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Gorilla des Monats

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The World Ends With You

The World Ends With You System: Nintendo DS
Japan (2007), Executive Producer: Shinji Hashimoto, Director: Tatsuya Kando, Planning Director: Takeshi Arakawa, Main Character Design: Tetsuya Nomura, Character Design: Gen Koboyashi,  Musik: Takeharu Ishimoto
Originaltitel: Subarashiki Kono Sekai: It's a Wonderful World

Entwickler: Square Enix / Jupiter
Erschienen bei: Square Enix
Preis: ca. 40 €The World Ends With You bei Amazon.de

Charakterdesign aus der Feder von Tetsuya Nomura ist eine durchaus umstrittene Angelegenheit: Seit der mittlerweile 37 Jahre alte bei Final Fantasy VII das Charakter-Design-Ruder übernommen hat scheiden sich an seiner Arbeit die Geister: Im Gegensatz zum bisherigen Künstler Yoshitaka Amano der sich in seinen Artworks kaum um technische Umsetzbarkeit kümmert und stattdessen auf enorme Abstraktion setzt, behält Nomura immer das Spiel im Auge und orientiert sich künstlerisch immer an dem, was auf der aktuellen Hardware tatsächlich machbar ist: Bei der Entwicklung von Final Fantasy VII waren Texturen bei den Spielfiguren noch kein Thema - also waren die Designs vergleichsweise einfach und setzten eher auf einfarbige Kleidungsstücke, statt auf komplexe Details. Bei Final Fantasy VIII hatten die Grafiker die PlayStation schon besser im Griff - prompt wurde der Detailsgrad der Kostüme und Figuren drastisch erhöht: Held Squall hat eine Narbe im Gesicht und eine Jacke mit Fellkragen - im Vorgänger wäre das kaum möglich gewesen. Und kaum kommt die PS2 mit ihren damals famosen Polygonmengen daher werden die Designs wieder komplexer: Die asymmetrische Kostüme und haarsträubende Details wie der Gürtel-Rock von Final Fantasy X-Zauberin Lulu wurden erst mit der neuen Hardware möglich. 

Spätestens nachdem er bei den Kingom Hearts Spielen und später dem Renderfilm Final Fantasy VII: Advent Children auch das erste mal als Director aktiv war, ist der typische Nomura-Stil mit seinen Accessoires, Gürteln und Reißverschlüssen kaum mehr aus dem Hause Square Enix wegzudenken. Und trotzdem ist Nomura auch heute noch gerade unter Alt-Fans umstritten. Der Hauptvorwurf ist immer der gleiche: Passen Figuren deren Designs sich an zeitgenössíschem Auftreten Japans modebewußter Jugend orientiert wirklich in ein Spiel mit fantastischem Setting? Nun, diese Frage muss jeder Spieler mit sich selbst klären. Aber offenbar hatte auch Tetsuya Nomura selbst schon ähnliche Gedanken. Und da ist es doch naheliegend, die Nomura-Designs wieder dorthin zu bringen, wo sie oft genug entstanden sind - zurück nach Shibuya, das hipste Viertel von ganz Tokyo.

Und genau dort wacht Neku auf. Allerdings hat der 15-jährige Eigenbrötler mit dem ausgeprägten Modebewußtsein keine Ahnung, wie er auf einmal dort hinkommt. Und die Sache wird nur mysteriöser: Eine SMS fordert ihn auf, schnell in einen bestimmten Bereich von Shibuya zu kommen, sonst wird er gelöscht - als kleiner, aber eindringlicher Argumentationsverstärker erscheint auf seiner Handfläche ein Countdown. Müßig zu erwähnen, dass Neku alles andere als begeistert ist als er feststellt, dass er Shibuya auf einmal nicht mehr verlassen kann! Und als wäre das nicht schon genug, taucht auf einmal auch noch eine ziemlich extrovertierte junge Dame namens Shiki auf - die fordert Neku prompt auf, ihr Partner zu werden - nur alleine können sie das "Spiel" meistern. Denn darauf läuft es am Ende hinaus: Seltsame Gestalten die sich die Reaper nennen spielen ein fatales Spiel mit Tokyos Jugend -und nur wer alle Aufgaben bewältigt scheint überleben zu dürfen. Oder ist das Spiel nach sieben Tagen etwa auch noch nicht vorbei? Und was hat es mit den Noise-Monstern auf sich, die Neku und Shiki das Leben schwer machen?

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Und so beginnt für Neku und Shiki nicht nur ein Kampf ums überleben in der Großstadt, sondern auch Nekus schwieriger Weg aus der selbstgewählten Isolation. Wer Final Fantasy VII und VIII gespielt hat, der weiß, dass Helden aus der Feder Tetsuya Nomuras gerne einmal von der introvertierten und schweigsamen Art sind. Und so reiht sich Neku direkt neben seinen entfernten Cousins Cloud Strife und Squall Leonhart ein. Allerdings lässt sich auch hier wieder argumentieren, dass ein modisch gekleideter Schweiger doch besser ins moderne Japan als in eine Final Fantasy Welt passt. Und so sollten sich auch Spieler, die mit den etwas schwierigeren Eigenschaften von Cloud und Squall nicht so zurecht kamen mit Neku weit weniger Probleme haben. Außerdem gibt es neben Begleiterin Shiki noch ein paar andere Gestalten, die ins Spiel der Reaper gezogen wurden und die oft genug die mysteriöse Stimmung ordentlich auflockern.

Erkennbar sind Spieler übrigens an ihrem speziellen Pins - die nehmen hier die Rolle der Materias aus Final Fantasy VII ein. Denn ohne Pin geht nichts - weder im Kampf, noch sonst. Und der wichtigste Pin ist der schwarze Spielerpin: Berührt Neku diesen, so kann er die Gedanken der Leute um ihn herum lesen, allerdings nur die der normalen Menschen die Neku und die anderen Spieler überhaupt nicht wahrzunehmen scheinen - Reaper und Spieler sind davon ausgenommen. Aber der Pin hat noch eine weitere Funktion: Er macht die Noise, seltsame Monster die sich überall herumtreiben sichtbar und ermöglicht es erst, gegen das mysteriöse Gezücht zu kämpfen. 

Und spätesten im Kampf dann zeigt sich auch, dass sich die Kreativität der Entwickler von Jupiter (haben unter anderem Spectrobes und Kingdom Hearts: Chain of Memories auf dem Kerbholz) nicht auf Charakterdesign und Setting beschränkt. Denn Kämpfe finden auf beiden Bildschirmen statt: Auf dem Touchscreen agiert Neku, auf dem oberen Bildschirm Shiki oder ein anderer Helfer. Und der Trick dabei ist: Beide Figuren kämpfen unabhängig voneinander gegen die gleichen Monster. Neku steuert ihr dabei ausschließlich per Stylus - zieht ihn über das Kampfgebiet oder lasst ihr sprinten und greift mit Fähigkeiten die euch die verschiedenen Pins verleihen an. Magisches Feuer, Blitzattacken, telekinetische Kräfte oder schnelle Hiebe auf das Monsterhaupt, alle Aktionen werden über Stylus-Kommando ausgelöst und ändern sich je nach ausgerüstetem Pin. Ist euer Donner-Pin aktiviert und tipp ihr ein Monster kurz an schlägt direkt von oben gleich der Blitz ein, per Feuer-Pin fahrt ihr dagegen über den Bildschirm und hinterlasst eine Flammenwand da, wo euer Stylus war. Unzählige verschiedene Pins die mit der Zeit durch verdiente Pin-Punkte immer mächtiger werden sorgen für kreative Kämpfe, schnell findet jeder Spieler die Art von Angriff, die ihm am meisten liegt. Soweit klingt das alles noch nicht zu kompliziert... aber da ist ja noch der zweite Bildschirm!

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Die Figur dort steuert ihr alternativ über Steuerkreuz oder die Knöpfe - hier gilt es rhythmisch bestimmte Angriffskombinationen einzugeben - erreicht ihr die richtigen Symbole und stimmt euer Timing, können eure beiden Figuren mächtige Spezialmanöver entfesseln und sich sozusagen gegenseitig die Bälle zuspielen. Bis dahin ist aber eine Portion Training vonnöten. Denn das ungewöhnliche System verlangt nach Gewöhnung und wird so manchen Spieler in den ersten Kämpfen erst einmal ordentlich überfordern. Aber die Entwickler kommen euch entgegen: Gerne könnt ihr die Kontrolle über die obere Figur erst einmal dem Computer übergeben oder zumindest einen halb-automatischen Modus aktivieren der nach kurzer Zeit einspringt, wenn die obere Figur keine Befehle mehr erhält. Trotzdem solltet ihr euch darauf nicht allzu sehr verlassen, ein guter Teil des Spaßes und der Herausforderung entsteht durch den Wunsch, das exotische Kampfsystem zu meistern.

Eine große Hilfe ist euch dabei übrigens tatsächlich das Stilbewußtsein von Neku und Shiki: Denn stylische Markenklamotten sind in Shibuya der Schlüssel zum Erfolg: Verdientes Geld setzt ihr in hippen Shops in noch hippere Klamotten um - zunächst müsst ihr dabei beachten, welche Marken in welchen Teilen von Shibuya besonders angesagt sind, das schlägt sich dann in ordentlichen Kampfboni nieder, ein falsches Outfit kann euch aber auch schnell mal einen gehörigen Nachteil verschaffen. Aber Neku und Shiki laufen keinen Trends nach, sie setzen selbst welche: Nach und nach beginnen eure Aktionen, den Geschmack der Leute zu beeinflussen und so legt ihr irgendwann selbst die Regel über das korrekte Auftreten fest. Dazu gehört natürlich auch eine stabile Portion Selbstvertrauen: Die Mut-Punkte von Neku und Shiki bestimmen darüber, was die beiden sich tatsächlich anziehen und gerade Shiki ist bereits zu Anfang weitaus wagemutiger als der nachdenkliche Neku. Es ist nur schade, dass sich die gekauften Outfits nur in Status-Veränderungen, nicht aber im Aussehen der Figuren bemerkbar machen - das hätte sich gerade bei dieser Thematik regelrecht angeboten.

Ebenso stilsicher wie seine Protagonisten gibt sich das Spiel selbst auch: Grafik und Sound sind auf höchstem Niveau und erinnern gerne mal etwas an den Sega-Klassiker Jet Set Radio, das Charakterdesign ist natürlich schon durch die Thematik etwas Geschmackssache, trotzdem wird gerade Shiki in so mancher Illustration etwas arg dünn - die Wespentaille scheint in Japan gerade wieder schwer in Mode zu sein. Aber hängen wir uns daran nicht auf, sondern freuen wir uns lieber, dass The World Ends With You mit seiner Mischung aus Sprites und Polygonen mit leichtem Cell-Shading-Einschlag die grafischen Möglichkeiten des DS vortrefflich nutzt. Und dass Square Enix bereit war, ordentlich Speicherplatz für die Akustik zu investieren: Der exzellent gelungene Soundtrack unterstreicht Setting, Stimmung und Design mit seinem J-Pop-Songs hervorragend, die meisten Tracks kommen sogar komplett mit Vocals daher. Und auch hier gilt natürlich wieder: Eine gewisse Affinität oder zumindest Toleranz zur japanischen Popkultur sollte man schon mitbringen wenn man mit The World Ends With You seinen Spaß haben will.

 

The World Ends With You zeigt deutlich, wie sehr sich die Videospiellandschaft in den letzten Jahren doch verändert hat. War in den 90ern oft jeder Verweis auf eine japanische Herkunft noch soweit verpönt, dass Titelsongs ausgetauscht oder gleich ganz entfernt wurden, Bezüge auf kulturelle Besonderheiten unter den Tisch gekehrt oder umgeschrieben wurden und oft genug auch Charakterdesigns oder Szenarien verwestlicht wurden, zelebriert The World Ends With You seine Herkunft regelrecht. Klar, das mag den ein- oder anderen konservativen Pad-Akrobaten vielleicht ziemlich abschrecken, aber wir sind angetan - das leuchtende Shibuya mit seinem durchgestylten Publikum, der schmissige J-Pop-Soundtrack und der herrlich frische Story-Ansatz bieten genau den richtigen Kontrast zu heutztage oft etwas zu miefig gehaltenen Rollenspiel-Settings aus Ost und West. 

Und nicht nur das frische Setting, auch die frischen Spielideen gefallen. Natürlich ist etwas Einspielzeit vonnöten, um die nötigen Multitasking-Fähigkeiten zu erlangen um das komplexe Doppel-Kampfsystem wirklich auszureizen und nicht immer reagiert euer Held so genau wie gewünscht auf spezielle Stylus-Kommandos, trotzdem überwiegen unter dem Strich ganz eindeutig die gelungenen und stimmig funktionierenden Elemente. Vor allem ist aber The World Ends With You ein Abenteuer zu dem es bisher nichts vergleichbares gibt, alleine schon dieses Argument sollte Spielegourmets Grund genug für einen Trip ins virtuelle Shibuya sein. Im Gegensatz zu mancher Final Fantasy-Konvertierung merkt man The World Ends With You dann auch tatsächlich an, dass das Spiel haargenau auf Möglichkeiten und Fähigkeiten des DS zugeschnitten wurde - auf keinem anderen System ließen sich diese Ideen verwirklichen. Da ist es dann gleich doppelt schade, dass Square Enix diesem Ausnahmetitel in Europa wohl nicht allzu viel zutraut, anders lässt sich nicht erklären, dass The World Ends With You im Gegensatz zu allen anderen Square Enix-Titeln für den Nintendo-Handheld auf deutsche Texte verzichten muss - hier hat man sich leider selbst die Zielgruppe noch unnötig eingegrenzt. Trotzdem sollte euch das keinesfalls vom Kauf abhalten. Und hey, wenn euer Englisch nicht das beste ist, dann poliert ihr es hier ganz einfach spielerisch auf! 

Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright Square Enix

 
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