|
Der Generationenkonflikt entfacht auf's Neue. Waren es vor gut zwanzig Jahren noch die Vinylanhänger, die dem CD-Lieberhaber sein Medium schlechtreden wollten, so kämpfen heute die bequemen Musikdownloader gegen die neuen verfechter der Haptik, die CD-Sammler. Die einen freuen sich über die einfachen und bequemen Beschaffungsmöglichkeiten, die sofortige Verfügbarkeit und Portabilität, die anderen sehen Musik nicht nur als eine Folge digitalisierter Schallwellen auf einem x-beliebigem Datenträger, sondern als ein Gesamtkunstwerk. Und da gehört auch das ganze Drumherum wie Albumverpackung und das Artwork dazu. Gekämpft wird immernoch mit den gleichen Parolen und Phrasen wie bereits eine Generation zuvor. Die Geschichte wiederholt sich:
Zu Zeiten des guten alten Vinyls veröffentlichten große Bands ihre LPs in teils extrem aufwendig gestalteten Verpackungen. Ein LP-Cover zum aufklappen bot viel Spielraum für allerlei grafische Spielereien und Gimmiks. Dies war auch ein Grund, warum die eingeschworene Vinylgemeinde so zögerlich auf den damals neuen Silberling namens CD reagierte. Alle Alben wurden in den gleichen, sterilen, langweiligen Plastik-Jewelcase gezwängt und das Artwork beschränkte sich gezwungenermaßen lediglich auf ein zwölf mal zwölf Zentimeter großes Heftchen mit dem Charme eines Beipackzettels. Heute gibt es für die Downloader nicht einmal mehr das. Man kann froh sein, wenn man zum Albumkauf über die einschlägigen Portale noch einen Coverscan als PDF-Datei hinzubekommt. Die CD allerdings hat sich mittlerweile gemausert und ist ausgebrochen aus ihrem tristen Gefängnis mit Namen Jewelcase. Denn nach über fünfundzwanzig Jahren hat sich die CD vom ehemaligen, hässlichen Plastikentlein in einen kunterbunten Schwan verwandelt. Digipaks aus Karton, die mindestens so aufwendig gestaltet sind wie frührere LP-Hüllen, sind heute der Standard. Doch selbst hiervon lässt sich einen überzeugter Musiksauger kaum noch beeindrucken. Allerdings gibt es noch eine Handvoll wesentlich ausgefallenere Arten, ein CD-Album zu verpacken, und das wollte ich euch hier mal zeigen. Ich habe meine kleine private Sammlung einmal nach den aufwenigsten Artworks und Verpackungen durchsucht und bin auf ein paar Perlen gestoßen, die sich in kein PDF mehr zwängen lassen. Vielleicht schaffe ich es ja hiermit, einige Downloader wieder zum Gang in den Plattenladen oder wenigstens zum Onlineversand des Vertrauens zu bewegen, um wieder einen altmodischen Silberling zu ordern. Denn eines ist sicher: Eine ordentliche CD-Sammlung an der Wohnzimmerwand macht schon wesentlich mehr her als eine schrullige i-Tunes Playlist auf dem Macbook. Hier kommt meine persönliche TOP 10 von Alben, die man schon alleine aufgrund des Artworks nicht aus dem Netz laden darf: Ein paar der Discs gibts übrigens sogar noch bei Amazon.de, meist aber nur noch in sehr kleinen Stückzahlen. Wir haben euch die entsprechenden Links rausgesucht. Platz 10
Björk - Volta erschienen bei Polydor / Universal Volta (Special Edt. CD+DVD) bei Amazon.de Die verrückte Isländerin ist ja schon länger bekannt für avantgardistische Musik und Bühnenshows. Nun hat sie sich auch bei der Verpackung ihres neuesten Albums etwas ganz besonderes einfallen lassen. Um an die CD und DVD heranzukommen, muss man zuerst einmal vorsichtig den Aufkleber auf der Front des Kartons durchtrennen. Hat man diese Siegel geöffnet, entfaltet sich das kunterbunte Innenleben. Die Disks stecken in mehreren, ineinander geschobenen Hüllen. Die Farbwahl allerdings treibt mir schon nach kurzer Zeit die Tränen in die Augen. Sehr schön gemachte Verpackung, aber leider nur Platz 10, da sich die starre Kartonhülle nach dem ersten Durchtrennen des Aufklebers immer wieder von alleine öffnet.   Copyright Polydor / Universal
Platz 9
Beastie Boys - To the 5 Boroughs erschienen bei Capitol / EMI To the 5 Boroughs (Digipack) bei Amazon.de Die drei New Yorker widmen ihrer Heimatstadt ein Konzeptalbum. Da muss natürlich auch für eine standesgemäße Verpackung gesorgt werden. Wer den auf den ersten Blick ziemlich normal wirkenden Digipak erstmal aufklappt, hält die Skyline von New York in der Hand, vorausgesetzt er hat genug Platz.  Copyright Capitol / EMI
Platz 8 Ben Folds - Songs for Silverman erschienen bei Smi Epc (Sony BMG) Songs for Silverman bei Amazon.de Auf den ersten Blick hält man ein Buch in der Hand. Schön in Leinen gebunden, mit goldgeprägter Schrift auf dem Deckel. Auf der Innenseite von Deckel und Rücken befinden sich eingearbeitete Taschen für die CD und DVD. Das Buch beinhaltet Fotografien und Texte von Ben Folds. Vielleicht nicht ganz so außergewöhnlich wie einige andere Alben hier, aber dafür sehr hochwertig gearbeitet.   Copyright Epc (Sony BMG)
Platz 7 Jack White - Aluminium erschienen bei XL Recordings Ltd Jack White vertont die eher unbekannteren White Stripes Perlen mit einem Orchester. Das ganze Steht unter dem Zeichen des Elements Aluminium. Dem Album sind mehrere quadratische Karten beigelegt. Auf deren Rückseite findet sich ein Interessanter Fakt oder eine Anekdote zum Thema Aluminium. Die Vorderseite wurde vom bekannten Rockart Künstler Rob Jones mit passenden Piktogrammen versehen. Leider ist dieses Album auf 3333 Stück limitiert.   Copyright XL Recordings Ltd
Platz 6
Tenacious D - The Pick of Destiny OST erschienen bei Smi Epc (Sony BMG) Comedystar Jack Black und sein nicht minder lustig anzuschauender Jazzgitarristenkollege Kyle Gass bilden zusammen das Duo Tenacious D. Für ihren letzten Film „The Pick of Destiny“, der in Deutschland unter dem bescheuerten Titel „Kings Of Rock“ veröffentlicht wurde, haben sich die beiden ein spezielles Boxset einfallen lassen. Dies beinhaltet das Booklet, ein Poster, sehr spezielle Tarotkarten und natürlich den Pick of Destiny. Die äußerlich an ein altes Buch erinnernde Box macht sich auf jeden Fall auch gut in der Vitrine neben dem CD-Regal.  Copyright Smi Epc (Sony BMG)
Platz 5
Kaiser Chiefs - Employment erschienen bei Polydor (Universal) Employment (Deluxe Box) bei Amazon.de Das Debütalbum der Engländer wurde kurze Zeit in dieser Special Edition mit Bonusdisk aufgelegt. Die Box ist gestaltet wie ein altes, abgenutztes Brettspiel. Neben den beiden CDs und dem Booklet beinhaltet das Set noch eine Spielplan und etwas Kaiser-Chiefs-Spielgeld. Ebenfalls ein Fall für die Vitrine.  Copyright Polydor (Universal)
Platz 4
Fantomas - Suspended Animation erschienen bei Ipecac (Soulfood Music) Suspended Animation bei Amazon.de Wenn Ausnahmekünstler und Multitalent Mike Patton mit seiner wohl avantgardistischsten Metalband ein Konzeptalbum zum Monat „April“ einspielt, kann man sich mit ziemlicher Sicherheit darauf verlassen, dass auch das Artwork hält, was der Name Patton verspricht. Die CD steckt in einem Ringbuchkalender für den Monat April 2005. Jeder Tag wird von einem Bild des japanischen Künstlers Yoshimoto Nara verschönert. Gleichzeitig werden für jeden Tag im April die weltweiten Feiertage aufgezählt, beispielsweise die Walpurgisnacht am 30.04. (Gemany), den Cuckoo Day am 25.04. (U.K.) oder den Beginn der National Playground Safety Week, ebenfalls am 25.04. (USA).  Copyright Ipecac (Soulfood Music)
Platz 3
Bela B. - Bingo erschienen bei Bpx 1992 (Sony BMG) Bingo (Digipack) bei Amazon.de Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, wie mir mein Opa mein erstes Werthers Echte gab, dafür weiß ich noch ganz genau, wie verwirrt ich war als ich Bela B.s Soloalbum aus der Plastikfolie befreite und zum ersten mal in den Händen hielt. Es lässt sich nichts aufklappen und die CD ist von außen auch nicht auszumachen. Lediglich eine kleine Aussparung weist auf eine Grifffläche hin. Zieht man die eine Seite des Schubers aus dem Karton, wird wie durch Zauberhand die andere Seite auch aus dem Schuber geschoben. Ermöglicht wird das durch ein aufwendiges System aus Folienbändern und Schienen im Inneren. Technisch wohl unübertroffen, aber nichts für ungeduldige Hände.  Copyright Bpx 1992 (Sony BMG)
Platz 2
Die Ärzte - Jazz ist Anders erschienen bei Hot Action (Universal) (hier geht´s zu unserer Review) Seit ihrer Wiedervereinung sind die Drei aus Berlin bekannt für aufwendig gestaltete CD-Verpackungen: Pappschuber, Metalldosen und Plüschtäschchen. Doch mit ihrem aktuellen Album „Jazz ist besser“ haben sich die Ärzte mal wieder selbst übertroffen. Ausgeliefert wird die CD in einer echten kleinen Pizzaschachtel aus Wellpappe (die Vinylversion bekam sogar eine Schachtel in Originalgröße). Die Disc an sich ist mit einer leckeren Pizza bedruckt und die kleine Bonusscheibe im Design einer Tomatenscheibe. Komplett stimmiges Konzept mit Aha-Effekt.  Copyright Hot Action (Universal)
Platz 1 Tool - 10.000 Days erschienen bei Zomba (Sony BMG)
Tool ist wohl die mysteriöseste Band der Welt. Bandfotos werden generell in's Lächerliche gezogen, Interviews mit undurchsichtigen Falschaussagen unbrauchbar gemacht, Musikvideos gänzlich computeranimiert und Liveshows im Dunkeln abgehalten. Und auch die CD-Hüllen bilden da keine Ausnahme. Teilweise komplett schwarz ohne Titel, Booklets ohne Texte bestehend aus Folien, die übereinander gelegt das Cover ergeben. Und auch beim aktuellen Album habe ich einige Zeit benötigt, um den Sinn der durchsichtigen Linsen zu erkennen. Denn klappt man die Hülle wie auf dem Foto gezeigt auf, kann man die Seiten des eingearbeiteten Booklets im Boden durch die Linsen in 3D betrachten. Meiner Meinung nach das coolste Verpackungskonzept in meinem Plattenregal und deshalb auf Platz 1.  Copyright Zomba (Sony BMG)
Speziell nominiert: Cake - B-Sides and Rarities erschienen bei Import (point music) Nicht in der TOP 10 aber trotzdem beachtenswert ist die B-Seiten und Raritätensammlung von CAKE. Zwar steckt die CD in einem langweiligen Standard-Jewelcase, aber das Booklet hat ein „Scratch n’ Sniff“-Cover. Einfach drüberreiben und riechen. Der Geruch ist irgendwie undefinierbar, aber irgendwie passt hervorragend er zur Musik…   Copyright Import (point music)
Speziell nominiert:
Primus - They Can´t All Be Zingers erschienen bei Interscope (Universal) (hier geht´s zu unserer Review) They Can'T All Be Zingers bei Amazon.de Auch diese CD Steckt in einer gewöhnlichen Hülle. Das besondere ist hier die Verpackungsfolie. Das Album imitiert eine Packung Scheiblettenkäse. CD und Booklet sind ausschließlich Käsefarben gehalten. Sämtliche Informationen findet man lediglich auf der Verpackungsfolie. Wer sich also dieses Album kauf, Sollte darauf achten, die Folie nur am Rand zu öffnen, ansonsten könnte es schwer werden ein bestimmtes Lied zu finden… Copyright Interscope (Universal)
Text Copyright Mischa Elbert 2008
|