Autor: Mike Baron, Timothy Zahn (Romanvorlage) Zeichnungen: Olivier Vatine, Fred Blanchard, Isabelle Rabarot Cover: Mathieu Lauffray
Erschienen bei: Panini Preis: 16,95 € Star Wars Essentials: Erben des Imperiums bei Amazon.de
Panini reiht eine um die andere Perle aus dem Star Wars-Comic-Sortiment in seine Essentials-Reihe ein. Als dritter Band wurde Timothy Zahns Erben des Imperiums in der Adaption von Mike Baron veröffentlich. Als Romane gehört Zahns Thrawn-Trilogie sicherlich zu den Kabinettstückchen des Expanded Universe – doch wie macht sich der Comic? Das Expanded Universe – eine Quelle ewiger Diskussionen für Fans und Nerds jeglicher Couleur. Einiges davon hat großen Unterhaltungswert, anderes läuft allerdings nur unter dem Motto „Tut das Not?“ Ja!, dachten sich einige mehr oder weniger gute Autoren offenbar und veröffentlichten in den 90er Jahren einen Star Wars-Roman nach dem anderen. Dazu kamen noch etliche Spin-Offs, ob als Roman oder Comic, die ihren Gipfel in Kevin Andersons haarsträubenden coming-of-age-Stories in Junior Jedi Knights finden. Man hatte eine Kuh gefunden, die es zu melken lohnte. Mit jeder neuen Geschichte wurden die Kriegsspielzeuge der Imperialen Commander noch größer und noch gefährlicher, Lukes Jedi-Fähigkeiten noch beeindruckender und die Neue Republik trudelte von einer Katastrophe in die nächste, ohne Ruhe zu finden. Eine unglaubliche Gigantomanie machte sich breit. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Widersprechungen, die die Historie als Ganzes betreffen. Mir sind allein drei verschiedene Versionen bekannt, wie Darth Vader zu seinem mechanischen Arm kam. Schwer, da den Überblick zu behalten. Dachte sich wohl auch Meister Lucas und gab Mitte der 90er Jahre einen Star Wars-Kanon mit nach unten gestaffelten Leveln des Wahrheitsgehaltes aus, in dem ganz oben die Filme und deren Umsetzungen, sowie Äußerung des Schöpfers persönlich stehen, gefolgt von den TV-Serien. Danach erst kommen die Untiefen des Expanded Universe.
Wie ein Leuchtfeuer stechen hier die Romane von Timothy Zahn heraus, der das Expanded Universe 1991 mit Heirs to the Empire öffnete. Zahn orientiert sich von allen Autoren noch am meisten an den Vorlagen und Vorgaben der Filme und erzählt deren Geschichte weiter, ohne Entgleisungen. Etwas für die Puristen eben. Ohne viel Schnickschnack und Größenwahn.1996 folgte denn auch die Comicumsetzung von Mike Baron (Text) mit den Zeichnungen von Olivier Vatine und Fred Blanchard. 
Fünf Jahre nach der Schlacht von Endor und dem Ende des Imperators steht die noch junge Neue Republik alles andere als gefestigt da: Die Widrigkeiten, die der Aufbau einer neuen Regierung mit sich bringt, interne Querelchen um Macht und Pöstchen und noch dazu ein Mangel an Material und Personal auf allen Ebenen – die idealen Voraussetzungen nach Meinung von Großadmiral Thrawn, um der Rebellion den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Thrawn ist wohl das letzte militärisches Genie des alten Imperiums, das seine Erkenntnisse über das Verhalten seiner Gegner aus der Kunst deren Spezies gewinnt, und weiß, wie er anderen seinen Willen aufzwingen kann, ohne dass sie auch nur die geringste Ahnung davon haben. Geschickt erkauft er sich die Dienste des dunklen Jedi-Meisters Jorus C’baoth, ohne ihm auch nur im Entferntesten zu verraten, wozu er ihn überhaupt braucht. Dieser wünscht sich sehnlichst Schüler, um sie nach seinem Bild zu formen. Und wer käme da besser in Frage als Luke, Leia und deren ungeborne Zwillinge? Thrawn setzt seine Noghri-Kommandos ein, um C’baoth seine Jedi zu liefern und ahnt nicht, dass er dadurch eine entscheidende Wendung herbeiruft. Erben des Imperiums ist der Auftakt zu Zahns großartiger Thrawn-Trilogie, die noch einmal die einstige Größe des Imperiums heraufbeschwört. Barons Comic liefert eine gestraffte Fassung des Originals – wer’s ausführlicher haben will, sollte die Romane lesen. Er fängt dabei das Wesentliche der Handlung ein und verzichtet geschickt auf zu tiefschürfende Einzelheiten, die die Grenzen des Comics sicherlich gesprengt hätte. Die Details der Zeichnungen von Vatine und Blanchard liegen nicht in der Mimik oder den Gesichtern, so dass genügend Freiraum bleibt, seine eigenen Vorstellungen in die Zeichnungen hineinzuprojizieren. Apropos eigene Vorstellungen: Die Noghri – Thrawns Killerkommandos – werden in der Comicumsetzung doch recht anders präsentiert als in Zahns Vorlage: Sind sie im Roman eher als kleine lautlose Assassinen gezeichnet, erscheinen sie hier doch eher groß und grobschlächtiger. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt an der ansonsten sehr gelungenen Adaption. Die deutsche Übersetzung von Michael Nagula orientiert sich stark, bisweilen wortwörtlich an der Romanvorlage – Danke, dass hier ausnahmsweise einmal Keiner gedacht hat, er müsste das Übersetzungs-Rad neu erfinden! Etwas unglücklich erscheint mir, die Comics der Thrawn-Trilogie nach Das Dunkle Imperium zu veröffentlichen – liegen sie zeitlich gesehen nämlich genau davor. Außerdem wird in Das Dunkle Imperium mehrmals auf Thrawn Bezug genommen. Weiß man hier nicht bescheid, sieht man etwas ratlos aus. Möglicherweise hat hier der größere Popularitätsgrad von Das Dunkle Imperium vor der zeitlichen Logik gesiegt. So ist Barons Die Erben des Imperiums eine gelungene Umsetzung der herausstechenden Romane des Expanded Universe. Auch wenn ich mir die Noghri immer ganz anders vorgestellt habe...
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