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Gorilla des Monats

bernie 
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Virtual Console Vol. 70
Man fasst es nicht. Mit Cho Aniki kommt ein Spiel auf die europäische Virtual Console die man in tausend Jahren nicht außerhalb Japans erwartet hätte. Aber der Muskel-Shooter ist nicht alles was diese Woche geboten ist: Der Neo Geo-Klassiker Metal Slug und das tolle Japan-Only Puzzle-Update Puyo Puyo 2: Tsuu sind auch mit von der Partie. Da fällt das eher dröge Billard-Spiel Break In kaum noch auf...

Cho Aniki

Cho AnikiSystem: PC-Engine CD
Japan (1992)

Entwickler: NCS / Masays
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Wer ein wenig die Diskussionen in Videospieleforen weltweit verfolgt, der wird früher oder später (insbesondere wenn die Rede auf einen Square Enix Titel neueren Datums kommt) eine nicht nur latente Homophobie feststellen, die harten Burschen werfen aus ihrer lauschigen Anonymität hinter dem Monitor begeistert mit Schlagworten wie "schwuuul!", gerne auch "gay!!", "tuntig", und was man sonst so kennt um sich um ihrem Unmut über dieses oder jenes Characterdesign made in Japan Luft zu machen. (Das sie stattdessen begeistert mit harte, ihre Männerfreundschaften pflegenden Space-Marines durch die Gegend ziehen oder geflissentlich übersehen, dass viele der männlichen Spielehelden mit US-Ursprung nicht von Ungefähr Justin Timberlake und Konsorten ähneln lassen wir hier mal unter den Tisch fallen.) Und genau diese Zeitgenossen sollte man direkt mal zu einer Mammut-Session Cho Aniki verdonnern – eine ordentliche Horizont-Erweiterung hat noch niemandem geschadet.

Hat der obige Absatz keinen Sinn ergeben? Macht nix, das tut Cho Aniki auch nicht. Im Westen verschrien als schwuler Fetisch-Shooter ist Cho Aniki schon alleine aus diesem Grund einen Blick wert. Denn irgendwie passt hier so gar nichts richtig zusammen. Zwei Anime-Helden fliegen durch horizontal scrollende Levels und ballern auf Gegnerformationen und dicke Bosse. Soweit kennt man es noch. Dann kommt da allerdings die Musik ins Spiel – eigentlich will die so gar nicht zum Geschehen auf dem Bildschirm passen, wahrscheinlich funktioniert sie gerade deswegen so gut. Letztendlich sind aber Adon und Samson für den seltsamen Ruf von Cho Aniki verantwortlich.



Adon und Samson sind zwei muskelbepackte Bodybuilder mit einem leicht verstörenden Grinsen die eigentlich nur als Gradius-artige Options für euren Helden dienen und ihn mit Laserfeuer aus Löchern in ihren Köpfen unterstützen. Aber tatsächlich sind sie die wahren Helden des Spiels und rissen in den noch seltsameren Fortsetzungen immer mehr das Ruder an sich. Und dann muss man natürlich noch dringend die Bosse erwähnen – verstörende Mischungen aus Muskelmännern und Maschinen deren Designs die Vermutung nahe legen, die Entwickler haben sich während des kreativen Prozesses bewusstseinserweiternder Substanzen bedient. Selten hat ein Spiel so viele eigenartige, seltsame und verstörende Ideen in sich vereint.

Besagte Entwickler sind übrigens die Shooter-Experten von Masaya deren andere Werke hoffentlich auch bald auf der Virtual Console aufschlagen. Und bei Masaya wusste man damals, was man macht. Und so ist auch Cho Aniki hinter der seltsamen Fassade ein richtig gelungener Shooter der klassischen Schule. Nicht Masayas bester, aber dennoch eine spielerisch ziemlich runde Angelegenheit. Wir empfehlen den Download – das PC-Engine CD-Original ist heute kaum noch zu finden und wer sich tatsächlich für das Medium Videospiel interessiert, der schuldet es sich selbst, diesen Bizarro-Klassiker gespielt zu haben und zu besitzen. Wir können Nintendo nur dazu gratulieren, dem Westen diesen Exoten zugänglich gemacht zu haben.

chocho

 

Metal Slug

Metal SlugSystem: Neo Geo
Japan (1996)

Entwickler: SNK / Nazca
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Es gibt tatsächlich mal wieder ein neues Neo Geo-Spiel auf der Virtual Console, man glaubt es nicht. Und hey, Metal Slug ist auch ein echter Hit und ein Klassiker. Das Geballer ist ein naher Verwandter der Contra/Probotector-Serie, kommt aber comichafter und auch (schwarz)-humoriger daher. Witzige Animationen und albern überzeichnete Gewalt sind seit Teil 1 das Markenzeichen der Serie. Stichwort Animation: Auf 16-Bit findet man kaum etwas besseres als Metal Slug – Hintergründe, Sprites, riesige Bosse, was hier an Liebe um Detail eingeflossen ist beeindruckt auch heute noch. Und auch spielerisch ist Metal Slug erstklassig: Da ihr beim Treffer gleich umfallt und beim Ableben eure wertvolle Extrawaffe verliert ist Metal Slug wirklich ein Spiel in das man sich reinknien sollte. Aber dank der tollen Steuerung und der immer fairen Levels tut man das gerne. Soweit so gut. Aber...



...braucht man Metal Slug 1 tatsächlich nochmal auf Virtual Console? Immerhin gibt es auf Wii auch die Metal Slug Anthology. Und die hat gegenüber dem Virtual Console-Spiel zwei Vorteile: Wenn man einrechnet, dass sich auch noch jede Menge ebenso exzellenter Nachfolger auf der Disc befindet, dann kommt man mit der Anthology weitaus günstiger weg. Und nebenbei ist die Anthology auch noch mit dem wichtigen 60-HZ-Modus ausgestattet... dafür wird auf der Spielesammlung nicht der Classic-Controller (der sehr an das feine Neo Geo CD Pad erinnert) unterstützt. Also, welche Vor- und Nachteile der verschiedenen Versionen überwiegen? Macht den Kauf mit euch selbst aus, ein tolles Spiel ist Metal Slug allemal.

slugslug

 

Puyo Puyo 2: Tsuu

puyoSystem: Mega Drive
Japan (1994)

Entwickler: Compile
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Okay, das wird jetzt hart. Inzwischen haben wir jetzt schon die dritte Puyo Puyo-Variante auf der Virtual Console – Dr. Robotniks Mean Bean Machine (Mega Drive) und Kirby´s Ghost Trap (SNES) sind beides West-Umsetzungn der fröhlichen Glibber-Puzzelei an der sich Compile seinerzeit eine goldene Nase verdiente. Im Rahmen des Hanabi-Festivals hat sich jetzt aber tatsächlich mal ein echtes Puyo Puyo hierher verirrt. Bleibt wieder die große Frage, ob der Download für immerhin 9 Euro lohnt. Wir sagen mal: Wenn ihr bisher keine andere Puyo Puyo-Variation habt, dann auf alle Fälle. Wenn ihr dagegen schon einen der anderen Titel runtergeladen habt, dann geht in euch – mögt ihr Puyo Puyo? Und seid ihr bereit, erneut Geld für die zweifelsohne bislang beste Virtual Console-Fassung auszugeben?



Denn Puyo Puyo 2: Tsuu bietet tatsächlich etliche Mehrwerte. Jede Menge verfeinerte Regeln machen gerade die Zweispielerduelle zu einer extrem spaßigen Angelegenheit und die zuckersüße Grafik macht auch den ein- oder anderen Spieler mit japanophilen Neigungen ziemlich schwach. Im direkten Vergleich mit der Mean Bean Machine trumpft Puyo Puyo 2 in ausnahmslos allen Belangen auf. Und 60HZ sind natürlich auch mit von der Partie. Deswegen wiederholen wir noch einmal – habt ihr noch kein Puyo Puyo zu Hause, dann holt euch diese Version, ihr werdet es nicht bereuen, Puyo Puyo ist immerhin eine der wenigen Puzzle-Serien die tatsächlich mit dem mächtigen Tetris mithalten können. Hitzige Zweispielergefechte sind garantiert.

puyopuyo

 

Break In

breakSystem: PC-Engine
Japan (1989)

Entwickler: Naxat
Preis: 700 Wii-Punkte (entspricht 7,-€)

Okay, das letzte Spiel handeln wir kurz ab, da es nicht wirklich allzu interessant ist. Break In ist eine recht generische Billard-Simulation mit ebenso generischer Präsentation aus dem Hause Naxat – und heute findet man da garantiert eine interessantere Umsetzung. Davon abgesehen kostet das PC-Engine-Spiel auch gleich 7 Euro – und dafür könnt ihr euch auch ein paar Runden Billard mit Freunden (wenn ihr denn welche habt) an einem echten Billard-Tisch gönnen.

 

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Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Screenshots Copyright SNK, NCS, Compile, Naxat
 
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