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Gorilla des Monats

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Charlie Adlard

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Es war kaum zu ahnen, dass unser Gespräch mit Charlie Adlard solch epische Dimensionen annehmen würde - möglicherweise wurde die angenehme Redseligkeit ja von dem schweren böhmischen Essen ausgelöst, das die umgänglichen Damen und Herren von Crosscult arrangiert hatten. Das Ergebnis von über drei Stunden überaus lockerer Plauderei war schließlich ein Interview, das beinahe alle Facetten von Adlards höchst eigensinniger Karriere abdeckt - und uns hoffentlich einen Zeichner näher bringt, der eigentlich viel mehr Beachtung verdient hätte.

G wie Gorilla: Wie sind Sie ins Comic-Geschäft gekommen? Was waren Ihre frühesten Einflüsse?

Charlie Adlard: Ich bin mehr oder weniger von denselben Zeichnern und Autoren beeinflusst wie die meisten meiner britischen Kollegen. Comics lese ich seit meinem fünften Lebensjahr. Meine früheste Erinnerung ist, dass mein Vater von der Arbeit nach Hause kommt, und er hat etwas hinter seinem Rücken versteckt. Das war die dritte Ausgabe von The Mighty World of Marvel, in der zum ersten Mal amerikanische Marvel-Comics in der richtigen chronologischen Reihenfolge abgedruckt wurden. Die Hefte enthielten Ausgaben von Spider-Man, den Fantastischen Vier und dem Unglaublichen Hulk in Schwarzweiß. Danach habe ich mir jede Ausgabe gekauft, was auch daran lag, dass man damals leichter an Marvel-Comics herankam. Ich habe die Hefte nicht wirklich gesammelt, sondern nur wegen der Geschichten gelesen. Danach habe ich sie weggeworfen.

G wie Gorilla: Was war dann der nächste Schritt, 2000AD?

CA: Nein, 2000AD habe ich gar nicht gelesen. Ich habe mich ziemlich an die Marvel-Comics gehalten. Aber meine Karriere als Profi habe ich bei 2000AD begonnen, mit Geschichten über eine Figur namens Judge Armitage. Das war vor ungefähr 15 Jahren. Die Serie war komplett gemalt, ungefähr sechzig Seiten durchgängig in Ölfarben. Das war so üblich in den frühen Neunzigern, damals hat jeder aufwändig in Öl gearbeitet. Vor Judge Armitage habe ich auf der
Grundlage eines Skripts von Alan Grant einen abgeschlossenen Judge Dredd-Strip gezeichnet. Das war also meine erste wirklich professionelle Arbeit. Im Augenblick arbeite ich zwischen Ausgaben von The Walking Dead an einem Strip namens Savage, den Pat Mills schreibt. Er basiert auf einem anderen Strip namens Invasion, der in 2000AD eine Ausgabe vor der allerersten Judge Dredd-Story erschienen ist. Ich möchte Savage möglichst zu einem würdigen Abschluss bringen, obwohl ich eigentlich gar nicht die Zeit dafür habe. Es geht darin um unsere Welt von heute, mit dem Unterschied, dass sie von Außerirdischen erobert worden ist und jetzt schwer unter den Besatzern zu leiden hat. Die Geschichte hat viel mit der heutigen Zeit zu tun. Dagegen gibt es kaum Science Fiction-Elemente. Man könnte es eher ein „Was wäre wenn?“-Szenario nennen. Mittlerweile arbeite ich an Savage nicht mehr für das Geld, sondern um am Ball zu bleiben und den Strip zu einem vernünftigen Ende zu bringen.

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Das kurzlebige Authority-Spinoff The Establishment brachte es weiland leider nur auf dreizehn sehr kurzweilige Ausgaben - jede einzelne davon natürlich von Adlard gezeichnet.

G wie Gorilla: Wie stehen die Chancen, dass Savage in Paperbacks gesammelt wird?

CA: Das ist der zweite Grund, warum wir so schuften, um die Serie fertig zu bekommen. Mittlerweile veröffentlicht 2000AD eine Menge Sammelbände, deswegen drängen Pat Mills und ich auch wirklich darauf, dass Savage gesammelt wird. Am liebsten wäre mir eine Hardcover-Veröffentlichung. Die Druckkosten wären gar nicht mal so hoch, weil es sich um Schwarzweiß-Material handelt. 2000AD [das Magazin] bleibt immer nur eine Woche in den Zeitschriftenregalen. Das ist noch weniger als bei amerikanischen Comics, bei denen außerdem noch ein reger Handel mit alten Ausgaben dazu kommt. Da ist die Halbwertszeit für ein Heft viel länger. Je älter ich werde, desto wichtiger ist mir, an etwas zu arbeiten, das bleibt. Als ich jünger war, hat mich das überhaupt nicht gekümmert. Mittlerweile lege ich Wert darauf, dass alle meine Arbeiten Bestand haben.

G wie Gorilla: Ist es Ihnen dann
auch wichtig, dass die Rechte an den Comics, an denen Sie arbeiten, Ihnen selbst gehören? Oder haben Sie keine Probleme mit Auftragsarbeiten? Die Frage ist besonders im Licht der Diskussion interessant, die der Tod von Alex Toth ausgelöst hat. [Anm.: Unter westlichen Comiczeichnern gilt Toth als einer der wichtigsten Stilisten des vergangenen Jahrhunderts, obwohl sein Erbe inhaltlich kaum der Rede wert ist – er hat über die Jahrzehnte hinweg fast nur nach Auftrag gearbeitet. Zu seinen besten Arbeiten zählt man unter Kennern beispielsweise Mattels Hot Wheels Magazin. An den Storys kann’s nicht gelegen haben...]

CA: Toth hat seine ganze Karriere über nur Auftragsarbeiten gemacht, was schon ein wenig schade ist. Aber jede Menge tolle Zeichner enden so. Je älter ich werde, desto wichtiger wird mir also auch, dass ich meine eigenen Sachen mache. Denken Sie beispielsweise an die Romitas, die ihre gesamte Karriere für Marvel gearbeitet haben. Das einzige, was sie am Ende herzeigen können, ist eine Menge Arbeit für und mit den Charakteren anderer Leute. Sie werden sicher richtig gut bezahlt, aber darum geht es ja gar nicht. Was wird schließlich in der Summe ihr Erbe ausmachen? Dass sie doch wieder Auftragsarbeiter waren. Leute aus meiner Generation kommen erst nach und nach auf diesen Trichter. Ich bin gut mit Sean Phillips befreundet [unter anderem der Zeichner von Ed Brubakers Sleeper für Wildstorm und der neuen Serie Criminal für Marvel / Icon – die ihm zusammen mit Brubaker selbst gehört...]. In letzter Zeit fragt er mich immer öfter darüber aus, wie es mit meiner eigenen Serie so läuft - so nach dem Motto: „The Walking Dead läuft also gut, ja?“ Andererseits ist es für einen Autor auch sehr viel einfacher, Auftragsarbeiten zu vermeiden und die Rechte an der eigenen Arbeit zu behalten. Für einen Zeichner nimmt die Arbeit an einer einzigen Ausgabe die gesamte Arbeitszeit ein.

Natürlich ist es ein Riesenspaß, die Ikonen zeichnen zu dürfen, Spider-Man, Wolverine und so weiter. Für einen Zeichner ist es aber eine erfüllendere Erfahrung, am Ende auch die Rechte am Material zu besitzen. Vor ein paar Jahren, noch bevor ich mit The Walking Dead angefangen hatte, meinte Mike [Michael Avon] Oeming [der Zeichner von Powers] eines Abends in San Diego zu mir, ich solle mich an Serien halten, an denen ich auch die Rechte halte. Das sei der einzig richtige Weg. Ich habe ihm entgegnet, er könne das so leicht sagen, wo er doch mit Powers die bestverkaufte Independent-Serie herausgibt. Schließlich verdient er gut daran und hat die Filmrechte an Hollywood verkauft. Aber ich muss meine Frau und meine zwei Kinder durchbringen. In diesem Sinne kann ich wirklich verstehen, warum manche Leute dieses Wagnis nicht eingehen wollen. Andererseits: natürlich sitze ich jetzt mit The Walking Dead in meinem eigenen Elfenbeinturm.

G wie Gorilla: Haben Sie je darüber nachgedacht, selbst unter die Autoren zu gehen?

CA: Nein, eher nicht. Na ja, vor Jahren hatte ich mal eine Idee im Kopf, als ich noch [für Topps an der Comic-Serie zu] Mars Attacks! arbeitete. Nur die Keimzelle einer Geschichte, sozusagen. Das Schreiben überlasse ich dann lieber den echten Autoren. Aber die erste Independent-Arbeit, die ich gemacht habe, das war The White Death [Anm.: eine abgeschlossene Graphic Novel, erschienen bei AiT/Planetlar]. Daran habe ich nach Akte X gearbeitet. Ich hatte eine Handvoll Ideen für den Band: Ich wollte die Geschichte in einem bestimmten Stil zeichnen. Sie sollte während des Ersten Weltkriegs spielen. Und mir war schon klar, wie die ersten und die letzten drei Seiten aussehen sollten: Eine „Kamerafahrt“ auf einen Schädel im Schnee zu, und am Ende dieselbe Fahrt rückwärts. Also habe ich Robbie Morrison angerufen, der die Geschichte schreiben wollte, habe ihm erzählt, was für Ideen ich habe, und dann hat er sich alles andere ausgedacht. Ich hatte keine Struktur im Kopf, keinen Plot, nichts. Ich habe den Ball ins Rollen gebracht, aber Robbie hat ihn eingelocht. Näher bin ich dem Autorenfach bisher nicht gekommen.

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Die besten Momente von The Establishment: Superhelden nicht in Sicht, dafür liegt der Fokus auf abgründigen Pubgesprächen.

G wie Gorilla: Im selben Sinne: Wie viel Einfluss nehmen Sie auf den Plot von The Walking Dead?

CA: Robert und ich telefonieren oft, aber trotzdem weiß ich nie, was in der nächsten Ausgabe passiert. Das ist mir ehrlich gesagt auch lieber so, weil ich die Geschichte auf diese Weise so lesen kann, wie es unsere Fans auch tun. Ich habe mich allerdings sehr über die letzte Ausgabe gefreut, die ich gerade fertig gezeichnet habe. Einer der Protagonisten fährt darin auf Ricks Motorrrad durch die Gegend und demoliert es prompt. Meine Reaktion: ‚Jawoll!’, weil ich es hasse, Motorräder zeichnen zu müssen. ‚Jetzt muss ich nie wieder den blöden Ofen zeichnen!’

G wie Gorilla: Sie entscheiden sich oft für eher ungewöhnliche, schrullige Serien wie Wildstorms kurzlebiges The Establishment, anstatt sich Comics mit absoluter Verkaufsgarantie zu widmen. Steckt da ein System dahinter?

CA: Ich fand es merkwürdig, dass man mich für Akte X ausgewählt hatte, weil ich nicht sonderlich begabt dafür bin, die Gesichter echter Personen in meinen Zeichnungen zu treffen. Topps hat sich für mich entschieden, weil ich ihrer Meinung nach die düstere Atmosphäre gut traf. Aber dass ich für The Establishment eine ungewöhnliche Wahl gewesen sein soll, das klingt interessant. Das mag wohl daran liegen, dass man mit Wildstorm gewöhnlich eher schrillere, auffälligere Zeichnungen verbindet, was man von meiner Arbeit nicht gerade behaupten kann. Mir gefielen die ersten vier oder fünf Ausgaben richtig gut. [Der Autor] Ian Edginton hat es geschafft, mit all den Andeutungen auf Fawlty Towers und andere britische Kulturexporte, das Schrullige, Britische an der Serie herauszustellen. Der zuständige Redakteur Jeff Mariotte meinte zu mir, „Die Serie wird richtig gut, wir erzählen die geheime Geschichte des Wildstorm-Universums“, was genau das Gegenteil von meiner eigenen Vorstellung der Serie war. Ich würde die Serie gerne heute noch einmal zeichnen. Damals habe ich in einem glatteren, präziseren Stil gearbeitet. Es wäre sicher interessant zu sehen, wie The Establishment mit meinem heutigen, loseren Stil aussehen würde. Bevor ich mit The Walking Dead anfing, habe ich noch eine Ausgabe Batman gezeichnet, für die ich ungefähr doppelt so viel Zeit wie sonst hatte. Deswegen wollte ich sie extrem aufwändig und glatt umsetzen. Als ich damit fertig war, habe ich mir die Seiten angesehen und mir die Frage gestellt: War das wirklich die ganze zusätzliche Mühe wert? Im Anschluss daran musste ich meine erste Ausgabe von The Walking Dead binnen zwei Wochen fertig kriegen. Deswegen habe ich mir wieder einen skizzenhafteren Stil angewöhnt. Mittlerweile ist der mir auch sehr viel lieber.

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Frühwerk: Adlards Akte X-Ausgaben waren - auch dank Stefan Petruchas stilsicheren Skripts - außergewöhnlich beliebt für ein TV-Spinoff.

G wie Gorilla: Wo wir gerade bei Stilfragen sind: Welche von den heute arbeitenden Zeichnern mögen Sie denn besonders?

CA: Mit zweien meiner Lieblingszeichner bin ich eng befreundet. Da wäre zum einen Sean Phillips, der genauso schnell zeichnet wie ich. Er ist richtig, richtig schnell. Duncan Fegredo ist wahrscheinlich der beste Comic-Zeichner überhaupt. Seine Arbeit ist wirklich fantastisch. Er zeichnet die neue Hellboy-Miniserie. Letzten Monat hat er mir in Bristol ein paar Seiten davon gezeigt, und die sind zum Sterben schön. Seine beste Arbeit bisher, unglaublich gut. Ich will versuchen, ihm ein paar Seiten davon abzuschwatzen. Dummerweise sind die meisten meiner Lieblingszeichner ziemlich langsam, deswegen sieht man so wenig von ihnen. Ich mag Tommy Lee Edwards und John Paul Leon sehr. Edwards arbeitet jetzt für Marvel an einer Joe Straczynski-Serie namens Bullet Point. Er arbeitet oft beim Film, macht Konzeptzeichnungen, solche Sachen. Ich mag auch Jason Pearsons Arbeit sehr.

G wie Gorilla: Seit Akte X hat sich ihr Stil deutlich gewandelt. Besonders bei The Walking Dead wirken Ihre Kompositionen und Kadrierungen strenger, präziser.

CA: Irre oder kaputte Panels haben mich nie interessiert. Alles, was nicht rechteckig ist, kann ich nicht ausstehen. Ich verehre beispielsweise Eduardo Risso. Der Wahnsinn, wie der seine Panels anordnet, so dass zwei Kader fließend ineinander übergehen, ohne dass eine Bruchstelle sichtbar wäre. Aber Risso ergeht sich auch nie in irrsinnigen Panel-Formen. Als ich über The Walking Dead nachgedacht habe, wurde mir klar, dass es zuvorderst ein Charakterdrama ist, kein Horror-Comic. Deswegen hielt ich es für angemessen, mich so weit wie möglich zurückzuhalten. So kann man sich voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren, ohne von eitlen Stilübungen abgelenkt zu werden.

G wie Gorilla: Ihre Arbeit mit mise-en-scène, das heißt der Bewegung der Figuren im Raum, trägt deutlich zu dem oft herben Realismus von The Walking Dead bei. Legen Sie sich die Szenen im voraus so zurecht? Haben Sie eine besondere Technik, um die Gänge der Figuren innerhalb der Szenen festzulegen?

CA: Erstaunlicherweise überhaupt nicht. Normalerweise läuft das so: Wenn mir die richtige Idee nicht binnen zehn Sekunden zufliegt, dann kommt sie gar nicht mehr. Das hört sich wohl ziemlich arrogant an, aber so meine ich das gar nicht – ich scheine nur eine natürliche Begabung dafür zu haben. Ich fertige nie Skizzen an. Die einzigen Skizzen, die ich für The Walking Dead je gemacht habe, waren für Robert, damit er sieht, wie ich die Serie angehen will. Für Savage mache ich allerdings oft kleine Skizzen, im Gegensatz zu The Walking Dead. Savage ist in einem eher europäischen Stil gehalten. Das heißt, ich bringe mehr Details unter, arbeite die Hintergründe mehr aus.

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The Walking Dead: Adlards nüchterner, skizzenhafter Stil passt vielleicht noch besser zu Adlards existentialistischen Storys als Tony Moores häufige Ausflüge ins Cartoonhafte.

G wie Gorilla: Gerade bei The Walking Dead wird auch immer wieder der Einfluss des Kinos auf Ihre Arbeit spürbar. Sie meinten, Sie hätten eine Filmhochschule besucht?

CA: Ja, richtig. Viel mit Technik hatte die Ausbildung aber nicht zu tun. Grandioserweise habe ich drei Jahre studiert und hatte danach einen Abschluss in der Tasche, der zu absolut nichts nutze war. Ich habe mich umgehört, wo ich arbeiten könnte. Damals wohnte ich in London, und wenn ich überhaupt eine Antwort von einer der Produktionsfirmen bekam, dann: „Wie wäre es mit einem Job als Runner?“ [Anm.: Die mit Sicherheit undankbarste Position in einem Filmteam – das sprichwörtliche „Mädchen für alles“, nur mit größeren sportlichen Anforderungen.]

G wie Gorilla: Hat die Fotographie denn dann einen großen Einfluss auf ihre Zeichnungen bei The Walking Dead? Sie arbeiten viel mit filmischen Techniken, mit Helldunkel-Kontrasten, und scheinen großen Wert auf korrekten Lichteinfall zu legen.

adlard2CA: Mir haben Helldunkel-Kontraste immer gefallen, schon, als ich für 2000AD arbeitete. Seit kurzem sehe ich mir auch immer genauer alte Schwarzweiß-Filme an, um dort die Lichtarbeit genauer zu analysieren. Die sind einfach schick anzusehen, weil sie aussehen wie Schwarzweiß-Comics, so durchsättigt ist der Schwarzton oft. Man merkt immer sofort, ob man es mit einem „echten“ Schwarzweiß-Film zu tun hat. Wenn heutzutage ein Regisseur sich für Schwarzweiß entscheidet, dann wird meistens zuerst farbig fotographiert und erst im nachhinein die Farbe rausgenommen. Das sieht man den Bildern immer sofort an.

G wie Gorilla: Warum hat The Walking Dead geschafft, was so vielen anderen Independent-Comics verwehrt geblieben ist – nämlich ein ziemlich großes Mainstream-Publikum zu erschließen?

CA: Ich bin selbst verblüfft, dass wir es so weit gebracht haben. Es ist ja nicht so, dass wir eine Welle losgetreten hätten. Es gibt keine anderen Serien, die sozusagen in unserer Nachfolge einen größeren Markt für Nicht-Superheldentitel erschließen würden. Wir sind ganz allein auf weiter Flur. Zombie-Serien haben sicher ihre eingefleischte Fangruppe, aber die ist noch kleiner als das Superhelden-Publikum. Andere Zombie-Comics sind längst nicht so in die Bestseller-Listen geschossen. Ich kann das Phänomen auch nicht so recht erklären. Ich glaube auch nicht daran, dass sich ganz und gar neue Comicleser gefunden haben, es dreht sich immer noch alles um das alte Fandom. Das hat tatsächlich auch seine guten Seiten, denn so lesen die endlich auch mal was, das nichts mit Superhelden zu tun hat. Wäre ich der Verleger gewesen, dem Robert vor zwei Jahren das Konzept für The Walking Dead vorgelegt hat... Aber jetzt sieht es so aus, als könnten wir die Serie tatsächlich zu Ende bringen, egal, wie lange das auch dauert.

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Rock Bottom: Die Graphic Novel erscheint Ende September / Anfang Oktober und erinnert graphisch am ehesten an Größen wie Geof Darrow.

G wie Gorilla: Sie arbeiten momentan auch zusammen mit Joe Casey an einer Original Graphic Novel für AiT/Planetlar. Können Sie uns darüber abschließend noch ein bisschen was erzählen?

CA: Der Band trägt den Titel Rock Bottom. Es geht darin um einen Mann, der sich in Stein verwandelt. Dadurch wird er allerdings nicht zum Superhelden, und die Geschichte ist auch nicht vergleichbar mit [Paul Chadwicks] Concrete. In der Graphic Novel geht es 102 Seiten lang um einen Mann, der mit seiner eigenen Sterblichkeit fertig werden muss. An einem bestimmten Punkt in der Geschichte sagt man ihm, dass der Prozess nicht umgekehrt werden kann, dass er sterben muss. Besonders hat mir daran gefallen, dass daraus eine richtig deprimierende Angelegenheit hätte werden können, aber Joe hat der Sache einen ganz eigenen Kniff verpasst. Er hat es geschafft, dass man sich nach dem Lesen alles andere als deprimiert fühlt. Das Ende ist wirklich toll. Joe hat es nicht in seinem üblichen, ziemlich aggressiven Stil geschrieben. Ich habe großen Gefallen an der Freiheit gefunden, neben The Walking Dead tun zu können, was ich will. Rock Bottom konnte ich nicht ablehnen, weil das Skript so gut war. Außerdem kann ich bei diesen Nebenprojekten Stilexperimente wagen. In diesem Fall verwende ich keine Schwarzflächen – nur Linien, und alles ist in reinem Schwarzweiß gehalten. Ich verpasse nur der Hauptfigur etwas graue Schattierung, je mehr er sich in Stein verwandelt. Der Band erscheint im September [2006 in den USA], und ich freue mich richtig darauf. Bisher war ich unter meinen Arbeiten ganz besonders auf White Death stolz, aber Rock Bottom wird jetzt wohl seinen Platz einnehmen.

G wie Gorilla: Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für unsere Fragen genommen haben.

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Ein weiteres Interview mit Charlie Adlard findet ihr beim Online-Magazin Comicgate. Auch hier lohnt das reinlesen, Charlie erzählt doch noch ein paar weitere hochinteressante Dinge. 

 

Text Copyright: 2006 Jochen Ecke, Thomas Nickel
Bilder Copyright: Charlie Adlard, Wildstorm / DC Comics, Topps, Joe Casey, Robert Kirkman

 
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