack Nicholson wie eine Naturgewalt mit seinem kindlich-verspielten, knallbunten, gnadenlosen Amokläufer von Joker, der jeden Schauspieler in diesem Film ohne Mühe überflügelt. Er ist auch so herrlich ausgestattet mit bekloppten Gadgets und seiner Bande von Handlangern, von denen einer ständig mit einem Ghettoblaster für die musikalische Untermalung seiner Auftritte umherläuft.

Dabei macht Michael Keatons Bruce Wayne durchaus eine gute Figur mit seiner kuscheligen, etwas tapsigen Nachdenklichkeit auf der einen, aber der geheimnisvollen Kälte auf der anderen Seite. Er verliert nur an einer Stelle die Fassung, und das wirkt in dem Moment äußerst befremdlich, da er seine Emotionen normalerweise meisterhaft beherrscht und stets ernst bleibt. Vicki Vales Charakter bleibt oberflächlich und schwächelt ein wenig, Alfred hingegen mit seiner süffisanten Zurückhaltung schafft sich hier die Basis für zukünftige Filme. Doch Nicholson ist der uneingeschränkte Star des Films, der mit einem so offensichtlichen Spaß den Joker übermittelt, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Unter dem Joker-Gesichtspunkt wird auch Nolans bzw. Ledgers Interpretation interessant, wobei schon zur Genüge angedeutet wurde, dass der neue Joker ganz andere Schwerpunkte legt. Nicholson ist der knallbunte Comic-Psychopath, wir werden sehen, was Ledger in seinem Vermächtnis daraus gemacht hat.

Batman

Erfreulich ist die Doppel-DVD, die von jedem der vier Vorgänger der Nolan-Ära im Jahre 2005 herausgebracht wurde. Auf der Bonus-DVD befindet sich Material für einen ganzen Videoabend, beginnend mit einer Geschichte der Figur Batman von 1939 bis heute (von einem sehr bekannten Sprecher übrigens), in der von Bob Kane über Jeph Loeb und Frank Miller bis zu Kevin Smith, sowohl Autoren und Zeichner als auch Weggefährten oder Historiker zu Wort kommen und so einen facettenreichen Blick auf die Entstehungsgeschichte der beliebten Figur bieten.
Filmbegleitend gibt es natürlich zahlreiche Interviews und auch hier wurde ein umfangreiches Special über die Entstehung des Films gedreht, das sich ebenfalls lohnt anzusehen. Darüber hinaus runden Musikvideos, Galerien, Hinter-den-Kulissen-Features und ursprüngliche Storyboard-Szenen mit Robin das ganze ab. Wunderbare und reichhaltige Ergänzung zu einem Spitzenfilm, der recht gut gealtert ist und auch heute noch Spaß macht, obwohl relativ wenig in die Luft fliegt!

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Text Copyright Anna-Selina Sander 2008
Bilder Copyright Warner Bros.

 

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