System: Nintendo Wii Japan (2008), Producer: Hideki Konno, Director: Yasuyuki Oyagi, Programming Director: Katsuhisa Sato, Course Director: Hirotake Ohtsubo,Yoshihisa Morimoto, Character Director: Daisuke Kageyama, Musik: Asuka Ohta, Masato Mizuta Entwickler: Nintendo Erschienen bei: Nintendo Preis: ca. 50€ Mario Kart Wii (inkl. Wii Wheel) bei Amazon.de Geht euch das auch so? Wenn Nintendo ein neues Mario Kart ankündigt, dann nehme ich das doch mit einer gewissen Apathie auf. Mei, ist halt Mario Kart - kennt man ja. Da werden weder großartig Previews, noch Newsmeldungen verfolgt und erst wenn mans dann tatsächlich im Laufwerk stecken hat und einschaltet, stellt man fest, dass es ja schon wieder geradezu abartig viel Spaß macht, dass die neuen Strecken einfach wunderbar ausgeklügelt sind und dass es nach wie vor eine diebische Freude macht, dem Vordermann einen roten Panzer ins Heck zu knallen um dann dreckig lachend an ihm vorbei zu ziehen. Trotzdem sind es die Feinheiten, die letzten Endes entscheiden, wie lange ein Mario Kart tatsächlich gespielt wird. Und da wollen wir dochmal schauen, ob Mario Kart Wii auch auf lange Sicht motivieren kann. Am Umfang wird Mario Kart Wii auf jeden Fall schonmal nicht scheitern. Denn da ist das Spiel mehr als ordentlich bepackt. 16 komplett neue Strecken, 16 Klassiker-Strecken, eine ganze Latte freispielbarer Fahrer und Fahrzeuge, die üblichen Multiplayer-Späße und natürlich nicht zu vergessen, der unfangreichste Online-Modus den ein Nintendo-Spiel bisher zu bieten hatte. Auch wenn das zugegebenermaßen zunächst mal nicht allzu viel heißen will. Aber dazu später mehr. Zur Fahrer- und Streckenvielfalt kommt dann auch gleich noch ein wahrer Reichtum an Steuerungs-Optionen: Der Mario Kart Wii-Bleifuß kann auf Wunsch mit dem direkt mitgelieferten Wii-Lenkrad, der klassischen Wiimote-Nunchuk-Kombo, dem handlichen Classic-Controller oder dem guten, alten Gamecube-Pad an den Start gehen - da sollte sich doch eigentlich für jeden etwas finden. 
Aber selbst alten Pad-Profis legen wir ans Herz, zumindest probeweise mal ein paar Runden mit dem Lenkrad zu drehen. Denn das überraschend wertige Plastikgestell in das ihr die Wiimote einsetzt liegt toll in der Hand und ermöglicht mit etwas Übung sehr genaue und präzise Lenkmanöver, so manch einem fällt gerade das exakte Driften durch eine Kurve mit dem Lenkrad sogar leichter als mit dem vertrauten Analogstick. Letzten Endes ist das aber natürlich Geschmackssache - wir freuen uns auf jeden Fall, dass Nintendo nicht nur neue Steuerungskonzepte anbietet, sondern mittlerweile für konservative Spieler auch direkt die klassischen Optionen offen hält. Aber die neue Lenkradsteuerung ist nicht die einzige große Neuerung die Nintendo für Wii-Spieler parat hat. Denn zu den klassischen Karts kommen seit neuestem auch Motorräder. Und die sind nicht nur eine kosmetische Neuerung, sie bieten auch spielerisch eine sehr feine Abwechslung. Per Wheelie könnt ihr auf langen Geraden einen extra-Boost einsetzen, der Nachteil des spektakulären Manövers ist allerdings, dass ihr während des Wheelies kaum noch Kontrolle über euer Bike habt und von gegnerischen Rempeleien schnell mal aus der Bahn geworfen werdet. Erfahrene Drifter werden auch das Kurvenverhalten der Motorräder zu schätzen wissen, der finale Nachbrenner den ein Kart nach einem besonders langen Drift zünden kann fehlt den heißen Öfen allerdings. So bleibt eine sehr angenehme Balance erhalten und wir sind uns sicher, dass der ein- oder andere Veteran nach ein paar Runden auf zwei Rädern tatsächlich die Karts demnächst mal in der Garage lässt und stattdessen auf dem Motorrad sein Glück versucht. 
Allerdings kommt man auch nicht umhin zu bemerken, dass Nintendo für die Wii-Raserei den Anspruch von Mario Kart weiter zurück geschraubt hat. War die (in manchen Kreisen durchaus umstrittene) Gamecube-Episode Double Dash mit den auswechselbaren Fahrern und den Individuellen Specials für jeden Charakter der anspruchsvollste Vertreter der Serie wurden die komplexeren Spiele-Elemente erst in der DS-Version und schließlich eben auf Wii immer weiter zurück genommen. So wurde gerade auf Wii das Driften nochmal stark vereinfacht, für die ganz blutigen Anfänger wurde sogar ein Auto-Modus eingebaut. Wer sich aber das spektakuläre Kurven-Schliddern so erleichtert muss im Gegenzug dann auch auf den Boost verzichten. Und einen sehr positiven Nebeneffekt hat diese Vereinfachung gleich noch dazu: Das gefürchtete Snaking mit denen erfahrene Spieler gnadenlos jedes Online-Rennen dominierten wurde eleminiert. Und wir sind da wirklich froh drum. Geblieben ist dagegen der schon seit N64-Zeiten bekannte Extra-Overkill: Dreifache rote Panzer, Kugel Willis, goldene Turbopilze und allen voran natürlich der gefürchtete blaue Panzer sorgen dafür, dass sich manche Rennen - gerade die auf eher kurzen Strecken - teilweise eher wie ein Glücksspiel anfühlen. Egal wie überlegen ein guter Fahrer das Rennen dominiert haben mag, wenn er in der letzten Kurve Pech hat und einer der Gegner den blauen Panzer kriegt zieht meist das ganze Feld direkt vorbei und der eigentlich überlegene Fahrer muss sich mit einem der hinteren Plätze begnügen. Und da inzwischen zwölf anstelle von früher acht Fahrern am Start sind fliegen hier noch eine ganze Reihe mehr Extras durch die Gegend als noch in den Vorgängern. Trotzdem kommt ihr auch auf dem Wii mit Können weiter. Ein guter Fahrer kann sich zumindest auf den langen, komplexeren Strecken einen guten Vorsprung herausfahren, so dass selbst Dauerbeschuss der Verfolger ihn nicht mehr den Sieg kostet. In den exzellenten Time Trial Rennen gegen die Ghosts diverser Entwickler und Profis lernt der aufmerksame Fahrer die nötigen Tricks, Techniken und Ideallinien.
Seid ihr allerdings tatsächlich perfektionistisch veranlagt und wollt nicht nur jeden Cup in allen Klassen mit einem Gold-Pokal, sondern auch mit dem begehrten Drei-Sterne-Ranking abschließen, dann macht euch schonmal auf etwas gefasst - in den höheren Klassen fahren die Gegner äußerst aggressiv und stellen alles andere als Kanonenfutter dar. Und da einige der besten und witzigsten Karts und Fahrer erst freigespielt werden müssen werden den ein- oder anderen doch gelegentliche Frust-Momente plagen, wenn das Extra-Roulette auf der Zielgeraden mal wieder gegen euch entschieden hat.. Aber auch wenn ihr wieder mal wutentbrannt den Aus-Knopf gedrückt und kurz die Pros und Kontras der Zweckentfremdung des Lenkrads als Diskus bedacht habt seid ihr nach kurzer Zeit doch wieder am Start um euren Gegner zu zeigen wo der Hammer hängt. Denn Rache ist ja bekanntlich Blutwurst. Aber sind wir ehrlich, wenn erstmal genügend Zeug freigespielt ist, dann wird der Singleplayer-Modus schnell zur Nebensache und der Mehrspielermodus rückt in den Vordergrund. Ihr tretet wie immer zu zweit, zu dritt oder zu viert an - dann natürlich in kleinen Fenster und mit abgespeckter Optik und Framerate. Entweder liefert ihr euch auf den Pisten heiße Duelle, oder ihr geht in den klassischen Battle-Modus. Leider hat Nintendo hier ein paar für uns nicht ganz nachvollziehbare Sparmaßnahmen anberaumt. So könnt ihr dieses Mal nicht den Grand Prix Modus im Team bestreiten und der Battle-Modus zwingt euch in Teams und schlimmer noch, er enthält euch die unverschämt spaßige Insignien-Jagd der Gamecube-Fassung vor. Vielleicht steht die Gorilla-Meute mit dieser Meinung alleine auf weiter Flur, aber wir haben hier selten spaßigere Multiplayer-Sessions mit mehr Schadenfreude, verzweifelten Ausrufen und dreckigem Gelächter erlebt als bei der fanatischen Jagd auf den Fahrer mit der goldenen Sonne. Und da wir schon am Meckern sind: Ein paar der neuen Arenen sind doch etwas arg simpel ausgefallen. Aber dank diverser Classic-Kampfgebiete ist trotzdem genügend Abwechslung geboten. 
Und dann haben wir ja noch nichtmal den Online-Modus erwähnt, immerhin stellt der ja ein wichtiges Bestandteil der Mario Kart Wii-Erfahrung dar! Für Xbox Live verwöhnte Netz-Gladiatioren ist der zunächst etwas spartanisch ausgefallen - es gibt weder Voice-, noch echten Text-Chat, lediglich wenn ihr mit Freunden in einem eigenen Raum spielt dürft ihr mit vorgefertigten Phrasen um euch werfen - die sind zwar recht umfassend, trotzdem wünscht man sich doch nach so manchem knapp verlorenem Rennen, dem Gegner ein ebenso freundschaftliches wie herzhaftes "Beim nächsten Rennen werde ich dir die Eier schleifen, dass dir das Arschwasser in der Kimme kocht!!" an den Kopf werfen. Auch die Tatsache, dass Nintendo nicht von den nervigen, für jedes Spiel wieder neu einzugebenden Friendcodes ablässt sorgt zunächst für Verstimmung. Aber die verfliegt sobald ihr erstmal im Rennen seid. Denn das läuft dann superflüssig und butterweich ab, ihr bemerkt kaum einen Unterschied zu einem Offline-Rennen. Und der Voice-Chat? Naja... klar, im Freundeskreis ist das bestimmt nicht verkehrt, aber seid ehrlich - wollt ihr tatsächlich das andauernde Krakelen von 12-jährigen, Amerikanern und anderen seltsamen Gestalten hören wenn ihr wild über die Piste donnert? Wir jedenfalls nicht. So bietet dann das neue Mario Kart ein paar sehr feine Strecken, kleine Verbesserungen in Fahrgefühl und Fuhrpark und eben den Online-Modus. Andererseits aber sind auch klare Rückschritte im Vergleich zu anderen Episoden und unglücklich verpasste Gelegenheit deutlich sichtbar - mehr Strecken, mehr Optionen (insbesondere die Möglichkeit, einzelne Extrawaffen nach belieben zu deaktivieren) und mehr Varianten im Battle-Modus wären keine große Sache gewesen. Auch die Grafik wird euch nicht vom Hocker reißen. Zwar sind die neuen Strecken allesamt hübsch modelliert und mit so manch hübschem Effekt versehen, aber Super Mario Galaxy hat gezeigt, dass der Wii noch einiges mehr auf der Pfanne hat, wir sind uns sicher, dass die Grafik von Mario Kart Wii praktisch gleichwertig schon auf dem Gamecube möglich gewesen wäre. Aber nett anzuschauen ist das ganze trotzdem. Und auch wenn in mancher Hinsicht mehr drin gewesen wäre, wenn ihr erstmal wieder am Steuer sitzt und euch dramatische Rennen mit internationalen Mitspielern oder Freunden liefert, dann macht ihr euch über all diese Fehler ohnehin kaum Gedanken und habt einfach nur richtig viel Spaß. Und das ist es ja, was ein Mario Kart letzten Endes liefern soll. Text Copyright Thomas Nickel 2008 Bilder Copyright Nintendo |