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Gorilla des Monats

bernie 
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God of War: Chains of Olympus
Chains of OlympusSystem: PSP
USA
(2008), Director:  Ru Weerasuriya, Writer: Cory Barlog, Marianne Krawczyk, Musik: Gerard K. Marino

Entwickler: Ready at Dawn
Erschienen bei: Sony
Preis: ca. 40 € God of War: Chains of Olympus bei Amazon.de

Bei den God of War-Spielen ist alles ein paar Nummern größer. Die Szenarien sind gewaltiger, die Architektur ist monumentaler, die Monster sind schrecklicher und Kratos ist gnadenloser als alle anderen Actionspiel-Helden und Antihelden zusammen. Tatsächlich können es die beiden God of War-Episoden auf der PS2 in Sachen Inszenierung und Bildgewalt immer noch problemlos mit den gängigen Top-Titeln für die aktuelle Konsolengeneration aufnehmen. Und das soll jetzt auf der PSP funktionieren? Einem Handheld, das in den letzten Jahren immer wieder erfolglos gegen Nintendos DS angerannt ist und dessen meiste Spiele technisch arg nach Kompromisslösungen aussehen oder aber lieblose Konvertierungen bereits existierender PS-Titel sind? Ein System, das üppige Grafik fast immer mit exorbitanten Ladezeiten erkaufen muss? Eigentlich kaum vorstellbar. Denn auch wenn wir auf der PSP bereits einige wirklich imposante Titel gesehen haben, so scheint der Gedanke, die Pracht der God of War-Spiele auf den kleinen Widescreen umzusetzen, doch eigentlich völlig utopisch. Und trotzdem haben die Jungs und Mädels von US-Studio Ready at Dawn (Daxter) tatsächlich das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.

Wenn ihr mit Kratos die ersten Schritte durch Attica macht und eine angreifende Perser-Armee mitsamt gewaltigem Basilisken dem Erdboden gleichmacht, dann traut ihr zunächst wirklich euren Augen nicht. Die Umgebung, die Gegner, die Animationen und die Effekte - auf den ersten Blick scheint wirklich alles wie ihr es von den großen PS2-Vorgängern kennt. Selbst das gelegentliche Tearing hat es auf den Handheld geschafft. Erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt ihr, wo die Entwickler etwas gespart haben. So kommen die Figuren meist mit ein paar weniger Polygonen aus als ihre stationären Kollegen. Auch die Üppigkeit der Szenarien wurde ein wenig an die PSP-Hardware angepasst – manche Texturen sind etwas einfacher, mancher Ausblick nicht ganz so verschwenderisch detailliert. Dafür wurde ein anderes technisches Kabinettstücken perfekt auf die PSP übertragen: Genau wie in der PS2-Fassung werdet ihr auch auf der PSP während des Spiels praktisch keine Ladezeit erleben. Durch einen exzellenten Levelaufbau streamt der Handheld jederzeit die nötigen Daten für die nächsten Räume, während ihr noch diverse Korridore durchquert. Und dem exzellenten Design des Spiels ist es zu verdanken, dass ihr diese Korridore niemals als Streaming-Korridore wahrnehmt. Alles wirkt perfekt aus einem Guss.

Chains of Olympus

Da God of War: Chains of Olympus noch vor dem ersten Teil spielt, steht Kratos noch im Dienst der olympischen Götter – und die geben ihm jede Menge Arbeit. Denn kaum ist die persische Invasion zurückgeschlagen, verschwindet auf einmal die Sonne! Gott Helios wurde entführt und Traumgott Morpheus nutzt die Gunst der Stunde, seinen Einfluss geltend zu machen und die Menschen und auch die meisten Götter in ewigen Schlaf zu versetzen. Aber Morpheus ist nicht wirklich der Übeltäter. Hinter Helios' Verschwinden scheint jemand anderes zu stecken und es liegt an Kratos, den Sonnengott zu finden und die natürliche Ordnung wieder herzustellen. Bleibt die Frage, ob der ebenso verzweifelte wie gnadenlose Geist von Sparta tatsächlich der richtige ist, dem man diese verantwortungsvolle Aufgabe anvertrauen kann, oder ob Kratos nicht lieber die ganze Welt ins Chaos stürzt, wenn er dafür seine eigenen Dämonen besiegen könnte...

Wer jetzt wieder God of War als unnötig brutales und pubertäres Gemetzel abkanzelt, dem ist spätestens nach Chains of Olympus nicht mehr zu helfen. Natürlich ist Kratos fies wie eh und je – Zyklopen tritt er seine Messer ins Auge, Harpyen reißt er die Flügel aus und Gorgonen stehen schnell einmal kopflos da. Und das sind noch ein paar der harmloseren Todesarten der zahlreichen Gegner. Aber Kratos ist kein cooler Devil May Cry-Dante, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Stattdessen ist Kratos eine tragische Figur wie sie klassischer nicht sein könnte. Sein einziges Ziel ist es, vor der Schuld zu fliehen, die er sich aufgeladen hat. Oder waren es doch die Götter, die ihm die Schuld aufgeladen haben, um einen willigen Laufburschen für die Drecksarbeit zu haben? So ist Kratos trotz all seiner Kraft und Grausamkeit letzten Endes dem Schicksal gegenüber völlig machtlos. Und wenn das Spiel seinem inhaltlichen und emotionalen Höhepunkt entgegen geht und Kratos eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen treffen muss, dann ist das so glaubwürdig und mitreißend dargestellt, dass selbst der größte Kratos-Hasser nicht mehr leugnen kann, dass der bleiche Spartaner mehr ist als nur ein fieser Monster-Metzger. 

Chains of Olympus

Überhaupt bescheinigen wir Chains of Olympus einen fast perfekten Spannungsbogen. Gut, das Spiel ist nicht sonderlich lang, dafür nutzt Ready at Dawn aber auch die sechs bis sieben Stunden, die ihr auf dem Weg ins letzte Gefecht braucht, ganz hervorragend und bombardiert euch pausenlos mit großartigen Momenten, neuen Spielideen und fordernden Kämpfen. Lediglich im letzten Viertel verliert das Spiel kurzzeitig an Fahrt. Da haben die Entwickler wohl doch etwas kalte Füße gekriegt und lassen Kratos ein paar sehr ähnliche Räume voller Fallen und Monster durchqueren. Der einzige weitere Kritikpunkt ist der leichte Mangel an Bossen. Nach dem furiosen Kampf gegen den Basilisken im ersten Level ist der Spieler bereits schwer gespannt, wie Ready at Dawn diesen Kampf noch toppen will – und leider tun sie das nicht. Lediglich zwei weitere Bosse erwarten euch noch im Verlauf des Spiels und die können es in Sachen Format leider nicht mit dem Debüt-Monster aufnehmen. Dafür stimmen die Szenarien: von Attica über Helios' Sonnenwagen bis in die Unterwelt erstreckt sich das Abenteuer. Und wenn Kratos dann über die gewaltigen Ketten des an gewaltige Felsen gefesselten Titanen Hyperion klettert, dann fühlt der Spieler fast schon eine Art von Ehrfurcht ob der grandiosen Vision der Designer, die die griechische Mythologie selbst auf dem kleinen PSP-Bildschirm in geradezu atemberaubender und oft auch wahrhaft erschreckender Weise interpretieren.

Genauso wie das Spiel allerdings etwas mehr Umfang vertragen könnte, könnte es auch etwas mehr Anspruch vertragen. Denn die Kämpfe machen zwar sehr großen Spaß und Kratos' neue Fähigkeiten fühlen sich in der Anwendung extrem gut an, das Spiel selbst fordert den Spieler dagegen nur in Maßen. Die meisten Gegner verlieren schnell an Bedrohungspotential, wenn ihr ihre Angriffe erst mal durchschaut habt und wisst, wie ihr euch am besten zur Wehr setzt. Geheime Truhen sind oft so offensichtlich versteckt, dass ihr schon mit Scheuklappen durch das Spiel rennen müsstet, um nicht mit sämtlichen Power-Ups des Spiels vor dem Endgegner zu stehen. Und auch die Bosse könnten etwas anspruchsvoller sein: Als erfahrener God of War-Veteran probiert man zunächst die wildesten Taktiken und Special-Kombinationen an den Biestern aus, nur um nach kurzer Zeit festzustellen, dass man ihnen auch mit eigentlich sehr, sehr simplen Manövern problemlos beikommen kann.

Chains of Olympus

Exzellent gelöst ist auf jeden Fall die Steuerung: Da der PSP gegenüber der PS2 diverse Buttons und ein ganzer zweiter Analogstick fehlen, werden einige Aktionen über Doppel-Belegungen ausgeführt. Nach kurzer Zeit habt ihr euch aber daran gewöhnt und stellt fest, dass der PSP-Kratos seinem großen PS2-Bruder in Sachen Agilität keineswegs nachsteht. Bald wechselt ihr ebenso schnell die Waffen, setzt ebenso effektive Magie ein und rollt genauso flink aus der Reichweite der Gegner wie auf der PS2. Dank großzügig verteilter Speicherpunkte wurde das Spiel weiterhin dem tragbaren Format angepasst – ihr seid nie zu weit vom nächsten Save-Point entfernt, Fairness wird hier generell sehr groß geschrieben.

Auch wenn wir Chains of Olympus für den etwas kurzen Umfang und die etwas kleinere Herausforderung gegenüber den beiden Vorgängern kritisieren, so verblassen diese Punkte doch angesichts all dessen, was das Spiel tatsächlich erreicht. God of War knechtet die erstmals im schnelleren 333MHZ-Modus laufenden Prozessoren der PSP wie kein Spiel zuvor und sprüht dabei nur so vor Spielspaß. Ein denkwürdiger Moment jagt den nächsten, und bis der letzte Boss besiegt ist, gönnt sich der Spieler selbst genauso wie Kratos eigentlich keine Verschnaufpause. Andere Spiele mögen umfangreicher sein, wer aber auch nur ein kleines Faible für anspruchsvolle Actionkost hat, der kommt am PSP-Kriegsgott trotzdem nicht vorbei. Und ist der letzte Boss schließlich auf die Matte gelegt, dann fragt ihr euch zurecht, warum andere Entwickler es nicht auch nur annähernd schaffen, ein vergleichbar furioses Actionspiel für den Sony-Handheld zu entwickeln – Ready at Dawn hat hier die Messlatte für künftige PSP-Spiele in schwindelerregender Höhe gelegt. Und ganz ehrlich, wir wären doch überrascht, wenn es in den nächsten Monaten tatsächlich ein anderes Spiel schafft, zumindest technisch mit dem famosen Chains of Olympus gleich zu ziehen.

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Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright Sony

 
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