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Gorilla des Monats

bernie 
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One Foot in the Grave

CoverUK (1989-2000)

Umfang: 36 Episoden a' 30 Minuten, 6 Specials a' 60-90 Minuten

Buch: David Renwick, Regie: Susan Belbin, Musik: Ed Welch, Eric Idle, John DuPrez
Darsteller: Richard Wilson, Annette Crosbie, Doreen Mantle, Angus Deayton, Jane Duvitski, Owen Brenman

Erschienen bei: 2entertain
Preis: ca. 60 €  One Foot in the Grave Series 1-6 + Specials bei Amazon.co.uk

 

  

"They say I might as well face the truth,
that I am just too long in the tooth.
I've started to deteriorate,
and now I'm past my own sell-by date.
So, I'm a wrinkly, crinkly, set-in-my-ways,
I know that my body has seen better days.
But give me half a chance and I might still misbehave.
One Foot in the Grave." (Eric Idle)

Wer alt ist, hat der Welt immer noch etwas zu bieten. Jahrzehntelange berufliche Erfahrung, sorgsam geschulte Menschenkenntnis und mühsam erworbene Anpassungsfähigkeit können schließlich durch Jugend, Ehrgeiz und Ellbogenmentalität noch lange nicht ersetzt werden, oder? Oder?

Diese Frage muss sich der unfreiwillige Frühpensionär Victor Meldrew (Richard Wilson) stellen, als ihm zum sechzigsten Geburtstag sein Portiersjob zugunsten eines Automaten wegrationalisiert wird. Urplötzlich muss ein Mann, der noch vor kurzem glaubte, mit beiden Beinen im Leben zu stehen, feststellen, dass er sich bereits mit einem davon im Grab befindet.

One Foot 1One Foot 2

Denn niemand, aber auch wirklich niemand scheint mehr Verwendung für den griesgrämigen Grauschopf zu haben. Egal ob privat oder professionell, Victor Meldrew ist ein Relikt aus einer anderen Epoche. Von seiner Umwelt belächelt, muss er nun versuchen, das Beste aus dem "goldenen Herbst" zu machen, aber manchmal scheint es, als hätte sich die ganze Welt gegen den alten Haudegen verschworen. Seine Frau Margaret (Annette Crosbie) ist geduldig und verständnisvoll, hat aber schon seit Jahren aufgehört, ihrem Gatten wirklich zuzuhören. Mr. Warboys (Doreen Mantle), die beste (und scheinbar einzige) Freundin der Familie ist eine naive alte Dame mit einem unheilvollen Talent zum Taktlosen und in der Nachbarschaft lauern ein cholerisches Spießbürgerpäärchen und ein beunruhigend fröhlicher Nachwuchs-Norman Bates darauf, Victor jeglichen Anschein eines Lächelns vom Gesicht zu wischen.

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David Renwicks Sitcom One Foot in the Grave zählte über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren zu den erfolgreichsten britischen Fernsehserien überhaupt, und obwohl das Konzept eines Rentners gegen den Rest der Welt auf den ersten Blick nicht besonders vielseitig wirken mag, schaffte es Renwick doch immer wieder, mit dieser Serie zu überraschen, zu schocken und letzten Ende sogar die Regeln des Genres neu zu definieren. Oberflächlich betrachtet ist Victor Meldrew der Archetyp des frustrierten Rentners: Ungeduldig, mürrisch und grenzenlos rechthaberisch. Aber wenn man sich die tragikomischen Erlebnisse des miesepetrigen Methusalems etwas näher ansieht, erkennt man schon nach kurzer Zeit einen interessanten, vielschichtigen und letzten Endes tragischen Charakter, wie es ihn in Mainstream-Comedys nur selten gibt. Denn so unterhaltsam der selbstgerechte Weltschmerz des alten Herren auch sein mag, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille, denn in den allermeisten Fällen sind Victors zynische Monologe absolut gerechtfertigt!

Wie ein Magnet zieht der alte Herr die typischen Probleme des Alltags an und stolpert dabei von einer empörenden Situation in die Nächste. Unfreundliche Dienstleister, inkompetente Mediziner, redseliger Familienbesuch und ähnliches Unheil gehören für Victor zum Alltag. Mal stellt ihm ein Versandhändler statt seiner drei bestellten Gartenzwerge 300 rauschebärtige Porzellanknilche in den Garten, danach rasiert ihm ein Geisteskranker die Intimbehaarung ab, und schließlich erhält er einen neuen Job als Feldarbeiter, nur um später zu erfahren, dass ihn seine Arbeitgeber als Vogelscheuche missbraucht haben. Kein Wunder also, dass er die ewige Heuchlerei unserer Gesellschaft inzwischen endgültig satt hat. Anstatt gute Miene zum bösen Spiel zu machen, nimmt der sensible Rentner den verbalen Kampf gegen seine Umwelt auf, und zieht dabei regelmäßig den Kürzeren. Obwohl er sich in Sachen Spitzzüngigkeit nicht vor anderen britischen Sitcom-Zynikern wie Basil Fawlty, Edmund Blackadder oder Bernard Black verstecken muss, sammelt der mächtige Meldrew in seiner Funktion als Don Quixote der Vorstadt wesentlich mehr Sympathiepunkte beim Publikum und entwickelt sich im Lauf der sechs Staffeln zu einer glaubwürdigen, nachvollziehbaren Person mit Ecken und Kanten.

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One Foot in the Grave gehört zur äußerst seltenen Spezies von Comedy, bei der einfach alles funktioniert. Das Ensemble um Richard Wilson springt mühelos zwischen Wortwitz, Slapstick und Drama hin und her, die Regie vermag es mit Präzision und extrem gutem Timing sowohl die visuellen Gags als auch den Wortwitz perfekt einzufangen und die Drehbücher für jede einzelne der insgesamt 42 Episoden sind absolut zeitlose Comedy-Juwelen. Immer wieder lässt sich Autor David Renwick etwas Neues einfallen, um den Zuschauern den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Manche Folgen sind wie intime, pointierte Kammerspiele inszeniert, Andere kommen als temporeiche Farce daher, und wieder andere könnte man fast schon als Comedy-Thriller oder gar als Drama mit einer gehörigen Portion Galgenhumor beschreiben. Immer wieder wird Victor Meldrew mit Situationen konfrontiert, die man in kaum einer anderen Sitcom sehen würde: Geiselnahmen, Suizid, Schlaganfälle und sogar Mord sind nicht unbedingt Themen, die man im Allgemeinen als Humorgaranten betrachten würde, aber Renwick schafft es immer wieder zu beweisen, dass gerade diese Tabuthemen, solange sie nur mit der entsprechenden Finesse behandelt werden, in richtungsweisender Comedy resultieren können. Kaum ein Autor schafft es je, ein zufriedenstellendes Gleichgewicht zwischen Leichtfüßigkeit und ernsten, zum Teil sogar richtig düsteren Momenten herzustellen, aber Renwick vollbringt dieses Kunststück immer wieder aufs Neue. Die akribisch konstruierten Comedy-Plots, bei denen alle Elemente perfekt ineinander greifen, wären schon genug, um One Foot einen Platz in der Hall of Fame zeitloser TV-Serien zu sichern, aber der Mut zu ungewöhnlichen Geschichten, die einmaligen Charaktere, und Renwicks faszinierende Weltsicht, in der sich Optimismus und Pessimismus stets die Klinke in die Hand geben, machen die Meldrew-Saga zu einem absolut zeitlosen Fernsehklassiker.

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Umso trauriger also, dass das obligatorische US-Remake zu einem ebenso zahnlosen wie spießigen Aufguss wurde, in dem ein viel zu gut aufgelegter Bill Cosby in Drehbüchern von der Stange einen rüstigen Rentner verkörperte. Und während das deutsche Fernsehen, im Gegensatz zum grandiosen Original, mit dem flauen US-Abklatsch "Cosby" bereits vor etlichen Jahren gesegnet wurde, hat sich der einzig wahre Victor Meldrew immer noch nicht auf den heimischen Äther verirrt. Das sollte aber niemanden abschrecken, denn abgesehen von der Grundidee haben die beiden Serien nicht das Geringste gemeinsam. Wer auch nur ansatzweise Interesse an guter Comedy hat, kommt um One Foot in the Grave einfach nicht herum.

Text Copyright Peter Clausen 2008
Bilder Copyright BBC

 
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