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Gorilla des Monats

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Krigstein

KrigsteinDeutschland (1999 - 2008), Autor, Zeichnungen: Haimo Kinzler, Farben: Stefan Dinter, Christopher Tauber

Homepage: www.krigstein.de  
Erschienen bei: Zwerchfell Verlag
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Sind wir mal ehrlich - Krieg ist eigentlich ganz große Scheisse. Als entspannter Europäer kann man das doch durchaus so sehen und auch mal so sagen. Leider sieht so mancher Staatsführer das immer noch anders und plant fröhlich seine Invasionen, seine Präventivkriege und seine Erstschläge. Und während die großen Tiere gemütlich vom Hauptquartier aus Einheit um Einheit verheizt ist der kleine Soldat im Graben der Arsch vom Dienst und schaut dann einfach, dass er irgendwie halbwegs unversehrt aus der Sache rauskommt. Das ist heute so, und früher war es auch nicht anders. Vor allem nicht im zweiten Weltkrieg und genau zu dieser Zeit spielt Haimo Kinzlers Krigstein. Während die Alliierten schon mit einem Bein in Berlin stehen, meint das Oberkommando, noch ein letztes Ass im Ärmel zu haben - und so schickt man Kat Kadz, die ärmste Sau von allen auf eine streng geheime Mission mit einem noch viel strenger geheimen Koffer.

Aber während sich im Band Null noch alles um Kadz und seinen verzweifelten Versuch, irgendwie am Leben zu bleiben dreht, wird das Feld im ersten (früher erschienen) Teil auf einmal ordentlich erweitert, tatsächlich treibt sich nach kurzer Zeit eine veritable Menagerie an anthropomorphen Tieren die sich allesamt versuchen, sich irgendwie durchschlagen - da sind die Opfer, die Täter, die Mitläufer, die Fanatiker, die Fieslinge, die geheimnisvollen, die naiven, die vermeintlichen Helden, die Aufschneider... neben Kadz, der schnell die Bekanntschaft von Fliegerass Hannah Peitsch macht treffen wir dann noch den ebenso fiesen wie feigen Generaloberst Dragobert von Dintershöhe und seinen Speichellecker Leutnant Fischer die ihre Loyalität gegenüber quasi im minutentakt überdenken - oft mit drastischen Konsequenzen. Dann ist da noch das geheimnisvolle U-Boot des ebenso geheimnisvollen Captain Bloober der schon wieder sein eigenes Süppchen zu kochen scheint. Und wer oder was ist Krigstein? Nun, obwohl der gute Krigstein bereits am Ende des ersten Bandes bereits in Person auftaucht wissen wir auch am Ende des zweiten noch nicht wirklich, was es mit dem Burschen tatsächlich auf sich hat.

Krigstein

Zwei Adjektive umschreiben Krigstein besonders treffend: "Abstrus" und "schwarz". Abstrus, wegen der teilweise grotesk überzeichneten Actionszenen die in ihrer Dekompression teilweise schon an diverse Dragonball-Keilereien erinnern: Wenn sich der Sturz aus einem Flugzeug der Herren von Dintershöhe und Fischer mit gleichzeitigem Streitgespräch und diversen Mordversuchen über zehn Seiten erstreckt, dann freut sich der eine Leser über die haarsträubenden Einfälle von Autor und Zeichner Kinzler, manch anderer, eher konservativ eingestellter Leser beginnt dagegen ab der fünften Seite, sich verwundert am Kopf zu kratzen. Tatsächlich stellt man sich doch manchmal die Frage, ob Kinzler tatsächlich einen großen Masterplan im Hinterkopf hat oder von Seite zu Seite improvisiert - auch am Ende des zweiten Bandes sind noch mehr Fragen offen als beantwortet und es kommt auch durchaus mal vor, dass sich der Name einer Figur manchmal leicht wandelt...

Das Adjektiv "schwarz" sollte man dagegen eher direkt in "tiefschwarz" umbenennen - im Verlauf der drei Bände segnen so einige Figuren auf äußerst seltsame, willkürliche oder sinnlose, dennoch aber ziemlich unterhaltsame Art das zeitliche und die hohen Tiere haben immer wieder den größten Spaß daran, ihre kleinen Untergebenen zu verheizen oder schonmal zu Unterhaltungszwecken einfach wegen Feigheit vor dem Feind zu erschiessen. Und dann ist da noch der Reichsführer der drauf und dran ist, sich ein paar Koffer voller Geld zu packen um in der Schweiz als Herr Nägeli nochmal von vorne anzufangen. Dafür, dass einem manchmal das Lachen nicht im Halse stecken bleibt sorgen in erster Linie dann Kinzles Zeichnungen.

Denn als Kontrast zum oftmals doch recht zynischen Inhalt setzt Krigstein auf einen albernen, karikaturhaft-überzeichneten Look: Die tierischen Protagonisten gefallen mit angenehm ausdruckstarker Mimik und Gestik, die Hintergründe sind meist sparsam und zweckmäßig, dafür aber auch übersichtlich - es herrscht nie Unklarheit, was tatsächlich passiert. Die später erschienenen Bände Null und 2 kommen zudem komplett farbig daher - das wertet die Sache gleich nochmal auf. Wer nun eisern auf political correctness schwört (gibt es so jemanden tatsächlich unter unseren Lesern?), der wird vielleicht mit Krigstein hier und da ein kleines Problem haben, wer allerdings das Phänomen Krieg, Obrigkeitsdenken, soldatische Pflichterfüllung und diesen ganzen  Mumpitz für einen ausgemachten Käse hält, der findet mit Krigstein eine äußerst unterhaltsame Bestätigung seiner Ansichten. Auch wenn sich Kinzler immer wieder windet, wenn es darum geht, tatsächlich mal Fragen zu beantworten. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja doch auch Absicht - der kleine Soldat ist ja meist auch der letzte der erfährt, worum es nun eigentlich wirklich geht.

Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Bilder Copyright Haimo Kinzler

 
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