Cassandra Clare: City of Bones - Chroniken der Unterwelt Verlag: Arena Verlag ISBN: 978-3-401-06132-0 Preis: € 17,95 City of Bones (Chroniken der Unterwelt) bei Amazon.de Hurra, hurra, ne neue Trilogie ist da! Hinter diesem äußerst schlechten Wortspiel verbirgt sich, wie ich schonmal angedeutet habe, eine äußerst wirksame Verlagspolitik. Wir Buchhändler könnten regelmäßig angesichts neuer Dreiteiler brechen gehen und suchen stets verzweifelt nach Alternativen, die nach einem Band abgeschlossen sind. Folgebände allein im Regal sind nämlich erfolgreiche Ladenhüter und die Verlage reiben sich die Hände, weil man die Anfangsbände immer wieder nachbestellen muss. Wie dem auch sei, um manche Titel kommt man nicht herum und so habe ich mir zähneknirschend Arenas neues Flaggschiff im All Age-Fantasybereich angesehen – eine seitenreiche Urban Fantasy-Reihe, in der vor allem eins passiert: Es wird immer und überall unglaublich gut ausgesehen.
Clary lebt mit ihrer Mutter zusammen in einer Wohnung in New York City. Ihr bester Freund Simon, der sie immer und überall begleitet, ist seit Jahren unglücklich in sie verliebt, und Clary hat diesbezüglich ein meterdickes Brett vorm Kopf. Zu Beginn des Buches gerät Clary unvermittelt in einen seltsamen Kampf in einer In-Disco: Drei umwerfend gutaussehende junge Leute prügeln sich mit einem blauhaarigen Jungen, und zwar auf eine Art und Weise, die ein Mensch nicht nachvollziehen kann. Hier sind definitiv ganz andere Kräfte am Werk, es wird mit Magie und Schwertern um sich geschlagen, und Clary kann sich nur mit Mühe retten, als sie versucht, zu schlichten. Als Simon mit den Sicherheitskräften auftaucht, sehen diese nur die verängstige Clary am Boden sitzen – die überirdischen Kontrahenten sind anscheinend für alle anderen unsichtbar.
Clary erwartet nach diesem Abend eine Standpauke von ihrer Mutter und Hausarrest für den folgenden Tag. Eine Strafe, die sie nur zu gern umgeht, erstrecht als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie für den Rest der Sommerferien in ein kleines Landhaus im Nirgendwo umzuziehen gedenkt. Clary ist stinkwütend, schnappt sich Simon, schmeißt die Tür von draußen zu und will ihre Mutter vorerst nicht mehr sehen – und sie ahnt nicht, wie schnell sich ihr Wunsch erfüllen wird.
Kurze Zeit später wird Clarys Mutter nämlich entführt, und das ruft die drei rätselhaften (und gutaussehenden) Jugendlichen aus der Disco wieder auf den Plan. Bei ihnen handelt es sich um eine Gruppe von sogenannten Schattenjägern, die deshalb in New York notwendig sind, weil die Menschen nicht allein dort leben. In bester Urban Fantasy-Tradition teilt sich die Einwohnerschaft den Lebensraum mit den Schattenwesen: Vampiren, Werwölfen, Magiern, Feen und leider auch lästigen Dämonen, von denen einer für die Entführung von Clarys Mutter verantwortlich ist. Die drei Schattenjäger, die Geschwister Alec und Isabell sowie der Waise Jace, beschließen, Clary zu helfen, jedoch mitnichten aus purer Hilfsbereitschaft. Sie spüren, dass in Clarys Adern ebenfalls Schattenjägerblut fließt – offensichtlich hat ihre Mutter ihr einiges über die Vergangenheit ihrer Familie verschwiegen.
Der Verantwortliche für die Tat ist bald gefunden: Ein mächtiger, totgeglaubter Schwarzmagier namens Volde... ähhh... Valentin ist zurückgekehrt und macht sich bereit, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Oder so ähnlich. Dass dem Einhalt geboten werden muss, steht außer Frage, und Jace, Clary und ihre Mitstreiter rüsten sich zur Befreiungsaktion!
Klingt jetzt irgendwie alles nicht so besonders, oder? In Wirklichkeit ist die Geschichte auch um einiges komplexer, aber ich will ja nicht alles vorwegnehmen. Im ersten Teil geht es vorrangig darum, die Figuren vorzustellen und in eine Beziehung zueinander zu rücken. Nach und nach eröffnen sich immer mehr Zusammenhänge zwischen den einzelnen Figuren, so dass es gegen Ende schon zuviel wird. Ähnlich wie bei Harry Potter liegt vieles in der vorangehenden Generation der Helden versteckt, das in die Gegenwart hineinreicht und dort von den Nachkommen wieder aufgenommen wird. Das Buch ist vollgepackt mit Action, es werden Nachforschungen in vampirverseuchten Häusern angestellt, bizarre Magierparties besucht, Dämonen verdroschen, dass der grüne Glibber nur so spritzt, auf fliegenden Motorrädern durch den New Yorker Nachthimmel gebraust, sich unglücklich verliebt, einander verraten oder gerettet, es ist einfach alles dabei, was des Lesers Herz begehrt.Keine der über 500 Seiten ist verschwendet, die Figuren taumeln von einem Feuerwerk ins nächste, und am Ende ist natürlich noch lange nichts entschieden. Dabei legen die Schattenjäger eine Coolness an den Tag, bei der man fast schon das Würgen kriegt, aber gerade der widerwärtig arrogante Jace wird durch Clary nach und nach aufgetaut und zeigt eine durchaus menschliche Seite.
Solide, wenn auch nicht brandoriginelle Kost für Freunde von Dämonenjägern, ein bisschen Buffy ist drin, ein bisschen Wächter der Nacht, ein bisschen Action-Manga - kriegt man in etwa einen Eindruck? Wer solcherlei Geschichten gerne liest, der kann mit City of Bones und seinen Nachfolgern (Band 2, City of Ashes, erscheint bereits im Juni) sicherlich nichts falschmachen. Lieblingsbuchpotenzial hat die Reihe nicht wirklich, dazu hat die Autorin zu wenig Liebe in ihre Charaktere gesteckt. Aber vielleicht ändert sich das ja noch mit den Fortsetzungen. Auf die wir Buchhändler natürlich voller Freude warten. Text Copyright Anna-Selina Sander 2008 Cover Copyright Arena Verlag |