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Gorilla des Monats

bernie 
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Virtual Console Vol. 71
Das Hanabi-Festival geht seinem Ende zu. Und was eigentlich eine tolle Woche hätte werden sollen, enttäuscht teilweise grob: Klar, Star Parodier ist ein Spitzentitel, aber Digital Champ: Battle Boxing langweilt schon nach Minuten und das sehnlichst erwartete Gley Lancer wurde 50HZ-technisch übel ausgebremst. Na, vielen Dank auch.

Gley Lancer

GleylancerSystem: Mega Drive
Japan (1992), Originaltitel: Advanced Busterhawk Gley Lancer

Entwickler: NCS / Masaya
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Ich bin verwirrt. Gley Lancer ist ein exzellenter Shooter (und ganz subjektiv gesehen sogar mein Lieblings-Shooter auf dem Mega Drive, auch wenn es objektiv bessere Ballereien gibt) und ich war bereit, dem Spiel eine glühende Review zu verfassen. Ich halte es bis heute für Masayas Shooter-Meisterstück bei dem alle Elemente einfach perfekt zusammenkommen. Aber das wäre ja auch alles zu schön gewesen - und einen 900 Wii-Punkte-Download später war meine Wiimote nur knapp einem Freiflug direkt aus dem Fenster entkommen. Ereilt auch Gley Lancer das 50HZ-Schicksal, vor dem schon seine Mega Drive-Kollegen nicht verschont wurden? Wir können es zunächst nicht genau sagen...  Fakt ist auf jeden Fall, dass das Spiel mit Letterbox-Balken läuft - auf manchen Fernsehern gibt es unten einen großen Balken, auf manchen zwei kleine oben und unten...

Jetzt muss Bestätigung her. Beide Versionen werden eingelegt und parallel laufen gelassen. Und ja, Gley Lancer auf Virtual Console IST langsamer als auf dem Mega Drive. Und dafür zahlen wir direkt nochmal 'nen 100-PunkteI Import-Aufschlag? Hallo, Nintendo verteidigt den 50HZ-Terror doch schon damit, dass die Leute die Spiele ja so erleben sollen wie damals... warum dann nicht auch den Japan-Import Gley Lancer? Wer den damals gespielt hat, der konnte ihn ja auch auf 60HZ erleben. 

GleylancerGleylancer

Wie gesagt ohne die 60HZ-Bremse wäre Gley Lancer eine glühende Empfehlung geworden. Die Levels sind lang, die Grafik ist teilweise ganz famos: Die wunderbaren Gegner-Designs reichen von ekligen organischen Biestern bis hin zu extrem schick gestalteten Kampfschiffen und ähnlichem Techno-Gewimmel. Die Levels selbst bestechen mit exzellenter Farbwahl und großer thematischer Abwechslung. Das Parallax-Scrolling ist aufwendig und butterweich - Masaya zeigt genau, wie man mit dem Mega Drive im Jahre 1992 umzugehen hatte. Noch besser kommt die Musik weg: Die stammt (zumindest teilweise) aus der Feder von Lunar & Langrisser-Komponist Noriyuki Iwadare und untermalt die Action auf dem Bildschirm perfekt, längere Ausflüge in den Sound-Test sind für Fans klassischer Spielemusik Pflichtprogramm.

Auch spielerisch ist Gley Lancer durchweg gelungen. Der Shooter setzt im Gegensatz zu langsamen, überlegten Titeln wie Gradius oder R-Type auf High-Speed, schnelle Action und durchschlagende Extrawaffen. Die sind auch der Faktor, der Gley Lancer von anderen Shootern unterscheidet. Anstatt die Bordkanone aufzurüsten, erhaltet ihr durch Extra-Kapseln zwei Sidekicks, die Laser, Twin-Shoot, Flammenwerfer und viele andere nützliche Ballermänner abfeuern. Das Interessante dabei: Ihr könnt vor Spielbeginn die Bewegungsmuster der Sidekicks festlegen. Ob sie in oder entgegengesetzt eurer Flugrichtung feuern, um euer Schiff kreisen, in Gradius-Manier hinter euch herfliegen oder den Gegner gar selbsttätig auf's Korn nehmen, die zahlreichen Optionen machen auch wiederholtes Durchspielen attraktiv.

GleylancerGleylancer

Fehler hat Gley Lancer wenige. Anfangs fällt es etwas schwer, die kleinen Schüsse der Gegner vom gut gefüllten Hintergrund zu trennen, aber daran gewöhnt ihr euch schnell. Schwerwiegender ist die Tatsache, dass die ersten drei bis vier Bosse so gut wie keine Gegenwehr leisten. Die wunderbar gestalteten Obermotze schickt ihr fast im Schlaf in die ewigen Jagdgründe. Zum Glück zieht der Schwierigkeitsgrad in den späteren Levels an.

Und dann ist da natürlich noch das famose Intro - selten hat man auf dem Mega Drive eine so umfangreiche Einführung gesehen: In zahlreichen, teilweise animierten, großformatigen Standbilder wird nicht nur die Vorgeschichte erzählt, auch zwischen den Levels erwartet euch noch die ein- oder andere Zwischensequenz. In Sachen Qualität und Quantität braucht sich Gley Lancer vor keiner üppigen PC-Engine-Produktion zu verstecken! Allerdings blieben die Untertitel der Virtual Console Version auf Japanisch. Gut, dass es den Gorilla gibt - wollt ihr wissen, worum es geht? Wir zeigen es euch.

Tja, was soll man sagen... Gley Lancer hätte der große Hit der Woche sein können. Aber dank 50HZ-Bremse ist daraus nichts geworden. Und weiter geht die Suche nach einer bezahlbaren Original-Mega Drive Version... 

 
Star Parodier

Star ParodierSystem: PC-Engine CD
Japan (1992)

Entwickler: Hudson
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Nachdem Gley Lancer so übel mitgespielt wurde, holt sich Star Parodier diese Woche ohne große Gegenwehr die Virtual Console-Krone. Hier könnt ihr eure Wii-Punkte guten Gewissens verballern. Gut, es gibt schon etliche Star Soldier-Spiele auf dem Wii, trotzdem ist Star Parodier ein Sonderfall. Natürlich ist es eigentlich ein dreister Ideenklau von Konamis Parodius, aber wenn das Ergebnis so gelungen ist, was beschweren wir uns dann? Mit einem von drei spielbaren Figuren - ein knuffiges Raumschiff, Altstar Bomberman und eine fliegende PC-Engine sind am Start - durchquert ihr vertikal scrollende, buntige Levels und ballert dabei allerlei witziges Gezücht über den Haufen. Dass dabei gerade die ersten Levels teils frappierend an Konamis Twin Bee-Reihe erinnern, ignorieren wir geflissentlich.

Dabei hilft vor allem wieder einmal die großartige Musik - als CD-Spiel wurde auch Star Parodier wieder einmal ein famoser Score beschert, der den anderen Aspekten des Spiels schlichtweg die Show stielt. Alleine die Musik ist schon den Download wert. Da Leveldesign und Spielbarkeit auf dem allerhöchsten Niveau sind, macht dabei die Entscheidung nur noch leichter. Machen wir´s also kurz: Habt ihr ein Faible für Ballerspiele witziger Natur, dann sind die 900 Wii-Punkte für Star Parodier bestens angelegt. 

Star Parodierparo

 

 Digital Champ: Battle Boxing

ChampSystem: PC-Engine
Japan (1989)

Entwickler: Naxat
Preis: 700 Wii-Punkte (entspricht 7,-€)

Um den Import-Sack diese Woche voll zu machen, hat Nintendo nochmal in die PC-Engine-Ramsch-Kiste gegriffen und nach dem langweiligen Billard-Spiel letzte Woche (dessen Namen ich schon wieder vergessen habe) einen weiteren Gähner ausgegraben. Das einzige, was Digital Champ wirklich auszeichnet, sind die gerade im Vergleich zu Punch Out!! ziemlich groß geratenen Sprites. Spielerisch dagegen haben die Nintendo-Boxer die Nase weit vorne. Wenige Schlag-Variationen und noch weniger verschiedene Spielmodi lassen die Faustkämpfe schnell langweilig werden. Bei seinem Erscheinen lebte Digital Champ: Battle Boxing wohl eindeutig von der tollen Grafik... da von der heute nicht mehr allzu viel übrig ist, spart euch lieber die 700 Punkte. Ganz ehrlich, der bislang nur auf der amerikanischen Virtual Console erschienene Japan-Import DoReMi Fantasy: Milon's DokiDoki Adventure hätte uns besser gefallen und hätte als Jump'n'Run dieses ziemlich Shooter-lastige Hanabi-Festival etwas abwechslungsreicher gemacht.

 

 

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Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Screenshots Copyright Hudson, NCS, Naxat
 
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