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Gorilla des Monats

bernie 
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Sir Simon - Battle

BattleSir Simon: Battle (Deutschland, 2008)
Plattenfirma:
Strange Ways (Indigo)
Tracks: 11
Erscheinungsdatum:
4. April 2008
ASIN: B0012UO0YY
Preis: ca. 14,97 € Sir Simon - Battle bei Amazon.de

 

Wie viele Möglichkeiten gibt es, vom Ende einer Beziehung zu singen? Sir Simon findet unzählige, ein paar davon neu, alle wahrhaftig. Der zweite Track seines Debüt-Albums erzählt zu Beginn von einem Konzert, das ein Paar verlässt noch bevor die Zugaben gespielt werden. Dann sitzt man sich an der Bushaltestelle schweigend gegenüber, hört Musik, um nicht miteinander sprechen zu müssen. Selbst der schwindende Akku des MP3-Players wird zur Metapher: “Please make those batteries last a little longer / Keep the thin red bar alive“. Immer schwingt auch die Entsprechung von Liebe und Kunst mit in diesem Song – wenn die Musik aufhört, so die unausgesprochene Drohung, dann endet auch die Beziehung. Eine Beziehung, von der man gar nicht so genau weiß, ob sie überhaupt jemals angefangen hat - ob sie überhaupt existiert. Vielleicht ist diese Liebe auch nur das reine Wunschdenken des lyrischen Ich. Sicher ist nur, dass sie scheitert, an der Zeit, am Sonnenaufgang, an der schwindenden Energie der Kunst: “You shook my hand and I started laughing / comedy is just tragedy plus time“.

Geistreich ist er also auch noch, dieser Simon Frontzek, wie er da eine alte englische Binsenweisheit herumdreht und ihr einen neuen Sinn, einen neuen Kontext gibt, wie er dem Klischee etwas Wahrhaftigkeit entringt. So ähnlich verhält sich das auch mit der Musik, die seine Band zu diesen Texten spielt. Das ist die Sorte von Singer/Songwriter-Akustik, wie man sie schon mehr als einmal gehört hat, mit einem gehörigen Einschlag in Richtung Pop – circa Elliott Smith minus die vollkommene Verzweiflung, die hier einer sanften, flauschigen Melancholie weicht, oder Bright Eyes ohne die grenzenlose jugendliche Wut. Bei Sir Simon schlägt nie ein Song in dröhnende Kakophonie um. Im Gegenteil, die Gitarren sind hier voller Wärme, und Frontzeks Melodien teilweise unverschämt schön – so schön, dass man Sir Simons Platte problemlos auf die neue Aimee Mann folgen lassen kann, ohne sich um die lässige, melancholische Harmonie betrogen zu fühlen. Ganz gelingt es den Musikern auf diesem Debüt aber noch nicht wie den großen Vorbildern, dieser Musikrichtung durch und durch das Klischee auszutreiben – dafür fühlt sich Battle (oder ist es nun Sir Simon – Battle?) aber auch nie wie eine schale Imitation an.

Selbst wenn sich die Musik dem Ausgewrungenen bisweilen annähern würde (was sie nicht tut), die Texte würden es wieder gut machen. Vor allem die Widersprüche haben es Frontzek angetan: „And before you go please tell me something I already know / about stars that glow with light of planets passed years ago“ singt er da in „Drink and drive“, dem eindeutigen Meisterstück der Platte. Da ist alles enthalten, schon in diesen zwei Zeilen: die Anwesenheit und die Abwesenheit der Liebe (die Anwesenheit der Abwesenheit? Oder umgekehrt?), das Ende der Liebe, obwohl sie noch zu glühen scheint, die Illusion, die aber doch irgendwie keine ist. Oft genug geht es in den Songs genau um dieses „irgendwie“. Wenn Frontzek beispielsweise singt, „And your breath turns to snow / turns to gold / turns to something that is cold“, dann singt er auch von der Widersprüchlichkeit der eigenen Sinnfindung. Das lyrische Ich kann sich nicht zwischen zwei Metaphern entscheiden und landet schließlich beim gemeinsamen Nenner, der Kälte – und bei seiner Unfähigkeit, die Sache zu benennen („something that is cold“). Es ist „irgendwas“, eben. Irgendwie. Diese nur auf den ersten Blick klischeehaften Zeilen, die oft mit ganz einfacher Sprache komplexe Befindlichkeiten sehr berührend ausdrücken können, sind dabei immer eingebettet in Frontzeks beständiges Geschichtenerzählen, das wohl sein größtes Talent ist. Schon bei diesem Debüt kann man also sagen, dass wir mit Sir Simon einen tollen Beobachter und Erzähler gewonnen haben. Für das zweite Album darf es nur noch ein bisschen mehr eigenes musikalisches Profil sein. Aber für den Augenblick reichen uns die Geschichten.

 

Text Copyright Jochen Ecke 2008
Cover Copyright  Strange Ways

 
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