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Gorilla des Monats

bernie 
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The Savage Sword of Conan
The Savage Sword of ConanAutor: Roy Thomas, Robert E. Howard, Zeichnungen: Barry Windsor-Smith, John Buscema, Alfredo Alcala, Jim Starlin, Al Milgrom, Pablo Marcos, Walter Simonson, Cover: Boris Vallejo

Erschienen bei: Dark Horse
Preis: ca. 13 € The Savage Sword of Conan Volume bei Amazon.de

Wir brauchen Conan. Heute mehr denn je. In einer Welt, in der immer noch die political correctness Amok läuft, in der die echten Kerle wie Charlton Heston oder Charles Bronson einer nach dem anderen sterben, in der man unter der Bezeichnung Fantasy nur noch die sogenannte "High Fantasy" mit Pfeife-paffende Hobbits und edlen, langhaarigen Elben versteht, ist Robert E. Howards barbarischer Held aus Cimmeria eine letzte Hoffnung für Freunde handfester Abenteuer. In Conans Zeit waren  Zauberer finstere Gestalten, die Zivilisation korrumpierte die Menschen, Frauen galten schon mit einem Metall-Bikini in klassischer Star Wars-Manier als overdressed und ein edler Wilder aus dem kalten Norden konnte sich nur durch Mut, Dreistigkeit und eine Portion Glück irgendwann selbst auf den Thron des blühenden Reiches Aquilonia setzen.

Aber davon ist Conan im ersten Band des Savage Sword of Conan noch weit entfernt - hier verlässt er erstmals das raue Cimmeria und und schlägt sich als Dieb, Söldner, General oder Pirat durch die blühenden Reiche des Hyborianischen Zeitalters. Dabei kriegt er mehr Frauen als alle James Bonds zusammen, erschlägt mit Breitschwert und Kampfaxt alle, die sich ihm in den Weg stellen oder es einfach verdient haben, kurzum, er lebt das Leben in vollen Zügen und lässt den Leser an seinen atemberaubenden Abenteuern teilhaben. Der Text, mit dem viele der Comic-Bände um Howards Fantasy-Helden beginnen, trifft es auf den Punkt:

Hither come Conan the Cimmerian... Black haired, sullen eyed, sword in hand... A thief, a reaver, a slayer with gigantic melancholies and gigantic mirth... to tread the jeweled thrones of the Earth under his sandaled feet.

Der aufmerksame Leser, der Conan höchstens vielleicht aus den Schwarzenegger-Filmen aus den 80er Jahren kennt, zieht jetzt die Augenbrauen hoch: "sullen eyed"? "black haired"? " "gigantic melancholies"? Das sah damals bei Schwarzenegger doch ganz anders aus! Und so ist es, denn trotz allen Unterhaltungswertes hatte die Interpretation von Regisseur John Millius damals nicht allzu viel mit Robert E. Howards Barbaren mit den aus heutiger Sicht klar erkennbar leicht manisch depressiven Zügen zu tun. Wer den erleben will, der ist immer noch am besten bei Howards auch heute noch sehr kraftvollen und beeindruckenden Kurzgeschichten aufgehoben - oder eben hier, beim Savage Sword of Conan

ConanConan

Aber was hat es mit dem Savage Sword jetzt eigentlich auf sich? Brauchen wir neben den aktuellen Comics aus dem Hause Dark Horse und den Reprints der alten Marvel-Serie (beide erscheinen hierzulande bei Panini) eine weitere Conan-Neuauflage? Na und ob! Denn genau wie die für den Re-Release neu eingefärbte reguläre Conan-Serie, arbeiteten auch an dieser Reihe der famose Autor Roy Thomas und grandiose Zeichner wie Barry Windsor-Smith - anstelle der neue Farben wird The Savage Sword of Conan aber als schwarz-weiße Line-Art präsentiert. Und das sieht einfach umwerfend gut aus. Zahlreiche feine Details und Schraffuren, die unter den digitalen Farben der Neuauflage untergehen würden, kommen perfekt zur Geltung und das Artwork besitzt nicht zuletzt eben durch die fehlenden Farben eine ungemeine Wucht. Die Geschichten sind dabei wie auch bei allen anderen Conan-Comics eine wohl durchdachte Mischung aus Originalen der 30er Jahre und neuen Abenteuern. Kontinuität interessiert dabei kaum, in fast jedem Abenteuer ist Conan in einem neuen Landstrich mit neuen Schurken, Monstern und willigen Frauen unterwegs - perfekte Eskapismus-Lektüre für graue Nachmittage.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Comics Code: Im Gegensatz zur regulären Serie unterwirft sich The Savage Sword of Conan nämlich nicht der in den 70er Jahren noch immer präsenten restriktiven Knute von Amerikas Konservativen. Das heißt, Conan darf gleich viel direkter zur Sache gehen, das Blut fließt ordentlich, wenn Conan das Breitschwert auspackt, ein abgehackter Kopf und ein fast entblößter weiblicher Körper pro Boris-Vallejo-Cover ist fast schon Pflicht und die Kleidung der Damen fällt direkt weit spärlicher aus - ein veritabler Comic-Spaß eben. Und: Man merkt dem Comic kaum an, dass er schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat - das Artwork ist zeitlos gut, das Storytelling ausgezeichnet, dynamisch und flott und die damals noch weit verbreiteten Captions, die in einem heutige Comic eher als anachronistisch und schwerfällig empfunden würden, geben Conans Abenteuern genau den richtigen Rahmen.

Und einen Faktor muss man noch dringend erwähnen: The Savage Sword of Conan kann sich jeder, aber wirklich jeder leisten. Im Gegensatz zu den teureren, eingefärbten Neuaflagen der normalen Serie, erscheinen Conans handfestere Abenteuer im in den USA durchaus beliebten Omnibus-Format - also in einem großen, dicken, Telefonbuch-artigen Wälzer mit mehr als 500 Seiten - klar das Papier ist nicht unbedingt preisverdächtig, aber das ist es beim gemeinen Vertigo-Release ja auch nicht. Und dafür stimmt der Preis: Der deutsche Kunde zahlt bei Amazon.de gerade einmal schlappe 13 Euro - wenn das mal kein Schnäppchen ist! Seid ihr des Englischen auch nur entfernt mächtig, dann verzichtet mal auf zwei Besuche bei McDonalds und investiert das Geld stattdessen in den Barbaren. Bei Crom, ihr werdet es nicht bereuen.

Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Bilder Copyright Dark Horse

 
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