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Autor, Zeichnungen: Nicole Mahler
Erschienen bei: Reprodukt Preis: 14 € Kunsttheorie versus Frau Goldgruber bei Amazon.de Über Kunst kann man sich bekanntlich – genau wie über Geschmack – vortrefflich streiten. Doch wer legt eigentlich fest, was Kunst ist? Der Künstler selbst? Die Kritiker? Oder gar das Publikum…? Falsch! Es sind Steuerbeamte wie Frau Goldgruber, das weiß Nicolas Mahler aus eigener Erfahrung. Als Comiczeichner muss man viel leiden: unter den Kollegen, unter den Kritikern, unter Comicmessen und nicht zuletzt unter der Steuerbeamtin. Denn sie und sie allein hat die Macht, aus einem einfachen Comiczeichner das zu machen, was er sein will: einen Künstler. Doch der Werdegang des Künstlers ist voller Steine, die sich in Mahlers Fall schon in der Kindheit ansammeln. Da ist zum Beispiel das Autogramm eines Tennisprofis auf einem kleinen Zettel. Stolz trägt der junge Mahler seinen Schatz nachhause und versucht sofort, das wertvolle Fetzchen Papier zu vervielfältigen. Er schneidet weitere Papiere zurecht und kopiert immer geschickter die Unterschrift. Zuletzt so gut, dass er unter seinen Fälschungen das Original nicht mehr erkennen kann. Dies stellt den jungen Mahler vor ein großes Dilemma und wirft zugleich die Frage auf, was wertiger ist: das Original auf dem verranzten Zettel oder die kunstvolle Kopie? Hat er etwa gerade „Kunst“ geschaffen? Denn erzählen kann er nicht – nicht laut seiner Grundschullehrerin, die seinen Bericht von den Pfingstferien nebst Zeichnung mit: „Das ist langweilig!“ abtut und sich schlicht weigert, die letzten beiden Sätze zu korrigieren.  Bilder einfach anklicken, um sie groß zu sehen - ihr wollt ja auch den Text lesen können.
Dennoch setzt Mahler den Widrigkeiten zum Trotz alles daran, ein ordentlicher Künstler zu werden. Er besucht sogar einige Zeit die Kunsthochschule, doch lehrt der dortige „Meister“, den Mahler selbst für den schlechtesten Künstler der Welt hält, nicht Mahlers Art von Kunst. Er lehrt denn selbst mit mäßigem Erfolg und noch mäßigerem Elan in einem Volkshochschulkurs, richtet sich mit einem Kollegen ein Atelier ein, das aber alsbald an den Tresen der Kneipe verlegt wird, stellt aus und macht sogar einen Trickfilm. Nur die Niederungen des Werbefilms scheut er wie der Teufel das Weihwasser. Immer wieder muss er sich für seinen Beruf rechtfertigen. Bleibt also nur die Adelung durch das Finanzamt. Frau Goldgruber, die zuständige Finanzbeamtin, erkennt die steuerrechtliche Sachlage sofort. Als Mahler auf ihre Frage, ob er denn so etwas wie Mickey Mouse mache, mit nein antwortet, weiß sie Bescheid: So richtige Comics sind das ja nicht und als Comiczeichner ist man auch kein Künstler, sondern doch eher ein Werbegrafiker. Werbegrafiker? Das, was er nie sein wollte? Darf er denn als Comicautor kein Künstler sein? Denn scheinbar lebt er hier als Zwitterwesen in zwei Welten, die ihn beide nicht so recht haben wollen. Der kleine Band Kunsttheorie versus Frau Goldgruber kommt sehr hochwertig daher. Schon der Einband ist ein wahrer Handschmeichler. Mahlers minimalistische Zeichnungen alleine schon reichen aus, um alles zu sagen, was gesagt werden muss. In wenigen Strichen bringt er den Charakter seiner Protagonisten unter. Die Neuauflage von 2007 enthält neben einem Nachwort von Christian Grasser auch einen Anhang, der berichtet, was aus den übrigen Protagonisten seit der Erstveröffentlichung geworden ist. Kunsttheorie versus Frau Goldgruber bringt zum Schmunzeln, oft zum Lachen und noch öfter zum Nachdenken. Über Comics, über Kunst und über das eigene Kunstverständnis. Eine Reise durch die Absurditäten des Comic-Künstler-Daseins. Text Copyright 2008 Bettina Herbig Bilder Copyright Reprodukt |