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Gorilla des Monats

bernie 
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Walk the Line
walkthelineUSA (2005)

Regie: James Mangold, Drehbuch: Gill Dennis, James Mangold, Kamera: Phedon Papamichael, mit: Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin

Erschienen bei: 20th Century Fox
Preis: ca. 10 € Walk the Line bei Amazon.de

Die Geschichte des Mannes, der in Zeiten der stetigen musikalischen Veränderungen, in denen der Rock'n'Roll geboren, zur Blüte geführt und von neuen Stilen wieder abgelöst wurde, stets mit Countrymusik Erfolg hatte und mit ihr geschickt eine Brücke zur Popmusik schlagen konnte, ist eigentlich ein Allgemeinplatz. Jeder hat von dem kleinen J.R. Cash (1932 – 2003) gehört, der auf der Baumwollfarm seines Vaters die ersten Kontakte zur Musik durch die Lobpreislieder seiner Mutter geknüpft hatte, der früh seinen älteren Bruder verlor und lange darunter litt, der bei der Air Force seine ersten Songs auf seiner ersten selbstgekauften Gitarre schrieb, der mit seiner Band ins Studio von Sun Records marschierte und mit seiner ersten eigenen Single und dem berühmten Boom-chick-a-boom-Sound wieder hinausspazierte.

Und jeder, der sich mit J.R., den sein Produzent kurzerhand in Johnny umtaufte, etwas beschäftigt hat, kennt die herzerweichende Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner zweiten Ehefrau June Carter, mit der er 35 Jahre lang verheiratet war und der er im Jahre 2003 nach nur wenigen Monaten ins Grab folgte.

Um diese Liebesgeschichte geht es vorrangig in Walk The Line, was dem Film ein hohes Lieblingsfilm-Potenzial verleiht. Er ist keinesfalls als Musikdoku zu verstehen, sondern angelehnt an Cashs Autobiographien Man In Black und Cash: the Autobiography. Es geht also um Cashs Leben, und das war natürlich zu einem großen Teil der Musik gewidmet, aber eben auch angefüllt mit allerlei anderen Dingen wie der Liebe in all ihrer Kompliziertheit und jeder Menge Tabletten.

Walk the Line

Seine Jugend und der Beginn seiner Karierre werden episodenhaft im Schnelldurchlauf durchgehechelt im Rahmen eines Flashbacks. Cash (Joaquin Phoenix) steht im behelfsmäßigen Backstageraum seines legendären Gigs im Folsom Prison 1968 und betrachtet sinnierend eine Kreissäge – warum auch immer die da rumsteht. Aber sie bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich den tödlichen Unfall seines Bruders Jack ins Gedächtnis zu rufen, der seinerzeit an einer Verletzung an einem ebensolchen Gerät starb. Bis zum Jahr 1968 wird nun also Johnnys Leben erzählt und das Tempo verlangsamt sich erst im Jahre 1956, als er June Carter (Reese Witherspoon) kennenlernt. Er ist zu dem Zeitpunkt noch mit seiner ersten Frau Vivian (Ginnifer Goodwin) verheiratet, mit der er im Laufe seiner Ehe vier Töchter in die Welt setzte. Vivian hat große Schwierigkeiten mit Johnnys dräuendem Erfolg, kann nicht nachvollziehen, warum er an freien Tagen in bester Loriot-Manier „einfach nur hier sitzen“ möchte, statt ihr ihm Haushalt zur Hand zu gehen. Auch der unabänderliche Kontakt mit minderjährigen weiblichen Fans macht ihr schwer zu schaffen – verständlich einerseits, auf der anderen Seite schmettert sie Johnnys euphorische Anrufe nach jedem Gig, die sehr deutlich zeigen, wie viel ihm ihre und nur ihre Freude und ihr Zuspruch bedeuten, eiskalt ab und gibt ihm zu verstehen, wie wenig sie mit seinem Leben einverstanden ist. Diese Ehe ist zum Scheitern verurteilt, das merkt ein Blinder mit 'nem Krückstock.

Da ist die fröhliche, auf der Bühne unglaublich tollpatschig-niedliche June natürlich ein ganz anderes Kaliber. Sie rauscht wie ein kunterbunte Feuerwerksrakete in Johnnys Leben und wird schnell zu einer seiner besten Freundinnen. Auch sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter zuhause, doch lässt sich das Unvermeidliche nicht verhindern. Im Jahre 1963 entsteht die Aufnahme von Ring of Fire, das June mit dem Countrysänger Merle Kilgore geschrieben hat. Ring of Fire ist der musikalische Ausdruck ihrer Liebe zu diesem unmöglichen Kerl, der das Rockstarleben mit allen Schikanen auslebt. Der Alkohol fließt bei Johnny und seiner Band in Strömen und schon bald wirkt er dem Tourstress, der für ihn und die Tennessee Two wirklich harte Knochenarbeit bedeutete, mit allerlei bunten Tabletten entgegen, hauptsächlich Amphetaminen. Immer öfter kann er Konzerte nicht spielen, klappt auf der Bühne zusammen. Immer wieder schafft er es für kurze Zeit aus der Sucht hinaus, verfällt ihr aber ebenso schnell wieder. Und immer wieder bittet er June, ihn zu heiraten. Aber sie kann sich grad noch beherrschen.

Im Jahre 1968 schließlich ist Cash gerade mal wieder nüchtern und spielt, nun in der erzählten Gegenwart angekommen, sein Konzert in Folsom Prison. Nur wenige Wochen später drängt er June gewieft in die Ecke und bittet sie während eines Duetts auf der Bühne vor ausverkauftem Haus um ihre Hand. Da wär sie aber nun wirklich eine Spielverderberin, wenn sie nein sagen würde. Dieser Zeitpunkt ist als Happy End wunderbar gewählt, denn dieser Teil aus Johnnys Leben hat sich hier tatsächlich für immer zum Guten gewandt.

Walk the Line

Natürlich ist viel, viel mehr in seinem Leben passiert. Der Mann ist trotz seiner Drogenprobleme über 70 Jahre alt geworden und hat bis ins hohe Alter Musik gemacht, zuletzt die eindrucksvollen American Recording-Alben mit Rick Rubin, von denen die letzten Aufnahmen nicht mehr zuende bearbeitet werden konnten, weil Cash vorher verstarb.

Insofern erzählt Walk The Line lediglich eine Episode aus diesem beeindruckenden Leben, aber auf jeden Fall eine der rührendsten, dramatischsten und spannendsten. Viele berühmte Musiker der Epoche wie zum Beispiel Elvis Presley, waren Cashs Zeitgenossen und haben Gastauftritte im Film, es wird gesungen, gesoffen und Party gemacht. Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon haben, das ist allgemein bekannt, die Lieder zum Film selbst eingesungen, wobei Phoenix wirklich eine phantastische Leistung erbracht hat, Witherspoons Stimme ist für meinen Geschmack etwas zu kieksig im Vergleich zur echten June, aber lassen wir darüber die Puristen streiten. Man merkt beiden Akteuren die unendliche Spielfreude an, mit der sie an ihre Arbeit gegangen sind. Natürlich hat man vor der Verkörperung zweier solcher Monumente von Menschen einen gehörigen Respekt, aber gleichzeitig haben beide alles aus ihrer Rolle rausgeholt und die Angst, an dieser Aufgabe zu scheitern, mit Bravour überwunden. Ich schmeiße ja immer gern mit Floskeln wie „XY hat AB nicht nur gespielt, er WAR es“ um mich, aber das darf ich hier nicht sagen. Aber was ich sagen darf ist, dass hier zwei großartigen Musikern Tribut gezollt wurde, jedoch gänzlich ohne Glorifizierung. Denn auch die beiden waren nur Menschen und gerade in Johnnys Fall mit jeder Menge Schwächen.

Also, wer eine objektive Biographie bzw. Dokumentation über Cashs Arbeit möchte, der sollte sich wirklich zusätzlich noch nach anderen Quellen umsehen (sehr zu empfehlen ist zum Beispiel das Hörbuch Auf Kurs von Bettina Greve, erschienen in einer günstigen Ausgabe bei Talking Books). Mit Walk The Line hingegen kann man herrlich für zwei Stunden eine Zeitreise in Cashs Epoche machen, eine hinreißende Liebesgeschichte mit allem Drama, was dazugehört erleben und dazu noch ohne Ende richtig gute Musik hören. Lehnt Euch zurück, schmeißt den Alltag aus dem Fenster und genießt es einfach!

Text Copyright Anna-Selina Sander 2008
Bilder Copyright 20th Century Fox

 
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