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Gorilla des Monats

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Mouse Guard: Herbst 1152
Mouse GuardUSA (2006), Texte, Zeichnungen, Farben: David Petersen

Erschienen bei: Crosscult
Preis:  24,90 €  Mouse Guard - Herbst 1152 bei Amazon.de

Was braucht eine gute Abenteuergeschichte? Helden, klar! Am besten mehrere. So wie in Alexandre Dumas Die drei Musketiere. Und natürlich fiese, skrupellose Widersacher. Dann muss Action her. Am besten natürlich in eleganten Duellen in klassischer Swashbuckler-Tradition. Dann brauchen wir heldenhafte Selbstopfer für die gute Sache um dem Ganzen die nötige Tragik zu verleihen. Dann brauchen wir Rettungen in letzter Sekunde, eine Menge Spannung und den ein- oder anderen fiesen Hinterhalt. Und wenn es dann noch ein oder mehrere Monster in die Geschichte schaffen, was soll dann noch schief gehen? Und wen stört es da noch, dass die Helden und Schurken keine Männer, sondern Mäuse sind..?

Mäuse? Ganz genau. Und wir reden hier nicht von Mäusen Marke Micky Mouse oder Jerry (aus Tom & Jerry). Die Mäuse der Mouse Guard reden, laufen auf den Hinterbeinen, tragen Capes und führen ihre Waffen meisterhaft. Aber trotzdem sehen sie aus wie echte Mäuse mit schwarzen Augen und Mäusegesichtern die eigentlich vergleichsweise wenig Mimik zulassen. Und trotzdem sind Lieam, Kenzie und Hitzkopf Saxon gemeinsam mit ihren Kameraden echte, ausgewachsene Helden mit allem drum und dran. Und vor allem mit einer Aufgabe. Denn die mittelalterliche Welt der Mäuse ähnelt zwar der der Menschen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wo eine Krabbe für den Menschen vielleicht ein leckeres Mittagessen darstellt ist sie für eine Maus ein riesiges  Ungeheuer, eine Schlange ist auf einmal ein gewaltiges, geschupptes Monster. Und dementsprechen hat sich die Zivilisation der Mäuse entwickelt. Städte liegen gut geschützt und gut versteckt an geheimen Orten, Reisen über Land sind eher gefährlich und nur wer einen der Jungs und Mädels von der Mouse Guard dabei hat kann sicheren Fußes von Ort zu Ort reisen. Aber auch innerhalb der Mouse Guard selbst braut sich Unheil und Verrat zusammen...

Mouse GuardMouse Guard

Das ist schlecht für die Mäuse, aber gut für den Leser! Denn die Abenteuer der Mouse Guard sind Comic-Kost vom Allerfeinsten. David Petersen betätigt sich in seinem Erstlingswerk dann gleich als Auteur und Universaltalent - Geschichte, Zeichnungen und Farben gehen allesamt auf das Konto des fast schon unverschämt talentierten Amerikaners. Und tatsächlich wird dann aus einem kleinen Krebs auf einmal ein unheimliches Krusten-Monster und schon nach wenigen Seiten akzeptiert der Leser die haarigen Helden und fiebert mit ihnen mit. Die Mouse Guard kommt dabei in einem recht ungewöhnlichen, quadratischen Format daher und nutzt das direkt für großartiges Panelling und optische Wucht.

Denn Mouse Guard schafft eine ideale Balance zwischen Text und Bild - Petersen vermeidet unnötige Geschwätzigkeit und lässt wo es nur gut vor allem seine eindrucksvollen Bilder sprechen, viele Szenen sind pantomimisch angelegt und funktionieren gerade deswegen ganz hervorragend. Der Leser ist nicht von unnötigen Sprechblasen abgelenkt und kann seine Aufmerksamkeit direkt dem herrlichen Artwork widmen dem man kaum ansieht, dass die Colorierung fast schon aus Verlegenheit entstand - denn im gelungenen Extra-Material erzählt Petersen selbst, er habe Mouse Guard zunächst als Schwarz-Weiß-Comic veröffentlicht und danach viele der Originalseiten einfach verkauft - als dann das Angebot kam, eine farbige Version der Mouse Guard zu veröffentlichen blieb nur noch die Möglichkeit einer nachträglichen Computer-Farbgebung. Wie problematisch so eine nachgeschobene Colorierung sein kann weiß der anspruchsvolle Comic-Leser aus den frühen Kapiteln von Alan Moore und David Lloyds V for Vendetta, Mouse Guard zeigt dagegen den Idealfall. Denn hätte es Petersen nicht selbst gesagt, uns wäre die Tatsache, dass die Mouse Guard zunächst als Schwarz-Weiß-Comic erschien und erst später eingefärbt wurde kaum aufgefallen.

Mouse GuardMouse Guard

Aber im Grunde kann all das dem Leser relativ egal sein - was für ihn zählt ist das Ergebnis. Und das spricht für sich. Mouse Guard ist eine Abenteuergeschichte erster Güte, ein gnadenloser Page-Turner und besticht vor allem durch eine ordentliche Portion Tiefgang die auch ein zweites und drittes Lesen zum Erlebnis machen, der aufmerksame Leser wird immer wieder neue Details und Nuancen entdecken. Bei soviel Qualität gibt man dann auch gleich gerne die 25 Euro die der toll aufgemachte Band kostet aus. Denn hier trifft dann die wertige Vorlage auf den Enthusiasmus der Crosscult-Redaktion. Hardcover, toller Druck, das bereits erwähnte stimmige Extra-Material - so schätzen wir die Truppe aus Asperg. Lediglich die Übersetzung macht sich gelegentlich in den einleitenden Texten der Kapitel mal durch eine etwas unglückliche Wortwahl bemerkbar. Aber das haken wir dann doch gerne unter "vernachlässigbar" ab.

In Zukunft können wir mit mindestens vier weiteren Mouse Guard Bänden rechnen: David Petersen werkelt schon fleißig an der zweiten Mini-Serie die in den USA schon teilweise erschienen ist und hat bereits über drei weitere geplante Geschichten gesprochen. Und das ist gut so, denn am Ende von Herbst 1152 haben wir einen faszinierenden Einblick in die Welt der Mäuse gewonnen und wollen den Band kaum zuschlagen, sondern erfahren was die Mouse Guard als nächstes erlebt, was es noch alles in den Gebieten rund um das Hauptquarter Lockhaven zu entdecken gibt und mit welchen Gefahren die mutigen Helden von der Mouse Guard noch konfrontiert werden. Denn wenn man dann Lieam, Kenzie und Saxon die klassiche Frage "bist du ein Mann oder eine Maus?" stellt, dann können die drei abenteuerlustigen Burschen voller Stolz zurückbrüllen "eine Maus!!". Beneidenswert...

Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Bilder Copyright Crosscult

 
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