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Gorilla des Monats

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Der unglaubliche Hulk
HulkUSA (2008)
Regie:
Louis Leterrier, Buch: Zak Penn, Kamera: Peter Menzies Jr.,  Musik: Craig Armstrong, mit: Edward Norton, Liv Tyler, Tim Roth, William Hurt, Tim Blake Nelson, Ty Burrell, Lou Ferrigno

Verleih: Concorde Film
Film-Homepage: www.hulk-derfilm.de

Wen die Götter bestrafen wollen, dem erfüllen sie seine Wünsche. Besser könnte man den neuen Hulk kaum in einem einzigen Satz zusammenfassen. Die meisten werden sich noch gut daran erinnern, von was für Wünschen hier die Rede ist: Als 2003 Ang Lees The Hulk in die Kinos kam, äußerten sich die Kritiker verhalten, der durchschnittliche Kinogänger löste keine Karte und die Fanboys kriegten sich nicht mehr ein. Der Film habe viel zu wenig mit Stan Lees und Jack Kirbys Comics gemeinsam; Ang Lees und Gareb Schamus’ Skript verwirrte angeblich nur mit seiner wunderbar komplexen Vater-Sohn-Geschichte; und vor allem: das grüne Monster kam vornehmlich erst viel zu spät und dann natürlich auch viel zu wenig vor in dem opernhaften Drama. Die mittlerweile gegründeten Marvel Studios haben sich für das inoffizielle Sequel all diese Kritikpunkte von Nerdistan schwer zu Herzen genommen. Leider.

Engagiert wurde für die Fortsetzung ein Regisseur, der ganz gewiss keine Auteur-Allüren mit ins Spiel bringt: Louis Leterrier nämlich, der zusammen mit Luc Besson die vorzüglich-absurden Transporter-Filme gemacht hat. Die waren gerade wegen ihrer inszenatorischen Beliebigkeit als vollkommen überdrehte, ziemlich homoerotische Variation des 80er Jahre-Actionfilms sehr unterhaltsam. Anhand dieser beiden doch sehr brachialen Beweismittel würde aber niemand davon ausgehen, dass Leterrier eine besonders feinfühlige Seele mit ins Spiel bringt. Das tut er auch im Falle des neuen Unglaublichen Hulk nicht. Tatsächlich haben ihn die Marvel Studios explizit angeheuert, um dreieinhalb zünftige Actionsequenzen zu inszenieren. Drumherum durfte Autor Zak Penn ein dünnes Drehbuch schreiben. Kenner von The Transporter horchen auf: War das nicht genau Luc Bessons Herangehensweise bei den französischen Streifen um Jason Statham als schwulsten Muskelhelden aller Zeiten?

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Und in der Tat, die Struktur dieses neuen Hulk lässt sich ganz ähnlich zusammenfassen wie ein Transporter-Film: Bruce Banner alias „der Hulk“ wird dreimal in seinem Versteck vom bösen General Thunderbolt Ross ausfindig gemacht; dreimal schickt der Neocon-Fiesling mit dem Oberlippenbart seine Männer, um Banner zu kassieren; dreimal gibt es in der Folge eine halbwegs fantasievoll inszenierte Keilerei. Dann läuft der Abspann. Was zwischendrin passiert, ist tatsächlich nicht der Rede wert. Edward Norton, der in diesem neuen Film Eric Bana in der Rolle des Bruce Banner ersetzt, wendet noch nicht einmal sonderliche Mühe auf, Zak Penns Malen-nach-Zahlen-Dialoge irgendwie mit Leben und/oder Wahrhaftigkeit zu füllen. Mit Liv Tyler, die diesmal anstatt Jennifer Connelly die Betty Ross gibt, mag außerdem so gar keine Chemie aufkommen. Einzig Tim Roth als Banners direkter Gegenspieler grimassiert sich wunderbar überzogen durch seine Rolle als Supersoldier-gone-bad.

Am schmerzhaftesten an diesem Film ist aber mitanzusehen, wie das Drehbuch verzweifelt versucht, wirklich restlos alles auszuklammern, was Ang Lees The Hulk interessant gemacht hat. Flashbacks sind im Unglaublichen Hulk verboten, genauso wie jedwede Psychologisierung von Bruce Banner. Warum wird dieser Mann eigentlich so wütend? Wo steckt in ihm dieser Mr Hyde, wo kommt er her? Zak Penns Skript will diese Fragen auf gar keinen Fall beantworten. Bei Louis Leterriers Hulk genügt es folgerichtig schon, wenn beim Vorspiel mit Liv Tyler der Puls etwas ansteigt, um Norton beinahe zum von den Fans so ersehnten Hulk-Out zu bringen. Wer braucht schon eine sensible Auseinandersetzung mit dem Jekyll und Hyde-Motiv, wenn das Monster in dir sich schon nach einem besonders langwierigen und anstregenden Treppenaufstieg regt?


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Ein belangloser Film ist Der unglaubliche Hulk also geworden; sogar die Selbstironie der Transporter-Filme geht Leterrier hier ab. Den dort so reichhaltig zu findenden absurden Erfindungsreichtum müssen wir nach den eher gewöhnlichen Actionsequenzen in diesem Blockbuster wohl auch entgültig Luc Besson zuschreiben. Hat sich bei den Marvel Studios also möglicherweise die Attitüde durchgesetzt, die Superheldenfilme seien mittlerweile derart zu Selbstläufern geworden, dass man gar keine eigenwilligen Regisseure wie Sam Raimi oder Ang Lee mehr braucht? Wir können nur das Gegenteil hoffen. Der unglaubliche Hulk demonstriert nämlich deutlich, wie seelenlos ein Film werden kann, wenn man als Regisseur nur darauf versessen ist, Fans und Produzenten zufrieden zu stellen. Notiz also an Produzent Avi Arad: Wer mag schon Blockbuster, die sich derart uncharmant anbiedern? Wir jedenfalls nicht.

Text Copyright Jochen Ecke 2008
Images Copyright Concorde Film / Marvel Studios / Universal; The Hulk Copyright Marvel Characters

 
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