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Redhand

Redhand

Redhand Band 1: Der Preis des Vergessens 

Frankreich, USA (2007), Text: Kurt Busiek, Zeichnungen & Farben: Mario Alberti, Übersetzung: Kai Wilkens

Erschienen bei: Crosscult
Preis:  12,80 € Redhand Band 1 bei Amazon.de

Ein ordentlicher Sword & Sorcery-Held tummelt sich normalerweise in zwei möglichen Settings: Einer fantastischen, archaisch und durchaus auch prähistorischen Welt wie wir sie von Conan oder Elric von Melniboné kennen, oder aber eine postapokalyptische Zivilisation bei der noch so manche technische Errungenschaft der Vorfahren die Helden in Staunen versetzt - kennen wir aus Andrax und vielen, vielen, VIELEN Rollenspielen Made in Japan. Und in einer solchen Welt treibt auch Comicheld Redhand treibt sein Unwesen. Von ein paar Jägern auf der Flucht vor Sklavenfängern aus versehen aus einem Lebenserhaltungstank befreit kennt der weder seine Vergangenheit, noch seinen Namen. Aber seine Instinkte, die sind noch voll in Takt, spätestens als er dann die Sklavenjäger mühelos, effizient und äußerst blutig massakriert herrscht daran kein Zweifel mehr. Und so kam er dann auch zu seinem Namen - da fragt man sich doch, wie edelmütig ein Held tatsächlich sein kann, wenn er nach seinen Blutüberströmten Händen benannt wird....

Und bereits nach Lektüre des ersten Bandes scheint klar zu sein, dass hier der Focus der Geschichte aus der Feder von Kurt Busiek (der unter anderem auch bei einer ganzen Menge Conan-Comics involviert war) liegt. Im Vergleich zu Conan ist Redhand nämlich eine viel ambivalentere Gestalt. Der Robert E. Howard-Barbar handelt zwar auch meist aus Eigennutz und materialistischen Beweggründen, Redhands Motive sind dagegen weit mysteriöser, nicht mal er selbst ist sich darüber tatsächlich im klaren. Um den Comic zu zitieren:

Und der Tag wird kommen.

Der Tag, an dem er die Welt durchmessen wird.

Er wird weder Vater noch Mutter haben.

Ein Nomade, ein Krieger, von allen gefürchtet.

Er wird als Erwachsener geboren werden,

ohne durch seine Abstammung mit den Göttern verbunden zu sein.

Und die Götter werden sich von ihm Abwenden.

Geblendet werden sie ihn nicht sehen.

Ihre Macht, so gewaltig sie auch ist, wird ihn nicht treffen.

Und er wird sich gegen die Götter erheben.

Und er wird versuchen, sie zu töten.

Ihre Macht zu brechen und sie zu zermalmen in einer Wolke aus Staub.

Ein Mann ohne Kindheit, ohne Vater, ohne Mutter. Sogar ohne Namen.

Und bei dieser Mission ist Redhand wohl gnadenlos, so mancher Leser wird erst einmal ordentlich Schlucken, wenn der erste Band gegen Ende auf seinen Höhepunkt zustrebt. Und wenn der Band dann vorbei ist, dann haben wir bereits viele Seiten der Figur Redhand kennen gelernt, ein wirkliches Bild können wir uns von dem rothaarigen Hünen trotzdem noch nicht machen. Und neben dem Post-Science-Fiction-Setting das zahlreiche Fragen aufwirft und dem tollen Artwork ist es eben gerade Redhands Ambivalenz, die den Comic so interessant macht. 

RedhandRedhand

Nach den früheren Crosscult-Veröffentlichungen ist Redhand auf den ersten Blick eine große Überraschung - anstatt auf das handlich-kompakte Format von Hellboy, B.U.A.P. und den meisten anderen Releases zu setzen kommt Redhand im klassischen Franco-Belgischen Alben-Format daher. Groß, Hardcover, verhältnismäßig dünn. Kein Wunder, ist der Fantasy-Comic doch tatsächlich zuerst in Frankreich erschienen. Auch das Artwork wirkt sehr europäisch: Der Italiener Mario Alberti begeistert mit extrem detaillierten Zeichnungen. Die Figuren sind herrlich expressiv, in den fremdartigen Hintergründen könnte man sich fast verlieren. Trotzdem mangelt es nicht an Dynamik, wenn Redhand die Klingen wirbeln lässt, dann  wird das eindrucksvoll durch dramatische Perspektiven, spritzendes Blut und Speedlines unterstrichen. Redhand ist kein Comic-Fast-Food, jedes Panel und jede Splashpage lädt zum verweilen und zum Schauen ein und erzählt so ganz nebenbei noch vieles über Redhands Welt das dem Leser der nur von Plotpoint zu Plotpoint hechtet garantiert verborgen bleibt.

Trotzdem muss ich Redhand zumindest subjektiv für mich das anlasten, was mir bei den meisten Alben im Franco-Stil Probleme bereitet: Was da ist ist meist wirklich toll, aber es könnte immer etwas mehr sein. Redhands erstes Abenteuer umfasst weniger als 50 Seiten, die Fortsetzung ist erst für September angedacht. Und nach dem dramatischen Ende von Band 1 wird das Warten bis dahin nicht leicht sein. Da ist es zum einen gut, dass der erste Redhand-Band durch seine visuelle definitiv zum Mehrfach-Lesen einlädt und zum anderen noch durch viele Skizzen und Interviews mit Kurt Busiek und Mario Alberti ergänzt wurde - und für diese Extras mögen wir Crosscult einfach. Kurzum, wer schon mit Conan und Konsorten seinen Spaß hatte, der sollte die 12.80 für den US-Europäischen Kollegen durchaus mal investieren. 

Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Bilder Copyright Crosscult

 
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