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Gorilla des Monats

bernie 
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Wii Fit
Wii Fit System: Nintendo Wii
Japan (2008)

Entwickler: Nintendo
Erschienen bei: Nintendo
Preis: ca. 90 € Wii Fit (inkl. Wii Balance Board) bei Amazon.de

Schon seit 8-Bit-Zeiten kämpfen die internationalen Spielefirmen gegen das hartnäckige Urteil, Videospiele machen dumm/faul/gefräßig/fett/unsportlich usw. an. Nintendo schickt NES-Spieler auf das nicht so wirklich ausgereifte Power Pad, Sega lässt die Spieler dagegen mit dem noch weniger ausgereiften Activator hampeln. Erst in den späten 90er Jahren wurde es wirklich aktiv, Konami punktet mit Dance Dance Revolution, Para Para Paradise und Konsorten in den Spielhallen und die Spieler schwingen auf einmal das Tanzbein. Später experimentiert dann Sony mit der Eyetoy-Kamera und bietet sogar mit EyeToy Kinetic ein gemeinsam mit Nike entwickeltes Fitness-Training heraus das für ordentlich Schweiß auf der Spielerstirn sorgt, aber auf lange Sicht zu wenig Abwechslung bietet und mit den üblichen EyeToy-Problemen zu kämpfen hat.

Und jetzt will wieder Nintendo dem Spieler-Speck zu Leibe rücken: Niemand geringeres als Shigeru Miyamoto selbst hat sich vorgenommen, das ideale Fitnesstraining für verspielte Naturen zu basteln. Und tatsächlich zieht Wii Fit fast alle Register, um den Spieler zum täglichen Training zu motivieren, das Balance Board erweißt sich zudem als ein exzellentes Stück Hardware und setzt Wii Fit damit souverän an die Spitze der virtuellen Trainingsmaschinen. Aber trotzdem bleibt die Frage, kann man sich mit einem Konsolenspiel wirklich in Form bringen, fitter werden und trotzdem Spaß dabei haben?

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An Abwechslung mangelt es auf jeden Fall nicht: Vier Kategorien bietet Wii Fit dem geneigten Spieler: Am verspieltesten kommen da die Balancespiele rüber: Ski-Abfahrt, Fußbälle Köpfen, eine knifflige Marble Madness-Kopie, ein Balanceakt  auf dem Hochseil und andere Aufgaben fordern euren Gleichgewichtssinn und laden zur Highscore-Jagd ein. Wer seinen Körper mehr fordern will geht zu den Aerobic-Übungen. Joggen, Step-Aerobic, Hula-Hoop oder Boxen fangen meist langsam an, mit zunehmender Erfahrung dürft ihr aber längere, komplexere Trainingseinheiten Freischalten. Die anderen beiden Bereiche haben kaum noch etwas spielerisches: Ein Trainer macht euch verschiedene Muskel-  und Yoga-Übungen vor, ihr tut ihm nach bestem Können gleich, das Balance Board kontrolliert eure Haltung. 

Und mit eben diesem Board steht und fällt Wii Fit. Und wir sind ziemlich angetan: Litt Sonys ehrgeiziges EyeToy Kinetic noch stark unter den Einschränkungen der Kamera erweißt sich das Balance Board als ein Traum in Plastik. Groß, schwer, haltbar und oft überraschend genau misst es Schwerpunkt, Verlagerungen desselben und natürlich euer Gewicht, zudem fühlt es sich am Fuß (Socken oder Schuhe solltet ihr beim Training nicht tragen) einfach gut an. Diese Qualität hat natürlich ihren Preis, Wii Fit kostet gemeinsam mit dem Board etwa 90 Euro. Aber wir sind der Meinung, dass sich die Investition lohnt, selten haben wir eine besser verarbeitete Peripherie gesehen.

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Aber so gut das Board auch sein mag, der wichtigste Faktor bleibt der Spieler - wenn der keine Lust mehr hat, dann helfen weder spaßige Minispiele, noch ein gutes Balance-Board. Wii Fit fährt sämtliche Tricks auf um den Spieler bei der Stange zu halten. Jede Leistung wird mit Sternen und Punkten bewertet und in einer Highscore-Liste gespeichert, jede Minute die ihr mit Training zubringt wird vom famosen Schweinchen Fit festgehalten und immer wieder mit neuen Übungen und Spielen belohnt. Ihr werdet zum täglichen Alterstest animiert - genau wie der gute Dr. Kawashima misst auch Wii Fit eure Leistung und drückt diese dann in einem theoretischen Alter aus. Das ist natürlich eher eine Spielerei, trotzdem motiviert es den Spieler, zumindest kurz am Tag Wii Fit einzulegen. Und wenn man schonmal da ist, dann kann man ja doch mal ein paar Übungen mitnehmen, nicht wahr? Und als besonderes effektive Motivationsmöglichkeit könnt ihr jederzeit eure Leistungen mit denen anderer Wii Fit-Benutzer in eurem Haushalt vergleichen. Misstrauische Naturen schützen ihr Profil aber lieber mit einem Passwort.

Weit handfester als euer Wii Fit-Alter sind allerdings BMI und Gewicht. Auch wenn der BMI etwas umstritten ist, so wird den ein- oder anderen doch erstmal ein Schreck ereilen, wenn der ausgewählte Mii auf einmal doch etwas runder aussieht als gedacht. Allerdings ist es eine Fehleinschätzung, wenn ihr jetzt glaubt alleine mit Wii-Fit alle Gewichtsprobleme in den Griff zu kriegen. Ich zitiere mich hier einfach mal selbst aus der aktuellen Select-Ausgabe

Natürlich ist "Wii Fit" kein Ersatz für "richtigen" Sport und erst recht kein magisches Wundermittel, mit dem der Couch-gestählte Zockerich die hart erarbeitete Wampe innerhalb von drei Monaten in einen ansehnlichen Sixpack verwandelt. "Wii Fit" verschafft euch stattdessen aber eine angenehme Portion Extra-Bewegung und hat in der Tat das Potenzial, Körperbewusstsein und Gleichgewichtssinn zu steigern. Wer tatsächlich etwas für seine Ausdauer und sein Äußeres tun will, der kommt auch mit "Wii Fit" um die richtige Ernährung und zusätzlichen Sport nicht herum. Als spielerische Ergänzung und nicht zuletzt als motivierender Aktivitätsmesser funktioniert "Wii Fit" aber auch dabei dann ganz hervorragend.

Und das ist der springende Punkt: Wii Fit unterstützt euch auf dem Weg zu körperlicher Fitness, aber es ist kein Wundermittel und alleine definitiv nicht genug. Als Gradmesser, Motivator und als Ergänzung zu einer passenden Ernährung und einem generellen Trainingsprogramm macht sich Wii Fit allerdings einfach super.

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Aber es hängt eben alles in letzter Instanz vom Spieler ab. Klar, in vielen Disziplinen kann der ordentlich schummeln. Warum die Wiimote in die Hosentasche stecken und auf der Stelle Joggen, wenn man sie doch eigentlich nur ordentlich Schütteln muss? Ganz einfach - wenn ihr bei Wii Fit bescheißt, dann bescheißt ihr nur euch selbst. Und eines schafft Wii Fit ganz hervorragend: Es ist weit leichter, den inneren Schweinehund zu bezwingen wenn zum lockeren Aufwärmen erstmal ein paar Runden Kopfball und Abfahrt winken, als wenn man erst seinen Kram packen muss und per Auto oder Bus zur nächsten Muckibude rauseimert. Und so manch faulen Gesellen aus dem Gorilla-Umfeld konnte Wii Fit  tatsächlich motivieren, den eigenen Körper mal ein wenig in Wallung zu bringen und sich täglich etwas mit Muskeln, Aerobic und Yoga zu befassen. 

Kritik haben wir eigentlich kaum... auch wenn es sehr viele Aufgaben und Spiele gibt, nach ein paar Wochen habt ihr sie trotzdem alle freigespielt und gesehen. Außerdem überlässt euch Wii Fit oftmals ziemlich euch selbst. Eure Fortschritte werden zwar kommentiert und bestimmte Übungs-Kombinationen werden auch vorgeschlagen, wir hätten aber die Möglichkeit, das Spiel einen Trainingsplan zum Erreichen eines bestimmten Ziels aufstellen zu lassen sehr begrüßt - bei EyeToy Kinetic ging das. Und in Sachen Aufwärmen und Dehnen ist das Sony-Produkt auch leicht überlegen. Wii Fit weist euch zwar an, euch vor dem Training warm zu machen, besser wäre es aber tatsächlich gewesen, dem Spieler eine Aufwärm-Sequenz zu bieten. Der Mangel an Multiplayer-Optionen ist dagegen weit weniger dramatisch - auf das Balance-Board passt nunmal nur eine Person drauf und die wenigsten Haushalte werden gleich zwei Exemplare kaufen...

Mit Wii Fit hat Nintendo beeindruckend vorgelegt und die bisherige Referenz in Sachen Fitness-Software geliefert. Natürlich ist auch bei Wii Fit noch nicht alles perfekt und so manchen menschlichen Faktor kann kein Spiel der Welt beeinflussen. Hoffen wir, dass Nintendo diese Schiene weiter fährt - wir würden uns in den nächsten Monaten über Add-Ons mit neuen Spielen und Übungen wirklich freuen damit Wii Fit auch in den nächsten Monaten attraktiv und interessant bleibt. 

Text Copyright Darina Goldin 2008
Bilder Copyright Nintendo

 
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