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Gorilla des Monats

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Super Smash Bros. Brawl

brawlSystem: Nintendo Wii

Japan (2008), Producer: Shigeru Miyamoto, Director: Masahiro Sakurai, Scenario Writer: Kazushige Nojima, Level Design: Kazuhire Irie, Takeshi Suzuki, Kou Arai, Musik: Koji Kondo, Kenji Ito, Yoko Shimomura, Yasunori Mitsuda, Motoi Sakuraba, Yuzo Koshiro, Michiko Naruke 

Entwickler: Sora
Erschienen bei: Nintendo
Preis: ca.50 € Super Smash Bros. Brawl

Kann ein Videospiel verschwenderisch oder gar dekadent sein? Für gewöhnlich gilt ja die Maxime, die wir gerne mal als sogenannte "Kratos-Doktrin" bezeichnen: "je mehr, desto besser". Oder auch "warum groß, wenns auch größer geht?" Aber trotzdem, was Masahiro Sakurai da allerdings als Designer von Super Smash Bros. Brawl alles auf die Dual-Layer-DVD gepackt hat, das erschlägt den Spieler nicht nur durch Qualität, sondern auch an reiner Masse. Tatsächlich ist das so sehr der Fall, dass so mancher Spieler tatsächlich erst einmal wie der Ochs vorm Scheunentor steht und sich fragt, welchen Modus er jetzt spielen soll, ob er erst einmal in den abartig umfangreichen Config-Möglichkeiten rumspielt, oder... Aber auch wenn er sich schließlich entschieden hat, wird die Qual der Wahl nicht einfacher.

Es gibt 35 spielbare Charaktere, von denen zahlreiche ganz unterschiedliche Formen annehmen können. Da gibt es 41 Stages, die sich oft dynamisch verändern. Mehr als 300 Musikstücke von 35 prominenten Komponisten wie Nobuo Uematsu (Hörprobe), Michiku Naruke (Hörprobe), Kenji Ito (Hörprobe), Noriyuki Iwadare (Hörprobe) oder Yasunori Mitsuda (Hörprobe) sind auf der dicken Dual-Layer-DVD. Und dann erst die zahllosen Single- und Multiplayer-Möglichkeiten... Ein umfangreicher Story-Modus, an dem Final Fantasy VII-Autor Kazushige Nojima fleißig mitgearbeitet hat. Online-Matches. Ein Stage-Editor mit der Möglichkeit, eigene Kreationen zu verschicken. Vier individuelle Steuerungs-Schemata... und bisher haben wir noch nicht einmal mit den Helfer-Figuren, den Stickern, durch die Figuren stärker werden, oder den Items angefangen...

brawlbrawl

Aber trotz dieser Fülle haben es die Smash Bros.-Titel bei Europas verbissenen Hardcore-Spielern schwer. Stets wird der Vergleich zu den angeblich weit komplexeren Street Fighter, Tekken oder Virtua Fighter-Spielen heraufbeschworen, geht es doch sowohl bei den erwähnten Titeln, als auch bei Brawl letzten Endes nur darum, anderen Figuren ordentlich eins auf die Rübe zu hauen. Trotzdem werden Äpfel mit Birnen verglichen. Brawl steht zu Virtua Fighter wie Mario Kart zur Forza-Reihe. Im Prinzip geht es um das Gleiche, aber die spielerische Ausrichtung ist eine komplett andere. Und wir wollen es gar nicht leugnen. Wenn man anfängt, Smash Bros. zu spielen, dann fühlt sich das alles zunächst mal wie ein unfassbar konfuses Gewimmel an. "Wo bin ich, warum hab ich gerade gewonnen, wo kommen die ganzen Gegner her, was machen die Items, warum flieg ich gerade quer über den Bildschirm"?!



Aber nach einiger Zeit erkennt ihr, dass sich hinter all dem scheinbaren Chaos eine Menge System verbirgt. Ist die im Vergleich zu klassischen Prüglern extrem vereinfachte Steuerung erst einmal verinnerlicht, dann beginnt ihr, die Fähigkeiten eurer Figur zu verstehen, durchblickt das System, das auf Ring-Outs anstelle von Lebensbalken setzt, lernt, die Gegebenheiten der Levels zu nutzen, erkennt, was für ein integraler Bestandteil des Spiels die zahlreichen Hilfs-Items sind. Und spätestens dann wird auch endlich klar, wie stark der Vergleich mit anderen Prüglern hinkt – lediglich Capcoms leider vergessene Power Stone-Reihe lässt sich mit den Smash Bros. vergleichen. Im Grunde habt ihr hier ein ganzes Untergenre.

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Am deutlichsten wird das im Abenteuermodus Der Subraum-Emissär: Die Ansätze des famosen Super Smash Bros. Melee auf Gamecube wurden noch stark ausgebaut, so dass die Smash Bros.-Reihe spätestens jetzt auch als exzellentes Vergnügen für Einzelspieler durchgeht. Dank endlos vieler freispielbarer Goodies, bleibt die Motivation auch nach Wochen noch in fast schon astronomischen Höhen. Das Brawl zu viert eine Bombe ist, muss kaum noch erwähnt werden. Da ist es dann auch kein Problem, dass die Grafik im Vergleich zum Vorgänger zwar aufgehübscht wurde, aber keine Quantensprünge gemacht hat. Dank stimmigem Design, originellen Stages und natürlich serienmäßigem 16:9 und 480p ist das Spiel dennoch ziemlich ansehnlich geworden. Und das bei der Akustik mit 35 Star-Komponisten nichts schief gehen kann, versteht sich von selbst. Von orchestralen Arrangements über experimentelle Interpretationen bis hin zu piepsigen Originalklängen ist alles vertreten, was Spieler mögen.

Eines darf man aber trotz aller Euphorie nicht vergessen: Brawl betreibt permanent schamlosester Nintendo-Fanservice. An allen Ecken und Enden entdeckt ihr etwas kultiges – Nintendo hat mehr als 20 Jahre Firmengeschichte und damit auch Videospielgeschichte auf die Scheibe gepresst. Seid ihr mit NES und Gameboy aufgewachsen, bewahrt noch eure Club-Nintendo-Mitgliedskarte auf und verbindet mit Mario, Kirby und Link rosig-verklärte Kindheitserinnerungen, dann ist Smash Bros. ein wunderbar spielbares Foto-Album voller Erinnerungen und auch neuer Entdeckungen. Wer aber beim Gedanken an Nintendo schon Zahnschmerzen bekommt und stets harte Männerkost fordert, der wird trotz aller Qualitäten nach wenigen Runden gleichgültig den Controller beiseite legen.

Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright Nintendo

 
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